Melania Trump steht in einem schwarzen Mantel vor einer Wand mit großem Schriftzug "MELANIA".

AUDIO: Rekord-Budget, fragwürdiger Deal: Melania-Doku und die Mechanismen der Macht (6 Min)

Stand: 06.02.2026 12:21 Uhr

Am vergangenen Wochenende ist die Doku „Melania“ über die First Lady der USA in die Kinos gekommen. ARD-Korrespondentin Kerstin Klein erklärt im Gespräch, warum der Deal zwischen Amazon und dem Weißen Haus Kritik auslöst.

Wie ist dieser Film in den ersten Tagen in den USA angelaufen?

Kerstin Klein: Der ist besser angelaufen als erwartet worden war: Am Eröffnungswochenende hat er etwa sieben Millionen US-Dollar eingespielt – erwartet waren fünf Millionen. Der „Business Insider“ schrieb, das sei das beste Eröffnungswochenende für einen Dokumentarfilm im letzten Jahrzehnt. Aber man muss auch sagen, dass dieser Film wahnsinnig teuer war: Amazon hat 40 Millionen US-Dollar für diese Produktion ausgegeben und noch einmal 35 Millionen US-Dollar in das Marketing gesteckt. Da muss es also noch mehr solcher Wochenenden wie das erste geben, bis das auch nur ansatzweise wieder eingespielt ist.

Melania Trump posiert vor einer Leinwand, die für ihren Film wirbt.

Millionen für Trump-Gattin

Der Film „Melania“ ist die teuerste Doku aller Zeiten. Während in Europa die Säle leer bleiben, sorgen Trump-Fans für einen starken Kinostart in den USA. Doch die hohen Kosten sind schwer einzuspielen. Von Angela Göpfert.

Zumal außerhalb der USA der Kinostart wohl ziemlich gefloppt ist. Zum Beispiel saßen am Freitag bei der Premiere im Cinemaxx in Hannover nur drei Leute im Kino. Wie kann man dieses unterschiedliche Interesse auf den verschiedenen Seiten des Atlantiks erklären?

Klein: Ich weiß nicht, es gibt ja auch Kritiker, die sagen, das sei gar kein wirklicher Dokumentarfilm, weil auch Melania Trump selber Mit-Producerin war, selber mitgesprochen hat bei der Entscheidung, wie dieser Film gemacht wurde. Da gibt es zum Beispiel eine andere Regisseurin, die gesagt hat, das hätte weder einen künstlerischen noch einen journalistischen Wert. In den USA gibt es tatsächlich sehr viele Menschen, die Fans sind von Donald Trump, die auch Fans sind von seiner Frau. Der Film ist vor allem in republikanischen Hochburgen gut gelaufen. Es waren vor allen Dingen ältere, weiße Frauen, die sich diesen Film angeguckt haben. Aber nach allem, was man hört, so wahnsinnig viel erfährt man in diesem Film offenbar gar nicht über sie.

Amazon-Chef Jeff Bezos und Donald Trump sollen diesen Deal bei einem Abendessen eingefädelt haben. Was sagt diese Doku über die Beziehung zwischen dem Tech-Giganten und dem Präsidenten?

Klein: Es gab offenbar einen regelrechten Bieter-Wettbewerb: Auch Disney und andere haben versucht, die Filmrechte zu erwerben. Es gibt Kritiker, die sagen, dass es nicht das kommerzielle Interesse dieser Unternehmen war, diesen Film zu machen, sondern dass es auch darum gegangen sein könnte, auf der guten Seite bei Donald Trump zu stehen. Die „New York Times“ zitiert Ted Hope, der bis 2020 mal für Amazon gearbeitet hat, und der fragt: Wie kann man diese horrende Summe nicht als Einschmeichelei oder vielleicht sogar als Bestechung sehen und bewerten? Dieser Verdacht steht also im Raum.

Kerstin Klein  ARD Korrispondentin

Kerstin Klein ist ARD-Korrespondentin im Studio Washington.

Es gibt auch von amerikanischen Journalisten den Vergleich zu anderen Dokumentationen, und da ist eine Summe von einer Million Produktionskosten und drei Millionen Marketingkosten das Übliche. Hier redet man von 40 und 35 Millionen, und von diesen 40 Millionen soll Melania Trump 28 Millionen für sich selbst behalten haben. Da gibt es zumindest den Verdacht, dass da nicht nur ein Interesse an dieser Dokumentation bei Amazon bestanden hat, sondern dass da vielleicht auch das Interesse war, auf der guten Seite bei Donald Trump zu stehen.

Was können Trumps Hoffnungen sein bei dieser Zusammenarbeit?

Klein: Für die Konzerne geht es, glaube ich, nicht nur darum, dass man nicht ins Fadenkreuz von Donald Trump gerät – der hat durchaus auch Medienkonzerne und Unternehmen schon verklagt -, sondern man braucht die Trump-Regierung auch an manchen Stellen für das eigene Geschäft. Wenn zum Beispiel solche Konzerne eine Fusion mit einem anderen Medienkonzern vollziehen wollen, dann brauchen sie dafür das Okay der Trump-Regierung.

Umgekehrt hat Donald Trump schon immer sehr an seiner Marke gearbeitet, die Marke Trump hat ihm viel Geld eingebracht. Jetzt scheint es so zu sein, dass auch Melania als Marke aufgebaut wird. Und die Familie Trump hat tatsächlich in der Zeit, in der Donald Trump wieder im Amt ist, tatsächlich gute Geschäfte gemacht, und Melania Trump hat mit diesem Film 28 Millionen US-Dollar verdient. Das ist sicher was, worüber sie sich freuen dürfte.

Das Gespräch führte Keno Bergholz.