Als Markus Blume noch CSU-Generalsekretär war, produzierte er beinahe täglich Schlagzeilen, weil das quasi zum Stellenprofil gehörte. Doch seit der Politiker als Wissenschafts- und Kunstminister fungiert, ist es eher ruhig um ihn geworden. Nun jedoch darf Blume wieder öffentlich glänzen, weil ihm tatsächlich ein echter Coup gelungen ist. Die von Ministerpräsident Markus Söder und ihm ausgerufene „Hightech Agenda Bayern“ samt einem „Spitzenprofessurenprogramm“, das vor allem für Themen wie Raumfahrt oder KI angelegt ist, hat – sozusagen als ausgleichenden Effekt gegenüber der Kunst – einen Namen an das Jazz-Institut der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) gespült, der weltweit für großes Aufsehen sorgt.
Paukenschlag in München: Jazz-Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington wird Honorar-Professorin an der Musikhochschule
Terri Lyne Carrington, Schlagzeugerin, Komponistin, Bandleaderin, vierfache Grammy-Gewinnerin und renommierte Frauenrechtlerin, wird bis Ende 2028 blockweise und projektbezogen Münchner Jazz-Studentinnen und -Studenten unterrichten. Nicht nur in Jazzkreisen ist die Rede von einem „Paukenschlag“. Carrington gilt als absoluter Superstar des Genres, stand schon als Zehnjährige mit dem Trompeter Clark Terry auf der Bühne, spielte unter anderem mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Carlos Santana, Diana Krall, Stevie Wonder, Joni Mitchell, Al Jarreau und trat im Weißen Haus auf. „Wenn man das auf den Pop übertragen könnte, dann wäre das so, als würde Paul McCartney uns in seine Geheimnisse und seine Philosophie einweihen“, beschreibt es ein begeisterter Dozent des Jazz-Institutes.
Erstaunlicherweise ist das bei der 60-jährigen Musikerin, die in Massachusetts geboren wurde und heute in New York City lebt, ähnlich: „Ich freue mich auf München, wirklich!“, sagt sie. Generell hat „Frau Professor“ eine erstaunlich enge Beziehung zu Deutschland und ganz besonders zu Bayern. „Ich habe hier so oft gespielt, wie in keinem anderen Land, außer in den USA. Die Menschen hier kennen sich wirklich mit Jazz aus, ich fühle mich wertgeschätzt, und auch die Kritiker sind um einiges besser als in meiner Heimat, konstruktiver, fachkundiger.“
Terri Lyne Carrington ist offen für alle Musikstile
Das ideale Biotop für eine fruchtbare Spitzenprofessur, deren Ursprünge bis ins Jahr 2014 zurückgehen. Vor zwölf Jahren nämlich trat Terri Lyne Carrington mit einem ihrer Grammy dekorierten Projekte, nämlich „Money Jungle“, bei der Jazzwoche im oberbayerischen Burghausen auf, wo auch Claus Reichstaller, der Leiter des Jazz Instituts der HMTM, als Gasttrompeter in ihrer Band mitwirkte. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, von da an gab es den Kontakt, der seit 2024 noch enger wurde, als wir ein Austauschprogramm mit dem Berklee College in Boston initiierten“, erzählt die Frau, die als zugänglich, nahbar, vielseitig, offen für nahezu alle Musikstile, erfrischend allürenfrei und bodenständig gilt. Der Rest sei dann irgendwann nur mehr Formsache gewesen.
Für den Jazz im deutschsprachigen Raum bedeuten ihre Vorlesungen und ihre partielle Anwesenheit einen immensen Gewinn. Terri Lyne Carrington betont, dass im Zentrum all ihres Tuns grundsätzlich gegenseitiger Respekt und Zusammenarbeit stehen würden, auf der Bühne genauso wie im Unterricht. „Wenn ich junge Musikerinnen und Musiker unterrichte, dann teile ich mein Wissen und meine Erfahrungen, aber ich erhalte genauso viel von ihnen zurück. Im Jazz geht es immer um Kreativität und Freiheit. Künstlerische Innovation entsteht durch neue Perspektiven und Freiräume. Meine Arbeit für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Jazz hilft dabei, dass mehr Raum für neue Geschichten und neue Sounds im Jazz entsteht. Das treibt mich an.“
Am 9. Juli findet das Semester-Abschlussfest in der Isarphilharmonie statt
Deshalb geht es der Gründerin und künstlerischen Leiterin des Berklee Institute of Jazz and Gender Justice vor allem um ein Bewusstsein. „Gendergerechtigkeit ist nicht nur eine Sache von und für Frauen. Alle müssen am selben Strang ziehen, denn am Schluss können auch alle davon profitieren!“, appelliert sie. Ein Ansatz, den HMTM-Präsidentin Lydia Grün mit Genugtuung zur Kenntnis nimmt: „Ihre Erfahrung, speziell mit der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit, wird ein Katalysator für die Weiterentwicklung unseres Jazz Instituts und unserer Hochschule sein.“
Begeistert erzählt die Schlagzeugerin, dass schon jetzt die Vorbereitungen für ihr erstes Semester-Abschlusskonzert am 9. Juli in der Münchner Isarphilharmonie laufen würden. Der perfekte Auftakt also für ihr bayerischen Intermezzo, in dessen Verlauf sie möglichst viele Saatkörner, nicht nur für den Jazz, ausbringen soll. „Denn die Lehre ist eine meiner Leidenschaften“, bekennt Terri Lyne Carrington. „Leute, die unterrichten, kümmern sich um die nächste Generation. Sie wissen, dass es der einzige Weg ist, wie wir überleben und gedeihen können.“
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Reinhard Köchl
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