Manchmal ticken die Uhren in Unterrath anders. Eigentlich beginnt der Straßenkarneval ja erst am Altweiber-Donnerstag, wenn die Möhnen die Rathäuser stürmen. Dann beherrschen zunehmend die Narren die Straßen in Düsseldorf. In Unterrath allerdings beginnt die Inanspruchnahme des öffentlichen Raums durch Karnevalisten bereits vier Tage vor Altweiber. Dann gibt es den traditionellen Kinder-Karnevalsumzug unter der Leitung der Karnevalsgesellschaft (KG) Unterrather Funken Blau-Gelb.
Bereits seit Jahrzehnten ziehen die Blau-Gelben-Kids am Tag der KG-Kindersitzung unter der Begleitung der Unterrather Grundschulen und jedem Kind, das mitmachen möchte, über An der Piwipp, die Kalkumer Straße bis hin zur Vereinsanlage des TuS Nord an der Eckenerstraße. Viele Kinder und deren Eltern ziehen aber nicht mit, sondern nehmen direkt den Weg zur TuS-Halle. Das reduziert die Teilnehmerzahl am Umzug erheblich, tut der Stimmung im Saal indes keinen Abbruch. „Es sind wieder einmal alle 700 Karten weggegangen“, sagte Blau-Gelb-Sprecher Michael Böhnke. „Es dürfte die größte Kinderkarnevalssitzung in Düsseldorf sein.“
Am Zugweg brachten sich so einige Anwohner in Karnevalsstimmung. Vor einem Kiosk und einem Café waren Bänke aufgestellt, aus den Lautsprechern dröhnten jecke Töne. Und auch aus einem der Polizei-Begleitfahrzeuge waren die Lieder der Düsseldorfer Karnevalskultband „Swinging Funfares“ zu hören. Man muss eben für das richtige Ambiente sorgen, dann macht die Arbeit auch an einem Sonntag Spaß.
Externe karnevalistische Motivation haben Helga und Paul Daniels nicht nötig, haben sie doch bereits seit mehreren Dekaden engste Beziehungen zu den Funken. „Wir sind seit 30, 40 Jahren Mitglieder bei Blau-Gelb“, sagte Helga. „Unsere Kinder, Enkel und auch unsere Urenkel sind im Kinderumzug dabei gewesen.“ In diesem Jahr würde kein Kind aus der Daniels-Familie mitgehen, aber das ist kein Grund, sich den kleinen närrischen Lindwurm nicht anzusehen. „Es ist uns immer eine freudige Pflichtveranstaltung“, sagte Helga. „Die Kinder lachen zu sehen, ist immer so schön.“ Und auch in diesem Jahr war es eine kleine Familienzusammenführung, sind doch ein Sohn und ein Enkel im Helferstab dabei.
Als sich die Zugspitze dem im Garten wartenden Spiderman und dem an einer Ampel stehenden kleinen Ritter näherten, verließen die närrischen Kids ihre Wartepositionen und reihten sich ein. Sowieso wuchs die Länge des Umzugs, je näher er der TuS-Halle kam an, weil sich so einige Kinder auf dem 1,6 Kilometer langen Zugweg vom Straßenrand stehend in Zoch-Mitgeher verwandelten. Einmal an der Halle angekommen, erhielten die Umzugsteilnehmer den Vortritt vor den Wartenden. „Wir haben erstmals verfügt, dass zuerst die Kinder und Eltern aus dem Umzug in die Halle dürfen“, sagte Ex-Präsident Michael Siebel. Es knubbelte sich am Eingang, aber jeder fand einen Platz.
So also verzögerte sich der Beginn des Programms ein wenig. Kein Problem für das Blau-Gelb-Kinderprinzenpaar Jonathan II. (Schild) und Venetia Julia (Lorenz). „Die Kindersitzung ist unsere bisher größte Veranstaltung“, sagte Jonathan. „Aber ich schlucke das einfach runter.“
Von Nervosität war auch überhaupt nichts zu spüren, als sie in Begleitung der Funken-Fahnenschwenker die Bühne eroberten und mit einem souveränen Vortrag und ihrem Lied die Kindersitzung eröffneten. „Die beiden sind echt gechillt. Sie haben auch schon mehrere Auftritte hinter sich gebracht“, meinte Böhnke. „Julia hat auch unsere Retematäng-Sitzung am Vortag ganz alleine eröffnet. Da hatte ihr Prinz noch Fieber.“
Jonathan und Julia waren zwar die VIPs in der Halle, doch konkurrenzlos waren sie nicht, waren doch unter anderem das Kinderprinzenpaar der Großen Erkrather KG Titus I. und Sofia I. mit dem Umzug in die TuS Halle gekommen. Und auch das große Düsseldorfer Prinzenpaar kam auf eine Stippvisite nach Unterrath. Auf die Begegnung mit Kindern freut sich Venetia Nicole immer ganz besonders, ist sie doch Kinderpflegerin und Erzieherin. „Das ist ein Heimspiel“, sagte die Venetia. Das echte Heimspiel hatten allerdings Jonathan und Julia.