
AUDIO: Von Bunt bis düster: Kinderoper „Wurst“ und Puccinis „Turandot“ in Hannover (4 Min)
Stand: 07.02.2026 10:38 Uhr
Zwei Premieren in einer Woche an der Staatsoper Hannover: zuerst die Kinder-Küchenoper „Wurst“ von Sebastian Schwab und dann Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ in der Regie von Jakob Peters-Messer. Bei beiden Inszenierungen spielen Kinder eine wichtige Rolle – vor und auf der Bühne.
Bunt und munter geht es in der Küche der Geschwister Lisa und Hagen zu. Beide werden frech und aufmüpfig von den jungen Sängerinnen Merlene Mesa und Freya Müller verkörpert. Am nächsten Tag hat ihr Vater Geburtstag und da muss schnell noch ein Kuchen her. Also wandert alles Mögliche in den Teig: Tomaten, Orangensaft und Blumengestrüpp – zur großen Belustigung etlicher Grundschüler im Publikum.
„Wurst“: Übergroße Stöckelschuhe und tanzende Zimmerpalme
Ähnlich wild ist der musikalische Mix. Tenor Jan Kristof Schliep singt die Wurst, begleitet von Posaune und Klavier. „Die Bandbreite an Epochen geht von Barock bis Schönberg und Ligeti“, erzählt der Sänger. „Es gibt Stellen, die uns sofort an ‘Hänsel und Gretel’ erinnern.“ Jan Kristof Schliep steckt in einem ausladenden Kostüm in Form einer aufgeschnittenen Wurst. Sie ist dem Kühlschrank entsprungen und fordert nun Essbares aller Art – zum Schrecken der Geschwister. Die verbrüdern sich mal erfolgreich, dann werden sie wieder von der Wurst erpresst.
Übergroße Stöckelschuhe an Kinderfüßen, eine tanzende Zimmerpalme und wie von Zauberhand aus dem Kühlschrank verschwindende Zutaten begeistern das junge Publikum. Auch für Wurst-Sänger Jan Kristof Schliep ist das Singen vor jungem Publikum ein großer Spaß: „Kinder reagieren viel unmittelbarer und die sitzen uns ziemlich auf der Pelle, die erste Reihe ist sehr, sehr gut zu sehen. Wir hatten einen ganz kleinen Jungen vorne sitzen, der auch ein bisschen unruhig war, aber der auch mit ganz großen Augen auf die Bühne geguckt hat. Ist eine Herausforderung in seiner Rolle zu bleiben und da nicht immer hinzugucken und sich wahnsinnig zu freuen, dass er da so einen Spaß daran hat.“

Die Staatsoper Hannover erarbeitet mit internationalen Künstlern und Künstlerinnen vielfältige und innovative Programme.
„Turandot“: Märchenwelt mit schwarzen Silhouetten
Auch in der Turandot-Premiere spielen Kinder eine Rolle. Auf der Bühne im Einsatz ist der Kinderchor der Staatsoper Hannover. Und auch die Handlung hat etwas von einem Märchen: Eine Prinzessin, auf der Suche nach einem Ehemann, gibt den Anwärtern drei Rätsel auf. Wer sie nicht löst, wird einen Kopf kürzer gemacht.
Regisseur Jakob Peters-Messer interessiert dabei das Innenleben der Figur Turandot. Welches Trauma hat die Prinzessin zu derlei Selbstschutz gebracht? Entsprechend dunkel sind die Kostüme von Tanja Liebermann. „Es gibt die Welt der Turandot, diese Märchenwelt, oft auch in schwarzen Silhouetten“, erklärt sie. „Und da gibt es diese Figuren, die diese Traumsilhouette zeigen, was im Chor mit übergroßen Mäuseköpfen sichtbar wird und die dann auch eine Befreiung erfahren, indem sie sich entmaskieren und dann wie Turandot auch selbst befreit werden vom Trauma.“
Mit der Kraft der Liebe
Es ist eine Geschichte, die auch schon Teenager verstehen können. Doch wie begeistert man sie fürs klassische Repertoire? Indem man ihnen als Eltern vorlebt, sich solche Opern-Inszenierungen anzusehen, da ist sich Tenor Jan Kristof Schliep sicher. Nicht zuletzt, da es hier am Ende um die Kraft der Liebe geht – mit Happy End.

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