Am Sonntag geht die 29. Mannheimer Vesperkirche in der CityKirche Konkordien zu Ende. Für die Organisatoren war es eine große Herausforderung, denn in diesem Jahr wurden so viele Menschen mit einem warmen Mittagessen versorgt, wie noch nie. Die Ehrenamtlichen hatten seit dem 11. Januar alle Hände voll zu tun und servierten durchschnittlich mehr als 700 Essen am Tag. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von rund 15 Prozent, informierten die Organisatoren der Evangelischen Kirche am Freitag.

Vesperkirche Mannheim

Unter den 800 Ehrenamtlichen waren auch Familien, Schüler-, Konfirmanden- und Firmengruppen.

Viele Besucher in finanzieller Not

Es ist ein neuer Negativrekord, für den das diesjährige Vesperkirchen-Motto „Am Limit“ bezeichnend ist. Immer mehr Menschen befänden sich in finanziellen und gesundheitlichen Notlagen, heißt es seitens der Kirche, viele seien mit den Krisen der Zeit überfordert.

Die soziale Schieflage in unserer Gesellschaft macht sich immer deutlicher bemerkbar.

Nicht nur Wohnungslose unter den Gästen

Unter den Gästen waren viele Obdachlose, Menschen mit Drogenproblemen, Arbeitslose, Alleinerziehende und Zuwanderer aus den unterschiedlichsten Ländern. Aber auch zahlreiche ältere Besucherinnen und Besucher hätten von dem vierwöchigen Angebot Gebrauch gemacht, bilanzierte die Mannheimer Vesperkirchen-Leitung. Viele Seniorinnen und Senioren bezögen eine so schmale Rente, dass es zum Leben kaum reichen würde, erklärte Pfarrerin Ilka Sobottke.

Besonders bitter sei es, wenn die Betroffenen ihr Leben lang gearbeitet hätten und dennoch jeden Cent umdrehen müssten. Tief berührt hat die Pfarrerin der Fall einer Ergotherapeutin, mit der sie während der Vesperkirche gesprochen hat.

Sie hat vierzig Jahre gearbeitet und hat unter 1.000 Euro Rente. Bei 600 Euro Miete bleibt ihr zum Leben kaum was übrig.

Gemeinschaft ist den Besuchern wichtig

Andere Gäste seien regelmäßig gekommen, weil sie sich einsam fühlten. Sie habe nicht nur das warme Essen, sondern vor allem die Gemeinschaft am Tisch gelockt. 70 Ehrenamtliche waren bei der diesjährigen Vesperkirche täglich im Einsatz, nicht nur, um den Bedürftigen Essen zu servieren, sondern auch um Vesperbeutel zu packen, Einkaufs- und Lieferfahrten zu übernehmen.

Vesperkirche Mannheim

Für viele Besucher war auch die Gemeinschaft sehr wichtig.

Auch das begleitende Hilfs- und Beratungsangebot wurde nach Angaben der Evangelischen Kirche während der Vesperkirche rege genutzt. Menschen ohne Krankenversicherung konnten sich behandeln lassen, andere fanden Unterstützung bei der Wohnungssuche. Für von Armut betroffene Menschen sei die Digitalisierung auf dem Wohnungsmarkt oft ein großes Hindernis, erklärte Marie-Louise Uhrig vom Haus Bethanien, einer kirchlichen Einrichtung für Wohnsitzlose.

Ohne modernes Smart-Phone oder einen E-Mail-Account ist es heutzutage schwierig, eine Wohnung zu finden.

Wohnungslotsen helfen Menschen ohne Bleibe

Erstmals in diesem Jahr standen Betroffenen deshalb während der Vesperkirche sogenannte Wohnungslotsen zur Seite, die bei der Suche nach einer Unterkunft halfen.

Am Sonntag endet die Vesperkirche mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst um 14:15 Uhr unter der Leitung des evangelischen Mannheimer Schuldekans Andreas Weisbrod. Mit dem Ende der Vesperkirche bleibt der DiakoniePunkt Konkordien als „kleine Vesperkirche“ weiterhin geöffnet – montags bis freitags mit Mittagessen, Kaffee, Kuchen und Kleiderausgabe.