Kurzfassung des Artikels:
- In Wellingholzhausen betreibt Antje Beyer-Wittkamp seit Sommer 2025 ein Fotostudio mit den Schwerpunkten Tier- und Boudoirfotografie.
- Besonders gefragt sind emotionale Shootings, wie Erinnerungsfotos schwerkranker Tiere und Boudoiraufnahmen, die Frauen helfen, ihr Selbstbild zu stärken.
- Im Studio werden keine Bilder retuschiert, die natürliche Ästhetik steht im Mittelpunkt aller Aufnahmen.
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Auf den ersten Blick wirkt es wie ein klassisches Fotostudio im Meller Stadtteil Wellingholzhausen. Doch hier geht es nicht um Passbilder oder Standardporträts. Antje Beyer-Wittkamps Herz schlägt für zwei Bereiche, die überraschen – Tiere, vor allem Hunde, und Boudoirfotografie. Themen, die im ländlichen Raum durchaus für hochgezogene Augenbrauen sorgen können.
Ästhetik kennt keine Spezies
Was zunächst so gegensätzlich erscheint, hat für Beyer-Wittkamp eine klare Verbindung: Ästhetik. „Auch Hunde posieren“, sagt sie schmunzelnd. Brust raus, Kinn gehoben, eine leichte Streckung – all das, was bei Menschen für schmeichelhafte Bilder sorgt, findet sich ebenso bei Tieren wieder. Es gehe nicht darum, zu verändern, sondern das Beste sichtbar zu machen. „Körper bleibt Körper – bei Frau und Tier.“
Ein Studio auf dem Land – mit offenen Ohren und kleinen Mieten
Seit Sommer 2025 betreibt Beyer-Wittkamp ihr Studio in Wellingholzhausen, die Tierfotografie allerdings schon seit rund fünf Jahren. Dass sie sich bewusst für einen ländlichen Standort entschieden hat, hat praktische Gründe. „Das hier ist Dorf-Dorf“, sagt sie nüchtern. Verständnis dafür, warum Menschen Geld für hochwertige Fotos ausgeben, sei hier nicht immer vorhanden. Ein Vorteil überwiegt jedoch: die vergleichsweise günstigen Mieten – deutlich niedriger als in ihrer Heimat Kirchlengern oder Bünde.
Auf dem Bett in Beyer-Wittkamps Studio posieren Hunde und Frauen.
Foto: Janis Sophie Grosser
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So kam es auch, dass ihre Vermieterin lediglich über die Tierfotografie informiert ist. Öffentlich beworben habe sie ihr Studio nie. Trotzdem sprach sich die Eröffnung schnell herum – typisch Dorf eben.
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Von Listen voller Zweifel und Hunden voller Überraschungen
Vor Beyer-Wittkamps Kamera stehen hauptsächlich Hunde, vereinzelt auch Katzen. Einmal habe es sogar eine Anfrage für Kaninchen gegeben. Oft bringen Kunden lange Listen mit: Was der Hund nicht könne, wovor er Angst habe, was unmöglich sei. „Davon sieht man beim Shooting häufig nichts mehr“, erzählt sie. Fotografiert wird drinnen wie draußen – je nachdem, was dem Tier guttut.
Stimmungsvolle Lichter erzielen ein romantisches Ambiente.
Foto: Janis Sophie Grosser
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Das Studio bietet Schutz: vor Regen, vor Reizüberflutung, vor zu viel Trubel. Besonders ängstliche oder sehr energiegeladene Tiere finden hier einen Rückzugsort. Ein Hund, der plötzlich panische Angst vor dem Blitz hatte, reagierte nicht einmal, als Beyer-Wittkamp im Wald demonstrativ stampfte. Die Rückmeldung der Besitzerin nach dem Shooting: „Das sind die schönsten Bilder, die ich je hatte.“
Erinnerungen für den Abschied
Besonders emotional sind die sogenannten Regenbogenshootings. Sie richten sich an Menschen, deren Tiere krank sind und nur noch begrenzte Zeit haben. Die Fotos sollen Erinnerungen schaffen – auf Papier und im Moment. „Ich habe schon relativ häufig gemeinsam mit Kunden geweint“, sagt Beyer-Wittkamp. Nicht nur aus Trauer, sondern auch aus Dankbarkeit für einen intensiven gemeinsamen Augenblick.
Boudoir: Vertrauen statt Vorurteile
Deutlich erklärungsbedürftiger ist ihre zweite Leidenschaft: Boudoirfotografie. Ein Genre, das gesellschaftlich umstritten ist und im Dorf schnell Gerüchte befeuert. „Wir machen hier nichts Schmuddeliges“, stellt Beyer-Wittkamp klar. Ihre Bilder seien verspielt, romantisch, weiblich – und vor allem schmeichelnd, nicht billig.
Einige Ergebnisse ihrer Arbeit zieren die Wände des Studios.
Foto: Janis Sophie Grosser
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Viele Kundinnen kämen mit großen Selbstzweifeln. Häufig seien sie in der Vergangenheit „falsch“ fotografiert worden: schlechtes Licht, unvorteilhafte Winkel, Kleidung oder Posen. Auf jede Anfrage reagiert sie deshalb mit einem ausführlichen Handout: Vorbereitungstipps, Anfahrt, Arbeitsweise und ein Fragebogen. Darin geht es um Stärken und Unsicherheiten, um gezielt betonen und behutsam kaschieren zu können.
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Erst Business, dann fallen die Hüllen
Vor Ort beginnt das Shooting meist mit Businessporträts. Ein Herantasten an Kamera, Studio und Posen – und vor allem aneinander. Vertrauen ist der Schlüssel. „Am Ende fallen oft ganz automatisch die Hüllen“, berichtet Beyer-Wittkamp. Ihr Studio ist vollständig blickgeschützt, sodass geschützte Räume entstehen.
Eigene Erfahrungen vor der Kamera
Beyer-Wittkamp hat selbst Boudoir-Shootings erlebt – eines „früher, mit mehr Gewicht“, eines im See. „Das, was du verkaufst, musst du schließlich auch verkörpern“, sagt sie. Dabei habe sie sich bewusst gefragt, was nach dem Shooting mit den Bildern passiert. Bei einer Fotografin habe sie sich deutlich besser aufgehoben gefühlt als bei männlichen Fotografen. Einmal sei ein Fotograf beim „Fallenlassen“ sogar nervös geworden – für sie ein absolutes No-Go. „Wir Frauen können besser Frauen fotografieren“, ist sie überzeugt. Weil sie Unsicherheiten nachempfinden können.
Offen für Vielfalt – mit klarer Haltung
In ihrem Studio ist jeder willkommen: jedes Tier, jede Körperform, jede Hautfarbe, jede Orientierung. Paare fotografiert sie nur, „wenn der Vibe stimmt“, ihr Fokus liege klar auf Frauen. Ein Traum bleibt: Hochzeits-Boudoir in einem Schloss, pompös und kunstvoll.
Der rote Faden ihrer Arbeit ist die Ästhetik – ohne Verfälschung. Keine Retusche, keine Kilos weniger. „Natura“, wie sie es nennt. Das größte Kompliment für ihre Arbeit ist für sie kein perfektes Bild, sondern ein Satz, den sie immer wieder hört: „So habe ich mich noch nie selbst wahrgenommen.“