Steinhagen. Im August 2024 hatten die Gemeindeverwaltung und der zuständige Bauträger, die PT Projektbau, die Pläne für Steinhagens 13. Kindertagesstätte vorgestellt. Auf einem Grundstück zwischen Swinemünder Straße und Hilterweg sollte die Kita gebaut werden. Weil der Bedarf an Betreuungsplätzen groß war, wurden Container als Zwischenlösung aufgebaut. Betrieben wird das Provisorium seitdem vom Sozialpädagogischen Institut Gütersloh (spi).
Seitdem ist auf dem Grundstück nichts passiert. Dabei sollte die Kindertagesstätte bis August vergangenen Jahres fertig sein. Doch Kinder und Erzieherinnen sind immer noch in den Containern untergebracht. Wie aus dem aktuellen Kindergartenbedarfsplan des Kreises Gütersloh hervorgeht, wird sich an dieser Situation auch erst mal nichts ändern. „Die Übergangslösung läuft zweigruppig bis Sommer 2027“, lautet die weitere Planung des Kreises.
Die Stimmung beim Träger der Kindertagesstätte ist entsprechend angespannt: „Die Warteschleife ist für uns inzwischen unkalkulierbar lang. Es fehlt an einer Zukunftsperspektive“, kritisiert Juliane Wieching. Die Geschäftsführerin des Sozialpädagogischen Instituts stellt fest: „Es wird Kinder geben, die ihre gesamte Kita-Zeit in Containern verbracht haben. Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt.“ Inzwischen werde auch bei Eltern die Frage laut, ob die Kita überhaupt jemals gebaut werde.
Nicht ausgezahlte Fördermittel sind Grund für Verzögerung
Auf dem Grundstück zwischen Swinemünder Straße und Hilterweg sind nebe einer Kindertagesstätte auch zwei Mehrfamilienhäuser geplant.
| © Frank Jasper
„Es ist für alle Beteiligten eine belastende Situation. Uns fehlt es an Platz“, sagt Juliane Wieching. Darum soll die Container-Anlage, in der momentan knapp 30 Kinder betreut werden, nach Möglichkeit um zwei Module erweitert werden. Die Geschäftsführerin stellt aber auch klar: „Wir setzen wirklich alles daran, eine bestmögliche Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Und wir wollen weiterhin diese Kita in Steinhagen realisieren.“
Lesen Sie auch: Abriss des traditionsreichen Hotels Büscher nahe Steinhagen hat begonnen
Grund für die Verzögerung sind nicht ausgezahlte Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau. Denn der geplante Kita-Neubau gehört zu einem größeren zusammenhängenden Vorhaben der PT Projektbau – dahinter stehen die Investoren und Bauunternehmer Nils Twelmeier und Michael Pappert. Sie möchten auf dem Grundstück nicht nur die Kita, sondern auch zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Eines davon soll ein öffentlich gefördertes Wohnhaus mit Wohnraum für Pflegebedürftige und Alleinerziehende werden. In der zweiten Immobilie sind frei finanzierte Wohneinheiten vorgesehen.
Die für das sozial geförderte Wohnhaus eingeplanten Fördermittel wurden jedoch anders als geplant noch nicht ausgezahlt. In der Folge fehlt Geld, und das gesamte Bauvorhaben auf dem Grundstück liegt erst mal weiter auf Eis. „Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt“, sagt Bürgermeisterin Sarah Süß auf HK-Nachfrage, „aber das eine geht nicht ohne das andere.“ Nils Twelmeier und Michael Pappert hatten bereits 2024 erklärt, dass die Baustelleninfrastruktur aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen nicht doppelt und dreifach eingerichtet werden könne.
Braucht Steinhagen überhaupt noch eine 13. Kita?
Trotz sinkender Nachfrage: Bürgermeisterin Sarah Süß hält an den Plänen für eine 13. Kita in Steinhagen fest.
| © SPD Steinhagen/Christopher Gawollek
Wie Bürgermeisterin Sarah Süß weiter berichtet, stehe das Wohnprojekt beim Kreis Gütersloh auf Position eins. Das lasse sie hoffen, dass es zum nächstmöglichen Zeitpunkt gefördert werde. Wann dieser Zeitpunkt sein wird, sei allerdings ungewiss.
Auch interessant: Offenes Ohr statt Alkohol: Zu Besuch in Steinhagens legendärem Jugendkeller
„Wir benötigen für das weitere Vorgehen verbindlich die Fördermittel“, unterstreicht Architekt Michael Pappert im Gespräch mit dieser Zeitung. Er hofft, dass das Geld in diesem Jahr zur Verfügung gestellt wird. „Wenn wir im Frühsommer mit dem Bau starten würden, könnte die Kita nach zehn Monaten Bauzeit umziehen“, veranschaulicht er. Für den Betrieb des sozialen Wohnprojekts habe die PT Projektbau bereits Gespräche mit möglichen Trägern geführt. Noch gebe es aber keine Zusage. „Die Betreiber wollen von uns ja auch wissen, wann sie mit dem Projekt an den Markt gehen können“, erklärt Pappert und spricht von einem Dilemma, weil er darauf keine verbindliche Antwort geben könne.
Inzwischen stellt sich allerdings auch die Frage, ob Steinhagen überhaupt eine 13. Kita benötigt. Denn in vielen Kommunen geht der Bedarf an Betreuungsplätzen aktuell zurück. So auch in Steinhagen. Der Kindergartenbedarfsplan teilt vor diesem Hintergrund mit: „Aufgrund von zurückgehender Nachfrage und Geburten wurde die zusätzliche Erweiterung der Kita Arche Noah um eine Gruppe (…) zurückgenommen.“ Eine Vergrößerung der evangelischen Tagesstätte an der Mozartstraße ist also vom Tisch.
Steinhagen hält an Plänen für weiteren Kindergarten fest
„Stimmt, im Moment erleben wir einen Einbruch bei den Anmeldezahlen“, bestätigt Steinhagens Bürgermeisterin. Trotzdem habe die Gemeinde darauf gedrungen, an der Planung des Kita-Neubaus an der Swinemünder Straße festzuhalten. „Besser wir haben ein paar Plätze zu viel als zu wenig. Ich möchte nicht wieder in die Situation kommen, dass wir plötzlich reagieren müssen“, sagt Sarah Süß. Die Kita des sozialpädagogischen Instituts existiere ja bereits, nur eben in den Containern. „Wir benötigen diese Kita, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein“, ist sie überzeugt.
📲 Aktuelle News bekommen Sie täglich über den WhatsApp-Kanal des HK

