Die Voyager und Pioneer-Messungen – kurz L81 – galten bisher als Referenzwerte. Ihnen zufolge hat der Jupiter einen Radius von 71.492 Kilometer am Äquator und 66.854 Kilometer an den Polen – im Mittel 69.911 Kilometer. Allerdings gab es dabei eine Messunsicherheit von mehr als vier Kilometern.
Neue Chance durch Juno-Mission
Jetzt hat es die Juno-Mission der NASA ermöglicht, diese Messwerte zu präzisieren. Die Raumsonde Juno umkreist den Jupiter seit 2016 und fliegt seit 2021 auch immer wieder hinter dem Gasriesen vorbei. Dies eröffnete dem Team die Möglichkeit, neue Radio-Okkultationsmessungen durchzuführen. „Wir haben analysiert, wie die Radiosignale gebeugt werden, wenn sie die Atmosphäre des Jupiter passieren“, erklärt Koautorin Maria Smirnova vom Weizman Institute.
Jupitergröße und Form vor und nach der Neumessung durch die Raumsonde Juno. © Weizman Institute of Science
Die 26 Radio-Okkultationen beruhenden Messungen haben nun neue, präzisere Werte zur Dichte und Temperatur der Gashülle geliefert, aber auch zur Größe und Form des Jupiter. Erstmals berücksichtigen die Messungen dabei auch den Einfluss der Sturmbänder, die die Gashülle des Planeten durchziehen. Denn auch diese beeinflussen die Okkultationsmessungen und ihre Präzision. „Dank Junos Messdaten konnten wir die Messunsicherheit zu Jupiters Form um rund eine Größenordnung verringern – von rund vier Kilometer auf 0,4 Kilometer“, berichten die Forschenden.
„Lehrbücher müssen aktualisiert werden“
Die neuen Daten enthüllen: Die alten Referenzwerte haben die Größe des Jupiter überschätzt, denn er ist kleiner und weniger kugelförmig als lange angenommen. „Der aktualisierte mittlere Radius liegt bei 69.886 Kilometer, das ist 25 Kilometer weniger als nach dem bisherigen Referenzwert L81“, berichten Galanti und seine Kollegen. Auch die Abplattung des Gasriesen durch die Zentrifugalkräfte ist deutlich stärker ausgeprägt.
„Diese wenigen Kilometer sind bedeutend – die Lehrbücher müssen entsprechend aktualisiert werden“, betont Seniorautor Yohai Kaspi vom Weizman Institute. Denn die Form und Größe des Jupiter bildet die Referenz für viele astronomische und astrophysikalische Messungen und Modelle. „Jupiters Radius dient zudem oft als Kalibrierungs-Standard für die Modellierung von großen Exoplaneten“, erklären die Forschenden.
Neues Licht auch auf Jupiter-Inneres
Auch Annahmen zum Innenleben des Jupiter sind von den korrigierten Daten betroffen: „Bisher nutzten alle Modelle des Jupiterinneren den L81-Referenzwert von 71.492 Kilometer für den äquatorialen Radius, um auf die interne Struktur des Planeten zu schließen“, schreiben Galanti und seine Kollegen. Allerdings zeigten neuerer Beobachtungsdaten immer wieder Abweichungen von diesen Modellen – unter anderem im Anteil schwerer Elemente in verschiedenen Schichten der Jupiter-Gashülle.
Das ändert sich nun: „Wenn wir den neuen, kleineren äquatorialen Radius in die Modelle einspeisen, passen sie besser zu den Messungen von Gravitation und Atmosphäre des Jupiter“, berichtet Kaspsi. Demnach könnte der Gasriese eine metallreichere, kühlere Atmosphäre besitzen als bislang angenommen. Zusammengenommen trägt die Korrektur der fast 50 Jahre alten Referenzdaten dazu bei, sowohl den Jupiter als auch andere Gasplaneten besser zu verstehen. (Nature Astronomy, 2026; doi: 10.1038/s41550-026-02777-x)
Quelle: Weizman Institute of Science
5. Februar 2026
– Nadja Podbregar