Verl. Der Hamburger Projektierer „ENERPARC“ will entlang der Autobahn 2 auf Verler Stadtgebiet in großem Stil Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichten. Für den baurechtlich privilegierten Bereich in den beiden 200 Meter breiten Streifen links und rechts der Autobahn liegen im Rathaus sechs Bauanträge vor; fünf stammen von „ENERPARC“.
In Summe haben diese überplanten sechs Flächen eine Größe von rund 29,1 Hektar. Auf ihnen könnten Anlagen mit einer rechnerischen Maximalleistung von 30,4 Megawatt Peak (MWp) entstehen. Das Problem: Die Kapazität des vorhandenen Stromnetzes reicht für die Umsetzung dieser Pläne nicht aus. Dafür müsste zusätzlich ein Umspannwerk gebaut werden.
Freiflächen-PV ist ein wesentlicher Bestandteil des kommunalen Klimaschutzkonzeptes „VIPER 29“, das der Stadtrat im September 2022 verabschiedet hat. Dieses Klimaschutzkonzept schreibt unter anderem als Ziel vor, bei der Energieerzeugung einen Autarkiegrad von wenigstens 80 Prozent zu erreichen. Dafür wäre es neben dem Bau von Windkraftanlagen notwendig, Freiflächen-Photovoltaik auf einer Fläche von etwa 315 Hektar zu errichten. Die Anlagen müssten insgesamt eine Leistung von 500 MWp erreichen – mehr als das Sechszehnfache des jetzt Beantragten.
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Weitere Anträge für Flächen außerhalb der 200-Meter-Zone
Bis Ende Juni vergangenen Jahres waren Investoren und Flächen-Eigentümer aufgerufen, im Rathaus ihr Interesse am Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage zu hinterlegen. Für Flächen innerhalb des privilegierten Bereichs gingen im Rathaus innerhalb dieser Frist die genannten sechs Bauanträge ein.
Für eine Fläche nördlich der Autobahn, zwischen Bielefelder Straße und Bleichestraße, an jener Stelle, wo der Dalkeweg unmittelbar an die A2 herangeführt ist, hat die Stadt bereits eine Baugenehmigung erteilt. In den anderen Fällen befindet diese sich in Bearbeitung und es gibt schon einen bewilligten Bauvorbescheid.
Weitere sechs eingereichte Flächen liegen außerhalb der 200-Meter-Zone neben der Autobahn. Dieses Gebiet ist nach dem vor drei Jahren vom Bund verabschiedeten „Gesetz zur sofortigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für die erneuerbaren Energien im Städtebaurecht“ nicht privilegiert.
Baurecht zu schaffen dauert Monate
Das heißt, hier müsste die Stadt Verl vor einer Realisierung der Vorhaben zunächst Baurecht schaffen. Das bedingt die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens in Verbindung mit einer Änderung des geltenden Flächennutzungsplans. Ein solches Verfahren dauert einige Monate.
Zwei der fristgerecht eingegangenen Anträge beziehen sich auf Flächen nördlich der Autobahn, vier betreffen Grundstücke südlich der A2. In Summe erreichen sie eine Größe von etwa 25 Hektar und ermöglichen den Bau von Freiflächen-PV mit einer Leistung von etwa 25 MWp.
„ENERPARC“ hat der Stadt Verl nach Ablauf der Einreichungsfrist mitgeteilt, dass die vorhandene Netzkapazität für die geplante Leistung seiner Anlagen nicht ausreichend sei und daher die Errichtung eines Umspannwerks erforderlich werde. Das teilt die Verwaltung in einer Sitzungsvorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen mit, der sich am Dienstagabend mit dem Thema befassen wird.
Potenzialflächen im Umfang von rund 100 Hektar
Damit hat „ENERPARC“ jedoch das nächste Problem. Der wirtschaftliche Betrieb eines Umspannwerks sei nur dann möglich, wenn zusätzliche Freiflächen-Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtfläche von mindestens 30 Hektar angeschlossen werden, so das Unternehmen.
Deshalb hat die Firma im Rathaus weitere Potenzialflächen mit einer Gesamtgröße von rund 100 Hektar zur Prüfung nachgereicht. Diese Flächen liegen verstreut im Norden und Nordosten des Verler Ortskerns, beispielsweise südlich der Sürenheider Straße zwischen Zum Meierhof und Bielefelder Straße, östlich der Bielefelder Straße links und rechts der Sender Straße und im weiteren Verlauf nördlich der Sender Straße bis an die Bleichestraße und den Menkebach heranreichend.
Bevor die Stadt das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans in Angriff nehmen würde, müsste sie einen städtebaulichen Vertrag mit dem Projektbetreiber abschließen. Denn Ende Dezember 2024 hatte die Politik für solche Fälle zur Voraussetzung gemacht, dass der Interessent sich dazu verpflichtet, Kosten und Aufwand der Planungsleistungen zu übernehmen.
Die nicht börsennotierte „ENERPARC“ AG ist als Entwickler, Planer, Erbauer, Betreiber und Vermarkter von Freiflächen-Photovoltaikanlagen international tätig. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über Erfahrung mit mehr als 700 Solarparks mit fast 4.900 MW installierter Solarleistung. 500 Anlagen davon mit einer Leistung von fast 3.800 MW betreibt die Firma selbst. Rein rechnerisch können diese Anlagen den Strombedarf von einer Million Haushalten decken.