Sie filmt nicht, auch Fotos nimmt sie keine auf. Und trotzdem zieht die Kamera auf dem leuchtend gelben Sockel in der Skulpturenhalle von Thomas Schütte die Blicke auf sich. „Es ist der Abguss eines russischen Modells“, erklärt die Kuratorin Juliane Duft. Die Original-Kamera gehört nämlich dem Filmemacher Vladimir Shevchenko, der wenige Wochen nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl zum betroffenen Reaktor reiste, um dort die Aufräumarbeiten zu dokumentieren. Zwei Jahre später starb er an der Strahlenbelastung. Auch seine Kamera gilt als verseucht. „Toxic camera“ haben die Künstlerinnen Jane und Louise Wilson ihre Installation genannt. Und die ist, wenn man so will, die einzig klassische Skulptur, die in der neuen Ausstellung in der Thomas-Schütte-Halle zu sehen ist.