Das Foyer des Johanna-Etienne-Krankenhauses erinnerte ein wenig an einen Basar. Verschiedene Stände informierten die Besucher, an anderer Stelle wurden Speisen angeboten. Denn: Am Mittwoch fand dort zum Weltkrebstag eine Informationsveranstaltung statt. Ein Rundgang.

Pneumologe Andreas Fischer vom Lungenzentrum verteilte an seinem Stand Waffeln am Stiel in Herzform. Seine frohe Botschaft: Die Heilungschancen bei Lungenkrebs sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Sein Appell: „Mit dem Rauchen aufhören.“

Auch Betroffene waren vor Ort. So zum Beispiel Bernd Krämer aus Meerbusch. Er hat seinen Darmkrebs überlebt und sich an den künstlichen Darmausgang längst gewöhnt. Die Operation liegt 28 Jahre zurück. „Leben 2.0“ nennt der 63-Jährige die Zeit nach dem Eingriff. „Alle hier sind glücklich, weiterleben zu dürfen“, erklärte Krämer. Er sei nach wie vor mit anderen Betroffenen im Austausch. Ulrike Petersen, ebenfalls aus Meerbusch, war vor 35 Jahren mit einer Darmkrebs-Diagnose konfrontiert worden. Sie leidet unter dem Lynch-Syndrom, ist dadurch besonders empfänglich für weitere Krebserkrankungen.

Eine Krebsdiagnose stellt für viele Menschen eine extreme psychische Belastung dar, sagt Andrea Doevenspeck, sie arbeitet als Psychologin im Johanna-Etienne-Krankenhaus. Sie kümmert sich bei Bedarf um die Betroffenen und deren Angehörige. Was sie immer wieder beobachtet: „Viele Erkrankte versuchen, ihren Angehörigen den Eindruck von Stärke zu vermitteln.“ Und: „Jeder Mensch reagiert anders auf die Diagnose.“ Efthalia Metikidou war Ansprechpartnerin für die Ambulante Palliativ-Patienten-Versorgung. Lars Galonska erklärte gegenüber unserer Redaktion folgendes: „Vor allem bei Brust-, Darm- und Lungenkrebs hat sich eine ganze Menge getan.“ Selbst Bauchspeicheldrüsenkrebs sei mittlerweile kein sicheres Todesurteil mehr. Seine Tätigkeit als Onkologe bezeichnete der 46-Jährige als „sehr erfüllende Tätigkeit“. Das habe auch damit zu tun, dass man immer mehr für die Erkrankten tun könne. „Wir können mittlerweile eine biologische Brücke zwischen Immunsystem und Tumorerkrankung bauen und das Immunsystem befähigen, den Tumor zu zerstören.“

Rainer Pappert, Mitglied der Gesamtgeschäftsführung der St. Augustinus Gruppe, zu der das Krankenhaus gehört, nannte folgende Zahlen: „Jedes Jahr erkranken deutschlandweit mehr Menschen an Krebs als der Rhein-Kreis Neuss Einwohner hat.“ Krebs sei längst kein Randthema mehr. Während die Medizin große Fortschritte mache, wachse die Zahl der Krebserkrankten. „Wir sind ein klarer Verfechter der Qualitätsmedizin“, erklärte Pappert. Die Aufgabe der Selbsthilfegruppen beschrieb er so: „Sie zeigen uns auf, wo wir Gutes noch besser machen können.“ Und auch zum Thema künstliche Intelligenz hatte Pappert eine Meinung. „Ja, aber mit Spielregeln“, so lautet sein Credo in Bezug auf den Einsatz.

Lisa Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Vorstandsvorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bundes und Rechtsanwältin, machte deutlich, dass eine Krebsdiagnose mit ganz, ganz großer Furcht einhergehe. Allerdings gebe es medizinische Entwicklungen, „die uns Mut machen können“. Im Zusammenhang mit der Krebsvorsorge kritisierte sie, dass vor allem Männer dieses Angebot nicht regelmäßig nutzten. Die seelische Belastung der Erkrankten und deren Angehörige dürfe nicht unterschätzt werden. Eine überstandene Krebserkrankung dürfe nicht gegen die Betroffenen verwendet werden. Das geschehe derzeit unter anderem bei der Beantragung von Krediten. Lars Galonska betonte: „Die Therapien werden immer zielgerichteter und damit schonender.“