
Stand: 09.02.2026 06:30 Uhr
Die Geburtenrate sinkt, erstmals seit Jahren bleiben Betreuungsplätze frei. Wolfenbüttel baut als erste Kommune in Niedersachsen Plätze ab. Ganze Einrichtungen stehen auf der Kippe.
Der fünfjährige Mats winkt seinen Eltern zum Abschied durch die Tür. Die Kita „Kindergarten Wunderbar“ in Wolfenbüttel-Ahlum ist wegen Schimmelbefalls in ein Übergangsgebäude gezogen. Schon 2027 könnte die Einrichtung schließen. „Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Es gibt Deadlines von der Stadt, um sich zu bewerben, aber man hat die Hoffnung, dass das hier auf jeden Fall weitergeht. Man möchte gar nicht wechseln“, sagt die Mutter von Mats, Jessica Roschkowski. Für die Sanierung braucht der evangelische Träger öffentliche Gelder – und der Sparbeschluss der Stadt erhöht die Unsicherheit. „Dass eine Kita unter den Voraussetzungen hier scheitert, da habe ich Angst vor“, sagt Kitaleiterin Julia Marbach.
Kinderzahlen landesweit rückläufig

Die Mitarbeitenden der Kita „Kindergarten Wunderbar“ machen sich Sorgen wegen der Ungewissheit.
Die Pläne der Stadt Wolfenbüttel sind eine Reaktion auf die demographische Entwicklung. Laut Statistikbehörde Niedersachsen wurden 2025 fünf Prozent weniger Kleinkinder in Kindertagesstätten betreut als im Vorjahr. Ein Thema, das laut Städte- und Gemeindebund Niedersachsen zukünftig viele Kommunen beschäftigen wird – und Sparpotenzial birgt. „Dadurch, dass die Kinderzahl sinkt, wird man weniger Personal benötigen. In der derzeitigen Finanzsituation wäre das sehr hilfreich für die Kommunen, weil wir mit einem riesigen Defizit am Rande des Abgrunds stehen“, sagt Marco Trips, Präsident des Städte- und Gemeindebunds, im Interview mit NDR Niedersachsen.
Stadt Wolfenbüttel: Weniger Kinder als Chance
Wolfenbüttel ist hoch verschuldet und will mit den Kita-Plänen jährlich drei Millionen Euro sparen. Bürgermeister Ivica Lukanic (parteilos) betont jedoch, zuerst solle der Personalschlüssel der Kitas verbessert werden – durch kleinere Gruppen. „Bei Schließungen sind wir noch nicht. Aber man muss ehrlich darüber sprechen, dass es dazu kommen kann“, sagt er im NDR Interview. In vier Jahren rechnet Wolfenbüttel mit rund 250 weniger Kindern in Betreuung als jetzt. Deshalb sollen nach und nach bis zu 15 Gruppen geschlossen und 30 Erzieherstellen über natürliche Fluktuation abgebaut werden. Bei sanierungsbedürftigen Kitas wie dem „Kindergarten Wunderbar“ soll geprüft werden, ob die Räumlichkeiten noch benötigt werden.
Kitaverband: Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht zu Kürzungen führen

Sinkende Kinderzahlen sollten nicht zum Sparen in Kitas genutzt werden, sagt der Deutsche Kitaverband.
Der Deutsche Kitaverband warnt davor, die sinkenden Kinderzahlen zum Sparen zu nutzen: Man müsse die Chance ergreifen, um die Betreuungssituation nachhaltig zu stärken und die Qualität der frühkindlichen Bildung zu verbessern, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Kultusministerium Niedersachsen teilt auf NDR Anfrage mit, dass der Fachkräftemangel im Kitabereich noch anhalte. Für die zuständigen örtlichen Träger und Kommunen liege die Herausforderung darin, „zwischen qualitativem Ausbau, Fachkräftebedarf und Kinderzahl eine passgenaue Planung vor Ort zu erstellen“.
Wolfenbütteler Eltern fordern Verlässlichkeit und Transparenz
Der Stadtelternrat aus Wolfenbüttel wünscht sich, dass dies dort mit Sorgfalt passiert. Die geplanten Veränderungen „lösen bei vielen Eltern Sorgen und Unsicherheiten aus“, schreiben die Interessenvertreter in einer schriftlichen Stellungnahme. „Entscheidend wird für uns sein, dass die angekündigten Qualitätsziele tatsächlich erreicht werden.“ Die Stadt Wolfenbüttel will ab sofort jedes Jahr transparent über die Kita-Entwicklung berichten.

Einige Städte wie Bückeburg oder Melle haben inzwischen mehr Kita-Plätze als Kinder. Doch nicht überall sieht es so gut aus.

Eine neue Diakonie-Studie zeigt: Die Lage in Kitas verschärft sich. Immer mehr Kitas müssen die Betreuung reduzieren.

Sie fordern von der Politik, gegen den Fachkräftemangel vorzugehen – durch entsprechende Gesetzesänderungen.