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Bei Neuwagenkauf wird es gerne übersehen – Jahre später schlägt das Abo-Modell mit voller Wucht zu: Viele Funktionen kosten plötzlich viel Geld. Der ADAC schlägt Alarm.
München – Der Schock kommt meist nach einigen Jahren: Plötzlich funktioniert das Navigationssystem nicht mehr, die Smartphone-App zur Fernsteuerung bleibt stumm, und auf dem Bildschirm erscheint die Aufforderung, ein kostenpflichtiges Abo abzuschließen. Was beim Neuwagenkauf als modernste Technologie beworben wurde, entpuppt sich als cleveres Geschäftsmodell der Autohersteller. Zum Ärger vieler Käufer: Besonders Premium-Kunden, die ohnehin viel Geld für ihre Autos bezahlen, sind von dem System wenig begeistert. Der ADAC hat nun einige Abo-Modelle unter die Lupe genommen.
Ärgerlicher Trend für viele Autokäufer: Immer mehr Hersteller setzen auf Abo-Modelle für digitale Dienste. (Symbolbild) © Connect Images/Imago
Der Automobilclub hat zwölf Fahrzeughersteller zu ihren Abo-Preisen befragt und dabei extreme Unterschiede festgestellt. Mercedes verlangt bis zu 329 Euro pro Jahr für digitale Extras, Audi ruft zwischen 12,90 und 15,90 Euro monatlich auf – das sind bis zu 190,80 Euro jährlich. BMW liegt mit 9,98 Euro monatlich etwas günstiger. Beim Neuwagenkauf werde dieses Thema gerne totgeschwiegen, warnt der ADAC: „Das dicke Ende kommt für viele nach ein paar Jahren Nutzung“ dann überraschend, so der Automobilclub.
Kritik an Hersteller-Abos: Große Unterschiede bei den kostenlosen Zeiträumen
Besonders ärgerlich: Die kostenlosen Zeiträume variieren stark zwischen den Herstellern. Während Audi, Opel und VW beispielweise den Remote-Zugriff per Smartphone-App zehn Jahre kostenlos anbieten, seien es bei Kia 7, bei Renault 5 und bei Škoda nur 3 Jahre. Was die Funktionen danach kosten, lassen die meisten offen. Nur Škoda erklärte, der Remote-Zugriff namens „Škoda Care Connect“ koste 60 Euro jährlich. Beim chinesischen Hersteller Nio sei der Remote-Zugriff dagegen lebenslang kostenlos dabei – allerdings spielt die Marke, wie auch viele andere chinesische Autobauer, hierzulande bei den Zulassungszahlen kaum eine Rolle.
Abo-Modelle der Autobauer: Käufer junger Gebrauchter besonders betroffen
Die Praxis trifft vor allem Käufer junger Gebrauchtwagen hart. Sie erwerben oft Fahrzeuge, deren kostenlose Nutzungsphase bereits abgelaufen ist oder bald endet. „Gebrauchtwagenkäufer haben diesen zusätzlichen Kostenblock oft gar nicht auf dem Schirm“, kritisiert der ADAC. Händler wüssten häufig selbst nicht, welche Kosten auf die neuen Besitzer zukommen. Für Autofahrer sei das „ein Unding“.
Der Automobilclub fordert deshalb volle Preistransparenz ohne Login-Zwang sowie einfache, nachvollziehbare Produktstrukturen. Der aktuelle „Abo-Dschungel“ mit unzähligen kleinen Zusatzdiensten müsse gelichtet werden. Sicherheitsrelevante Funktionen und Software-Updates müssen über die gesamte Fahrzeuglebensdauer kostenlos bleiben. Abos sollen beim Fahrzeugwechsel übertragbar sein, um Wertverluste zu vermeiden.
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Fotostrecke ansehenAlternativen zu Herstellerabos vorhanden
Wer den teuren Herstellerdiensten entgehen möchte, sollte laut ADAC auf Drittanbieter-Apps zurückgreifen. Schließlich lasse sich in den meisten neuen Automodellen das Smartphone per Android Auto oder Apple CarPlay koppeln – ein Navi-Ersatz ist hier schnell gefunden. Allerdings weist der Automobilclub auch darauf hin, dass echte Alternativen zu den vollständig integrierten Hersteller-Navigationssystemen momentan nur mit kostenpflichtigen Drittanbieter-Abos erhältlich sind. Kostenlose Versionen in seienden Funktionen oft eingeschränkt – was speziell für E-Auto-Fahrer bei der Ladeplanung problematisch sein kann. (Quelle: ADAC, eigene Recherche) (sop)