Chef der Sicherheitskonferenz warnt
Ischinger: Waffenstillstand erhöht Gefahr eines russischen Angriffs
07.02.2026 – 05:01 UhrLesedauer: 2 Min.
MSC-Leiter Ischinger sieht eine reinen Waffenstillstand im Ukraine-Kriegs für gefährlich an. (Archivbild) (Quelle: Christoph Soeder/dpa/dpa-bilder)
Die Nato könne durch einen reinen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg in Gefahr geraten, sagt Wolfgang Ischinger. Der Ex-Botschafter warnt vor einer russischen Aufrüstung.
Ein Waffenstillstand im Ukraine-Krieg hat nach Einschätzung von Wolfgang Ischinger die Gefahr eines russischen Angriffs auf östliche Nato-Länder erhöht. Solange die Ukraine Europa verteidige, seien russische Truppen dort gebunden und die Bedrohung geringer, sagte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“.
„In dem Augenblick, in dem es einen Waffenstillstand in der Ukraine gibt, ändert sich die Lage. Dann kann Putin seine Aufrüstung in aller Ruhe fortsetzen, und die Bedrohungslage verschärft sich für die Nato-Länder an der Ostflanke“, sagte der ehemalige deutsche Botschafter in den USA.
Die Ukraine habe deshalb oberste Priorität für Europa, betonte Ischinger. Der Ausgang des Krieges sei eine Schicksalsfrage für Deutschland und den Kontinent, auch mit Blick auf Litauen und die dort stationierten Bundeswehrsoldaten. Ein Ende der Kämpfe ohne klare Sicherheitsgarantien verschärfe die Lage an der Nato-Ostflanke.
Die Bedrohung für Deutschland werde größer, falls ein künftiger Waffenstillstand nicht mit einer starken Begrenzung russischer Truppen in den westlichen Militärbezirken einhergehe, sagte Ischinger. Das sei nach seiner Einschätzung derzeit nicht zu erwarten. Ein bloßer Waffenstillstand sei daher kein Grund zur Entspannung, der Frieden in Europa wäre nicht gesichert.
Europa trage eine noch größere Verantwortung, die Ukraine weiter zu unterstützen, erklärte Ischinger. Er habe kaum Hoffnung, dass die US-Regierung in absehbarer Zeit zur aktiven militärischen Hilfe zurückkehre. Um Russland abzuschrecken, müsse Europa seine Verteidigung deutlich schneller stärken.
Deutschland müsse dabei eine führende Rolle übernehmen, forderte Ischinger. Bundeskanzler Friedrich Merz stehe vor der Aufgabe, ein starkes und handlungsfähiges Europa zu formen. Dazu zähle aus seiner Sicht auch eine engere Abstimmung mit Großbritannien und Frankreich über den Schutz durch deren Atomwaffen.
