Kein Spatenstich, sondern ein Knopfdruck hat den symbolischen Baustart zur Sanierung der Bahnstrecke Hagen – Wuppertal – Köln markiert. Gut 200 Menschen haben sich am Freitagnachmittag an der Güterstraße in Elberfeld eingefunden, wenige Stunden vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten.
Fünf Monate sollen sie zunächst dauern. In dieser Zeit wird Wuppertal weitgehend vom Bahnverkehr abgeschnitten. Fernzüge fahren gar nicht, Regional- und S-Bahnen fahren nur eingeschränkt, in einem Zeitraum von insgesamt acht Wochen fährt gar nichts. 28 Weichen werden modernisiert, 81 Kilometer Gleise saniert, die Oberleitung auf 29 Kilometern wird erneuert. Zudem werden die Bahnhöfe an der Strecke modernisiert und barrierefrei gemacht.
Die dafür notwendige Logistik „beeindruckt“ NRW-Bahnchef Jens Gräfer. Er zeigt sich sicher: Die Geduld wird sich am Ende auszahlen. Philipp Nagl, Vorsitzender von DB Infrago, freut sich auf den „Startschuss“ für die Sanierung, die zusammen mit vielen anderen Maßnahmen die Infrastruktur verbessern soll, die sich derzeit in einem „kritischen“ Zustand befinde, gerade in NRW. Nicht nur er hofft, dass man während der Sanierung den Kosten- und Zeitrahmen einhalten wird. Nagl hofft durch die zahlreichen beteiligten Baufirmen auf einen positiven wirtschaftlichen Effekt für die Baubranche. „Ich hoffe, dass wir im Juli wieder zusammenkommen und positiv auf die letzte Monate zurückblicken können“, sagte er.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, zeigte sich optimistisch für die kommenden Monate und Jahre und glaubt, dass es mit den Investitionen des Bundes bergauf gehen wird für die Infrastruktur. „Wir werden viele Baustellen sehen“, sagte er. Doch das sei ein gutes Zeichen, weil die Menschen sehen, dass etwas passiert. „Bitte nehmen Sie die Beeinträchtigungen in Kauf – weil es danach besser wird“, so Hirte. Der Schienenersatzverkehr sei einheitlich und hochwertig ausgestattet, sagte er. Die Busse, die die Regionalbahnen ersetzen, haben WLAN, bieten Stauraum für Gepäck, Lademöglichkeiten für Handys und auch Toiletten. Die Busse, die S-Bahnen ersetzen, bieten dafür weniger.
Was für Bahn und Infrastruktur ein „Aufbruch“ sein soll, ist viele Menschen aber eine „Zumutung“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer, der persönlich zwar „Glücksgefühle“ bekomme, wenn er eine Baustelle sieht, sich aber bei Bahnreisenden dafür entschuldigt, „dass es so weit kommen musste“. Nun appelliert er an alle, „das Beste aus der Situation zu machen“.
Krischer äußerte auch Kritik an Bahn und Bahntochter DB Infrago, dass die Stellwerke, die sich in einem mangelhaften Zustand befinden, bei dieser Sanierung nicht berücksichtigt werden. Das wird dann wohl in einigen Jahren der Fall sein.
Die tatsächlichen Bauarbeiten starteten dann gestern Abend um 21 Uhr. In den nächsten fünf Monaten wird auch der Südsteg am Wuppertaler Hauptbahnhof von Einschränkungen betroffen sein. Mehr dazu auf Seite 25. Weitere Infos zur Sanierung der Bahnstrecke im Internet unter