Michael Ströll stapfte mürrisch durch die Mixed-Zone Richtung Kabine. Während draußen die Spieler des FSV Mainz 05 mit ihren Fans den 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FCA mit dem Fastnachtsevergreen „Am Rosenmontag bin ich geboren“ von Margit Sponheimer feierten, war der FCA-Geschäftsführer sauer. „Ich habe vorige Woche schon genug gesagt“, knurrte er und verschwand hinter der Tür.
Da hatte der FCA gegen den FC St. Pauli einen mehr als fragwürdigen Elfmeter gegen sich ausgesprochen bekommen, aber das Spiel nach dem 0:1-Rückstand noch 2:1 gewonnen. Das gelang dieses Mal nicht. Weil Nadiem Amiri für die Mainzer nicht nur den unberechtigt gegebenen Elfmeter in der 8. Minute zur 1:0-Führung verwandelte, sondern in der 80. Minute auch den berechtigten zweiten Strafstoß (Anton Kade hatte Amiri gefoult) zum 2:0 einschob. Und weil es den FCA-Spielern bei den durchaus vorhandenen Chancen nicht gelang, FSV-Torhüter Daniel Batz zu überwinden. Alexis Claude-Maurice scheiterte gleich zweimal (10. und 29.), wie auch Mert Kömür (26. und 77.), der den Vorzug vor Fabian Rieder erhalten hatte.
FCA-Trainer Manuel Baum diskutiert lautstark mit Schiedsrichter Patrick Ittrich
Deswegen war auch FCA-Trainer Manuel Baum nach dem Spiel kaum zu bremsen. Als er Schiedsrichter Patrick Ittrich bei den Fernseh-Interviews traf, entwickelte sich ein lautes Streitgespräch. Der Kampf um den Klassenerhalt zerrt an den Nerven. Die Konkurrenz ist nach der FCA-Niederlage wieder näher gerückt, Mainz zum Beispiel hat den Rückstand auf einen Punkt verkürzt, St. Pauli gewonnen und am nächsten Sonntag (15.30 Uhr) erwartet der FCA den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim in der WWK-Arena.
Kein Wunder, dass die Frustrationsgrenze beim FCA derzeit sehr niedrig ist. Auch bei der anschließenden Pressekonferenz hatte sich Baum noch nicht beruhigt. Der erste Elfmeter sei schließlich „spielentscheidend“ gewesen. „Es ist komplett unverständlich, dass der Schiedsrichter nicht rausgeht und das Ding nicht zurückgenommen wird. Man sieht in keinem Bild eine Berührung. Man sieht nur einen Spieler, der hinfällt“, polterte Baum los.
Elvis Rexhbecaj zieht durch, Stefan Bell fällt
Fünf Minuten waren erst gespielt, als das Unheil aus FCA-Sicht seinen Lauf nahm. Einen weiten Einwurf konnte der FCA nicht klären, Mainz-Verteidiger Stefan Bell kam vor Elvis Rexhbecaj am Ball. Der Augsburger zog trotzdem voll durch, schlug am Ball, aber auch am Fuß des Mainzers, vorbei. Wenn überhaupt, gab es nur ein hauchzartes Streifen. Trotzdem sank der 34-jährige Mainzer Routinier wie vom Blitz getroffen zu Boden und Schiedsrichter Ittrich deutete auf den Punkt. „Ich habe gesehen, dass Bell ganz klar den Ball spielt, Rexhbecaj voll durchzieht und es zu einem klaren Kontakt am Fuß kommt, und ich höre ihn auch“, verteidigte der Schiedsrichter seine Entscheidung später.
VAR in Kön studiert minutenlang die Fernsehbilder
Doch im Kölner Keller sah man das nicht so klar. Minutenlang wurde die Szene durch Video-Assistent Johann Pfeifer und dessen Assistent Thorsten Schiffner überprüft. Ittrich dazu: „Dann war ich im Kontakt mit dem Video-Assistenten. Die haben die Bilder geprüft und konnten es weder widerlegen noch belegen.“ Das reichte für Köln, Ittrich in seiner Erstmeinung zu bestärken und ihn auch nicht an die Seitenlinie zum Selbststudium zu holen. Ein Fehler, wie Ittrich nach der Partie mehr oder weniger eingestand. „Wenn ich die Bilder so sehe, ist es eher dünn. Man muss eher davon ausgehen, dass es eher kein Elfmeter ist.“
Manuel Baum: „Es wurde kein Kontakt gefunden
Für Baum kam diese Einsicht zu spät. „Es wurde kein Kontakt gefunden. Wenn man normal darüber nachdenkt, kommt man doch zu dem Schluss, wenn kein Kontakt da ist, wenn man keinen findet im Bild, dass es das Mindeste ist, dass der Schiedsrichter rausgeschickt wird und der dann zu der Erkenntnis kommt, dass der Elfmeter zurückgenommen wird.“ Es sei „aberwitzig, dass ein nicht sichtbarer Kontakt dazu führt, dass die Entscheidung bestehen bleibt.“

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Trainer Manuel Baum war nach der Niederlage beim FSV Mainz 05 frustriert und wütend.
Foto: Florian Wiegand, dpa
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Trainer Manuel Baum war nach der Niederlage beim FSV Mainz 05 frustriert und wütend.
Foto: Florian Wiegand, dpa
Der FCA-Trainer ist davon überzeugt, dass sein Team in den vergangenen Wochen schon öfter benachteiligt worden ist. „Daran können wir nichts ändern, aber ich will das auch nicht einfach so hinnehmen“, schimpfte Baum. Es gehe schließlich um den Klassenerhalt.
FCA-Spieler sollen Elfmeter-Situationen suchen
Er will nun seine Spieler anhalten, auch mehr solche Elfmetersituationen zu kreieren. „Ich habe leider das Gefühl, dass wir die Spieler durch das System so sozialisieren, dass sie sich in solchen Situationen reinfallen lassen, was nichts mehr mit dem Spiel zu tun hat.“ Seinem Verständnis von Fußball und Fairness entspreche dies allerdings nicht.
FCA-Sportdirektor Benni Weber: Elfmeter sind Mainzer Stilmittel
Auch in Sportdirektor Benni Weber brodelte es gewaltig nach der Pressekonferenz. Er sagte, diese Vorgehensweise sei beim FSV Mainz 05 sogar ein gewisses „Stilmittel“. Acht Elfmeter habe Mainz in dieser Saison schon zugesprochen bekommen, der FCA erst einen. „Wir sind eine faire Mannschaft und dafür werden wir bestraft. Wir hatten heute auch genügend Kontakte gegen uns, lassen uns aber nicht fallen.“ Sein Fazit: „Wir müssen die Regeln in Zukunft so gut wie möglich für uns nutzen, so traurig es ist.“
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