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Frankfurt am Main, 04.02.2026, Stadtteil Sossenheim, Café Kitzel, Kurmainzer Straße 205. Kurz vor dem Fastnachtshöhepunkt  Pia Kitzel vom gleichnamigen Sossenheimer Café beim Kreppelbacken über die Schulter geschaut. HIER: Pia Kitzel mit Kreppen und Auszeichnungen. (c) FOTO:  Rainer Rüffer (RuefferPia Kitzel, Betreiberin des gleichnamigen Sossenheimer Traditions-Cafés, kann stolz auf die Kreppel aus ihrem Hause sein: Dafür gab es schon mehrere Auszeichnungen. © Rainer Rüffer/Rainer Rüffer

Die 24-Jährige backt nach dem Rezept ihres Großvaters. Dieses Jahr sollen ihre Kreppel die besten in ganz Frankfurt werden.

Frankfurt – Wenn das Café Kitzel für eine Sache bekannt ist, dann sind es seine köstlichen Kreppel. Sie sind das traditionelle Gebäck zur Fastnachtszeit – und noch für zwei Wochen zu kaufen. ,,Nach Fastnacht ist Schluss”, grinst Pia Kitzel, die Inhaberin der Traditions-Bäckerei. Ihr Großvater, von dem sie das Geschäft vor vier Jahren übernommen hat, sehe das sehr streng: Nur vom 11.11, 11.11 Uhr, bis zum Aschermittwoch dürfen Kreppel gebacken und verkauft werden. Und das seit 78 Jahren. Die Enkelin hält sich an diese Tradition.

Frankfurt am Main, 04.02.2026, Stadtteil Sossenheim, Café Kitzel, Kurmainzer Straße 205. Kurz vor dem Fastnachtshöhepunkt  Pia Kitzel vom gleichnamigen Sossenheimer Café beim Kreppelbacken über die Schulter geschaut. HIER: Kreppel schwiommen im Fett. (c) FOTO:  Rainer Rüffer (RuefferSie „hot Abbeid wie die Pann uff Fassenacht“, sagte man früher: Die Kreppel werden in Fett ausgebacken. © Rainer Rüffer/Rainer Rüffer

Als die 24-Jährige das Café vor vier Jahren übernahm, bürdete sie sich eine große Fuhre Verantwortung auf – aber auch die Pflege liebgewonnener Traditionen. Von klein auf kennt sie das Handwerk, half schon als Siebenjährige beim Brötchenbacken mit. Sie möchte die Ideen und Rezepte ihres Urgroßvaters weiterführen. Doch das erfordert viel Zeit und Energie. ,,Ich habe es mir einfacher vorgestellt”, räumt sie ein. Während die meisten Mensch um 4 Uhr nachts schlafen, steht Pia Kitzel am Backofen, rührt Teig an oder – wie an diesem Tag – wälzt Kreppel in Puderzucker. Ohne Leidenschaft und Freude, sagt sie, könne man in diesem Beruf nicht bestehen.

Hagebutten oder Pistaziencreme?

Gelegentlich hilft ihr Großvater aus: Als vor einigen Tagen eine Großbestellung von 800 Kreppeln für eine Fastnachts-Veranstaltung reinkam, buk der Konditormeister im Ruhestand selbstverständlich mit. Etwa 20 Stunden zusätzlich standen Pia Kitzel und ihr Opa an jenem Wochenende in der Backstube. ,,Bevor der Teig gebacken wird, kommt er in den Gasschrank und muss danach 20 Minuten stehen”, erklärt die Bäckerin. Es ist eine Mischung aus Routine und Feingefühl, mit der sie das beliebte Hefegebäck zum Ausbacken ins Fett legt. ,,Mein Gefühl sagt mir immer, wenn die Kreppel gewendet werden müssen” – hier spricht die Erfahrung aus der 24-Jährigen. Und die täuscht sie nicht: Nach mehrfachem Wenden zeichnet sich der unverkennbare helle Rand zwischen den zwei dunkleren Seiten ab. ,,Ein Kreppel ohne Rand ist kein Kreppel” – das war schon die Losung ihres Großvaters. Mit der richtigen Menge an Druck wird nun die süß-säuerliche Marmelade ins Traditionsgebäck gespritzt. Auch das läuft wie am Schnürchen.

Zurück hinter der Theke. ,,Hier hat meine Stiefoma schon alles dekoriert”, erzählt Pia Kitzel und zeigt auf die bunte Fastnachts-Dekoration in der Fensterscheibe. Viele wollen ganz traditionelle Kreppel mit Hagebutten- oder Pflaumenmarmelade kaufen. In der letzten Kampagne hat sie sich erstmals auch an neue Variationen getraut: Kreppel mit Pistaziencreme oder Nussnougat – es sind frische Ideen, die alte Traditionen ergänzen, aber nicht mit ihnen konkurrieren. Denn obwohl die Neuheiten gut ankamen und auch in diesem Jahr hinter der Verkaufstheke liegen, bleiben die meisten Kunden doch beim Klassiker. Übelnehmen kann man es ihnen nicht: Viele sind immerhin mit dem saftigen Geschmack der Hagebuttenmarmelade aufgewachsen.

Als sei die Zeit stehengeblieben

Das Eck-Café wirkt, als sei die Zeit stehengeblieben: Hunderte von Kaffeekannen zieren die Fensterbretter, alte Malereien hängen an den Wänden. Es ist eine Atmosphäre, die es in dieser Form immer seltener gibt. Kein Wunder. Schließlich hängen die Bilder dort seit Jahrzehnten. ,,Meine Großmutter hatte eine Leidenschaft dafür”, erinnert sich Pia Kitzel.

Auch beim Bäcker- und Konditorenhandwerk setzt Pia Kitzel immer wieder auf erprobte Weisheiten der Großeltern: ,,Mein Opa hat mir schon früh gesagt, dass man immer einen Vorteig machen sollte.” Beim Backen habe sie alles von ihm übernommen. Seit 1948 wird in dem Familienbetrieb ohne Konservierungsstoffe und ausschließlich mit regionalen Produkten gearbeitet; Dosenobst oder Geschmacksverstärker in Pulverform kommen nicht in den Ofen.

So kommt es, dass es sich weit über Sossenheim herumgesprochen hat, wie gut die Kreppel im Café Kitzel sind. In den vergangenen zwei Jahren errangen sie bei der Wahl der beliebtesten Kreppel Frankfurts den 2. Platz. In diesem Jahr will Pia Kitzel es auf den 1. Platz schaffen. Sie ist zuversichtlich: ,,Immer mehr Menschen kommen wieder auf die einfachen Backwaren ohne Zusätze zurück”. Sollte sie recht behalten, stehen die Chancen gut.