Newsblog zur Lage im Iran
Tausende demonstrieren in Berlin für Freiheit im Iran
Aktualisiert am 08.02.2026 – 21:03 UhrLesedauer: 38 Min.
Blick auf den Protestzug am Sonntag auf der Straße des 17. Juni in Berlin. (Quelle: Ebrahim Noroozi)
In Berlin fordern Tausende ein Ende des Mullah-Regimes. Gegen Narges Mohammadi ist erneut eine Haftstrafe verhängt worden. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Die Behörden im Iran haben am Sonntag drei reformistische Politiker festgenommen, darunter die Vorsitzende des oppositionellen Parteienbündnisses Reformfront, Azar Mansouri. „Azar Mansouri, Ebrahim Asgharzadeh und Mohsen Aminzadeh wurden festgenommen“, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Ihnen werden demnach insbesondere „Angriffe auf die nationale Einheit“, „Koordinierung feindlicher Propaganda“ und „Schaffung geheimer subversiver Mechanismen“ vorgeworfen. Die Justizplattform Misan Online berichtete ebenfalls über mehrere Festnahmen, ohne jedoch Namen zu nennen.
Die 60-jährige Mansouri ist seit 2023 Vorsitzende der Reformfront, dem wichtigsten Zusammenschluss reformistischer Bewegungen. Sie war Beraterin des ehemaligen Präsidenten Mohammad Chatami, der ebenfalls als Reformer galt.
Nach dem Beginn der Protestwelle im Iran im Dezember hatte sie die Protestierenden unterstützt. „Wenn alle Wege, sich Gehör zu verschaffen, versperrt sind, geht der Protest auf die Straße“, schrieb Mansouri in Onlinediensten. „Repression ist die schlechteste Art, mit Demonstranten umzugehen“, kritisierte sie mit Blick auf die tausenden Todesopfer bei den Protesten. „Wir sagen den trauernden Familien: Ihr seid nicht allein“, fügte sie hinzu. Es gebe „keine Rechtfertigung“ für diese „große Katastrophe“.
Aus Protest gegen die autoritäre Regierung in Teheran und für Solidarität mit den Menschen im Iran haben in Berlin Tausende Menschen demonstriert. Nach Polizeiangaben versammelten sich in der Spitze etwa 10.000 Menschen am Brandenburger Tor. Zu der Kundgebung „Freiheit für Iran“ hatte ein breites Bündnis internationaler Organisationen in sozialen Medien, mit Flugzetteln und großen Anzeigen in einigen Zeitungen aufgerufen.
Die Polizei sprach am Sonntag von einem „weitestgehend friedlichen und störungsarmen Verlauf“. Es habe 18 vorübergehende Festnahmen gegeben, hieß es. Nach den Angaben wird unter anderem wegen des Verdachts der Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung ermittelt. Die Polizei begleitete die Versammlung nach eigenen Angaben mit rund 380 Kräften. Die Demonstranten zogen zum Potsdamer Platz und dann zurück zum Brandenburger Tor.
Am Potsdamer Platz gab es unter dem Titel „Helfen Sie Iran. Mullahs Regierung muss weg“ eine zweite Demonstration, die nach Veranstalterangaben von einer breiten Allianz unabhängiger Bürger und Bürgerinnen getragen wurde. Diese Gruppe setzt sich für eine säkulare Demokratie ein und unterstützt Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs, als Repräsentanten für diesen nationalen Übergang. Pahlavi hat die Massenproteste gegen die iranische Führung unterstützt und gilt als bekanntester und einflussreichster iranischer Oppositioneller im Exil.
