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Besondere Schutzmaßnahmen: Die Patientenzimmer der Aller-Weser-Klinik in Verden dürfen aktuell nur noch mit Mund- und Nasenschutz betreten werden. © Kracke
Die Aller-Weser-Klinik kämpft mit einem Corona-Ausbruch. Gleichzeitig steigen die Influenza-Fälle im Landkreis Verden dramatisch an.
Verden/Achim – Es galt schon als weitgehend besiegt, es hatte seinen Schrecken verloren, aber jetzt ist es zurück, das C-Wort, das vor vier und fünf Jahren noch den ganzen Globus in Panik versetzte. Inzwischen längst nicht mit schweren Ausbrüchen, aber immerhin mit Auswüchsen, die zu besonderen Maßnahmen führen. Corona. Und mittendrin die Aller-Weser-Klinik. Ganze Etagen sind zu Isolationsbereichen erklärt worden. „Auf allen Stationen liegen betroffene Patienten. Nur die Gynäkologie blieb verschont“, sagt Jutta Dreyer, Amtsärztin beim Landkreis Verden. Gleichzeitig beschäftigt sie ein starker Anstieg von Influenza-Erkrankungen im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden.
Warnhinweise befinden sich an allen Zugängen der Klinik-Stationen. © Kracke
Der stärkste Corona-Ausbruch in der Verdener Klinik spielte sich zu Wochenbeginn ab. „Inzwischen greifen die Schutzmaßnahmen“, sagt auf Nachfrage der Ärztliche Direktor Dr. Peter Ahrens. Im zweistelligen Bereich halten sich die Zahlen der Infizierten aber immer noch auf. „Wir haben vor allem mit Einschränkungen für Besucher reagiert. Es ist zwar weiterhin möglich, Patienten zu besuchen, aber wir bitten darum, dass nur direkte Angehörige kommen, und dies mit Mund- und Nasenschutz.“
Eine ganze Reihe Mitarbeiter sind erkrankt. Bisher konnte der Betrieb aber uneingeschränkt aufrecht erhalten werden.
Schwere Verläufe seien bisher nicht diagnostiziert. „Es befindet sich keiner der Infizierten auf der Intensivstation“, so der medizinische Direktor. Ahrens führt die milde Entwicklung auf die sogenannte Durchseuchung zurück. Nahezu jeder sei irgendwie irgendwann von der Erkrankung betroffen und habe damit einen gewissen Schutz erlangt. „Eine Impfung gegen Corona ist anders als früher eher eine Individualentscheidung. Aber es gibt Menschen, die von dem aktualisierten Impfstoff profitieren“, sagt Ahrens. Immerhin handele es sich um eine Erkrankung, die über den Atemwegstrakt in den Körper gelange, an der immer noch Menschen sterben. „Das kann einen ganz schön in die Knie zwingen.“
Allerdings trifft das Virus nicht nur Patienten, es trifft auch das Team der medizinischen Versorgung. „Eine ganze Reihe Mitarbeiter sind erkrankt“, räumt Ahrens ein. Schutzmaske und Hand-Desinfektion seien inzwischen die wichtigsten Maßnahmen, die jeder berücksichtigte. „Damit konnten Personalengpässe ausgeglichen werden. Es ist zu keinen Beeinträchtigungen gekommen.“
Mit eindringlichen Worten warnt Ahrens davor, das Virus zu unterschätzen. „Manchmal habe ich den Eindruck bei den Mitmenschen, als wenn wir Corona nie gehabt hätten. Das beginnt schon beim Mund- und Nasenschutz, der zuweilen abgelehnt wird.“ Besonders der Selbstschutz habe gelitten. „Corona ist eine Infektionskrankheit, die nun mal in der Welt ist, und auf die sich jeder einstellen sollte.“
Die Zeiten von Schreckenswörtern und Buchstabenfolgen wie Inzidenz oder PCR sind zwar vorüber, einen Einblick in das Aufkommen bewahrt sich das Gesundheitsamt aber immer noch. „Im Januar vergangenen Jahres hatten wir 29 Fälle, im Januar dieses Jahres 34. Im Februar letzten Jahres waren es drei, diesmal sind es bisher schon zwölf“, so Amtsärztin Dreyer.
Nahezu zeitgleich und vom Großteil der Bevölkerung unbeachtet entwickelt sich die Influenza-Verbreitung. Notierte das Gesundheitsamt im Januar 2024 noch 39 Fälle und im Januar 2025 bereits 51, so sind es im ersten Monat des laufenden Jahres bereits 70. Und auch im Februar ist bisher keine Entwarnung in Sicht. An den ersten vier Tagen wurden 12 Fälle gemeldet.
Einen guten Überblick liefert das Landesgesundheitsamt, das die Krankmeldungen in den Kitas als Basis für die aktuelle Entwicklung verwendet. Hier galt der Landkreis Verden bis Ende Januar noch als unauffällig, inzwischen hat er die dritte von fünf Warnstufen erreicht. Und eine Entwarnung sei nicht in Sicht. „Der Krankenstand ist in den Kitas aktuell sehr hoch“, so Dreyer. Influenza bleibe eine schwerwiegende Erkrankung mit lange hohem Fieber und stark spürbaren Symptomen. „In diesem Jahr fällt sie besonders heftig aus“, ergänzt Dreyer. Sie empfehle weiterhin eine Impfung. „Dafür ist es jetzt noch nicht zu spät.“