Llydia macht zwei, drei Mausklicks über die weiterführenden Links, die zu Studien und Quellen über die Seegurke führen. Nicht nur seriöse und nachprüfbare Nachweise seien wichtig, erklärt die Wikipedianerin. Jeder und jede dürfe Themen für Artikel vorschlagen. Aber: „Man muss beachten, dass das Thema für die Außenwelt interessant oder bedeutsam sein muss. Man kann also nicht einfach über seinen Nachbarn schreiben, weil er ein paar Filme online gestellt hat.“

Nicht jeder Artikel kann online bleiben

Wenn ein Artikel das Kriterium der Relevanz nicht erfüllt, könnte er auch zur Löschung „nominiert“ werden, erläutert die Mutter von zwei Kindern. Llydia scrollt mit dem Mauspfeil eine Liste von Löschkandidaten ab. Eine Woche lang werde auf dieser Onlineseite diskutiert, ob ein Artikel noch verbessert werden kann oder gelöscht wird. Letzten Endes würden die, nach der Diskussion geretteten Artikel aber davon profitieren, dass viele Menschen ihre Qualität gemeinsam verbessert haben, erklärt Llydia.

Man hat zwar den Moment, in dem man sein eigenes Werk beschützen möchte, aber meistens sind die Anmerkungen zutreffend.

Llydia
hat bereits mehr als 7.000 Artikel redigiert

Auch ihre Artikel sind, sobald sie bei Wikipedia online stehen, den kritischen Augen Tausender anderer Wikipedianer ausgesetzt. „Man hat zwar den Moment, in dem man sein eigenes Werk beschützen möchte, aber meistens sind die Anmerkungen zutreffend“, sagt Llydia.

Wikipedia weiß noch nicht alles

Und Wikipedia weiß längst noch nicht alles. Llydia zeigt ein Beispiel. Sie tippt auf der Tastatur und ruft eine Wikipedia-Seite auf. Auf dieser tauchen Fotografien von Frauen auf, deren Name in roter Farbe erscheinen. „Der Biografieanteil der Frauen ist sehr viel geringer als bei den Männern.“ So gebe es noch eine lange Liste von Frauenpersönlichkeiten, die auf eine Autorin oder einen Autor warten.

Ideen und Inspiration aus dem Alltag

Llydia öffnet die Tür zu ihrem Wohnzimmer. Ein großes Bücherregal steht an der Wand. Sie zieht ein breites Buch heraus, auf dessen Cover sich eine große Libelle präsentiert und auf dem „Rekorde der Insektenwelt“ steht. Daraus bedient sie sich etwa für Insektenartikel. Es seien mal neue Fachbücher, die Wissenszeitschrift beim Zahnarzt oder eine TV-Doku, wo sie ihre Inspirationen für Ergänzungen oder neue EInträge her ziehe, erklärt die Wikipedianerin.

Meistens gehe es aber auch einfach darum, Artikel um einen interessanten Fakt zu ergänzen. „Wenn ich eine Naturdoku sehe, dann immer mit Zettel und Stift. Dann notiere ich nebenbei das, was mich interessiert und schaue, ob es einen Eintrag gibt, an dem ich etwas ergänzen kann.“

Die Freude daran, Wissen zu teilen

Mit großem Eifer zeigt Llydia an ihrem Bücherregal ein Buch nach dem anderen. Ob es eines über Bioforensik oder eine Autobiografie zu Nelson Mandela ist – Llydia kann wie es scheint zu allem etwas erzählen. Sie lebt die Idee von Wikipedia: Wissen zu mit der Allgemeinheit zu teilen.