Stand: 05.02.2026 14:48 Uhr
Die Ahrenshooper Künstlerkolonie ist über die Grenzen Mecklenburgs bekannt. Zu ihr gehörte auch der Maler Hans Brass. Ihm widmet das dortige Kunstmuseum bis Mitte April eine Sonderschau.
Das Gemälde „Das Hohe Ufer Ahrenshoop“ muss er an einem stürmischen Tag zu Beginn der 1920er-Jahre gemalt haben. Zu sehen sind bunte Bögen und Spitzen sowie runde beziehungsweise eckige geometrische Formen. Zum Gemälde gibt es Zeichnungen, Skizzen und eine farbige Vorzeichnungen. Im Kunstmuseum Ahrenshoop ist es, wie viele andere Bilder des Malers, zum ersten Mal zu sehen.
„Der Malstil kommt eigentlich vom Kubismus her, aber es ist auf eine individuelle Art verarbeitet“, erklärt Kuratorin Katrin Arrieta. „Es sind scharfkantige, spitze Formen gegen gerundete Formen und Farben, die Gegensätze zum Ausdruck bringen. Man hat den Eindruck von Gefahr auf der einen Seite und eine Figur im Mittelpunkt, die aussieht wie ein Embryo. Tatsächlich symbolisiert sie die Geburt einer neuen Zeit.“
„Bunte Stube“: Adresse für Bücher, Kunst und Kunstgewerbe

Die „Bunte Stube“ in Ahrenshoop – mehr als nur ein Laden für Kunst und Bücher.
Hans Brass wurde 1885 im niederrheinischen Wesel geboren. Sein Weg als Künstler war holprig, nachdem er eine Laufbahn beim Militär abgebrochen hatte, verließ er mehrere Kunstschulen vorzeitig. Er heiratete in Berlin und kam 1920 nach Ahrenshoop, lernte Martha Wegscheider kennen, die Großmutter von Andreas Wegscheider. „Die beiden haben sich Ende der 1920er-Jahre verliebt“, erzählt der Enkel. „Beide waren mit anderen Partnern verheiratet. Hans Brass hat hier gewohnt und mein Großvater, also der Mann von Martha, hat ihn toleriert. Aus dieser Beziehung ist dann die ‚Bunte Stube‘ entstanden – eine Idee von Martha und Brass.“
Bis heute ist die ‚Bunte Stube‘ die Adresse für Bücher, Kunstgewerbe und Kunst im Ort – inzwischen in der vierten Generation. Errichten ließ das Gebäude Hans Brass. 1927 wurde er sogar Bürgermeister. „Er war immer ein Mensch, der auch für das Gemeinwohl einen Sinn hatte“, erzählt Andreas Wegscheider. „Als dann sozusagen eine Vakanz war, wurde er wahrscheinlich vorgeschlagen – das weiß ich gar nicht ganz genau. Er hatte dann sogar noch aus dieser Funktion heraus die Absicht, vielleicht sogar eine politische Laufbahn zu machen – was ihm aber nicht gelang.“

Rund 400.000 Euro hat die Winterauktion in Ahrenshoop eingebracht. Besonders Werke von Künstlern aus der DDR erzielten hohe Preise.
Vergessen, verkannt und wiederentdeckt

Zusammen zu sehen: Gemälde und Vorzeichnungen.
Immer wieder vernachlässigte Hans Brass seine Kunst, was ihn belastete. So durchziehen viele Brüche sein Leben. Die Nazis verboten sein Werk ebenso wie die SED-Kulturfunktionäre. Er wurde vergessen, verkannt und wiederentdeckt. Stefan Isensee ist der Enkel aus der ersten Ehe von Hans Brass, er hat über seinen Großvater eine Biografie geschrieben. „Die Lebenslinie von ihm ist eigentlich die Flucht – aus Flucht vor der Ehe ging er zunächst freiwillig in den Ersten Weltkrieg.“ Seine nächste Flucht war dann zusammen mit Marta Wegscheider, seiner zweiten Frau, mit der er sich hier nach Ahrenshoop zurückzog. Von der Ostsee ging es für Brass als erfolgloser Künstler zurück nach Berlin. So war sein ganzes Leben von einer Suche nach einer Existenz als Künstler gezeichnet.
Mit seinen 93 Jahren hat Stefan Isensee jetzt den Nachlass an das Kunstmuseum in Ahrenshoop vermittelt. 190 Arbeiten, darunter 17 Gemälde, die noch nie öffentlich zu sehen waren – möglich gemacht durch eine Schenkung über einen Rostocker Sponsor. „Der Nachlass ist von der Tochter aus dritter Ehe – Bettina Brass. Sie war sozusagen seine Familie zum Zeitpunkt, als er starb“, erzählt Isensee. „Da wir alle nicht jünger werden, ging es darum, den Bestand dieser Kunstwerke zu sichern.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts zieht es Künstler auf den Darß. Das Kunstmuseum Ahrenshoop präsentiert ihre Arbeiten.
Werk von Hans Brass wird auch kunstwissenschaftlich aufgearbeitet
Nach Ansicht des betagten Enkels der richtige Ort, denn das Kunstmuseum wird über diese Ausstellung hinaus das Werk von Hans Brass auch kunstwissenschaftlich aufarbeiten, meint Katrin Arrieta als künstlerische Leiterin des Hauses: „Wir haben jetzt zu dieser Ausstellung wieder einen kleineren Katalog gemacht, der eben noch mal neue Aspekte zeigt, auch neue Abbildungen, aber das Werk im Ganzen mal publiziert“ – da neben den Gemälden auch die meisten Vorzeichnungen jetzt im Besitz des Museums gesichert sind.

Eine der schönsten Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns lockt mit langen Sandstränden und einem urwüchsigen Wald.
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