„Armonia“ war das Motto der Eröffnungsfeier – Harmonie. Und tatsächlich: Fünf riesige Olympische Ringe schwebten im Mailänder San Siro empor und verbanden sich zu einer Einheit. Ein Feuerwerk entzündete sich. Schöne Bilder wurden von der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Italien in die Welt gesendet.
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Die Zeremonie von Kreativdirektor Marco Balich war angenehm unprätentiös – ein sehr komprimierter Rückgriff auf die große Kultur und Geschichte Italiens und ihre prägenden Persönlichkeiten. Im Schnelldurchlauf wurden unter anderem Rossini, Verdi, Puccini oder Pinocchio vorgestellt. Auch die Römer marschierten kurz durchs Bild.
Das alles war hübsch und flott inszeniert. Nur eines wollte so gar nicht ins Programm passen: dass beim ersten Gesangsact eines bis dahin durchweg italienischen Abends eine US-Amerikanerin auf der Bühne stand – Mariah Carey.

Martin Einsiedler taten die israelischen Athleten am Freitag leid.
In einem glitzernden Kleid von Fausto Puglisi sang sie Domenico Modugnos ikonisches Lied „Nel blu, dipinto di blu“. Den Zuschauern im San Siro (die Tickets kosteten zwischen 700 und 2000 Euro) war der Stilbruch egal: Sie sangen laut mit und jubelten nach dem Auftritt des US-Stars.
Apropos nicht ins Programm passen: Mit dem Motto „Harmonie“ verbindet man nicht unbedingt den US-Vizepräsidenten JD Vance. Der saß neben seiner Frau auf der Tribüne und klatschte in seine schwarzen Handschuhe, als das US-Team einlief.
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Schon der Ärger im Vorfeld um den italienischen Rapper Ghali aufgrund seiner Pro-Palästina-Bekundungen hatte gezeigt, dass der Wunsch nach Harmonie in dieser Welt eine Chimäre ist – und dass sich ein Event wie Olympia nicht von ihr abkapseln kann.
Weltpolitische Dissonanzen waren am Freitagabend im San Siro auch hörbar. Als die israelischen Athleten einliefen, ertönten viele Pfiffe.
Insofern war die harmonische Idee der Eröffnungsfeier recht weltfremd, aber vielleicht darf und soll sie das auch sein.