Doppelschlag für Tom Cruise im Jahr 1996. „Mission: Impossible“ landete mit 181 Millionen Dollar auf den dritten Platz der amerikanischen Kino-Charts, während „Jerry Maguire“ direkt dahinter folgte; Bild: Paramount Pictures
Seit nunmehr 60 Jahren befinden sich das IMF (Impossible Mission Force) -Team schon in unmöglicher Mission. Im Herbst 1966 wurde die ersten Folgen von „Mission: Impossible“ ausgestrahlt (zu deutsch: „Kobra, übernehmen Sie“ im April 1968). Letzten Sommer ging die letzte Kino-Mission mit gemischten Kritiken über die Bühne. War sie im Sinne der Serie?
Schon in ihren frühen Tagen stand „Mission: Impossible“ – neben „Solo für O.N.C.E.L.“ – im Schatten eines James Bond. Als Serienversion des britischen Superagenten war „Kobra, übernehmen Sie“, neben „Star Trek“, die Erfolgsserie des Jahres ’66. Und es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Titeln; von den gleichen Statisten und Autoren, bis hin zur Übernahme durch J.J. Abrams. 1986 sollte angeblich ein erster (gescheiterter) Versucht unternommen wurden, die Marke „Mission: Impossible“ in die Kinos zu bringen. Der Autoren-Streik von 1988 trug seinen Teil dazu bei und aus den Resten entstand die Remake-Serie (1988-90), zu deutsch „In geheimer Mission“.
Schon immer stand das IMF-Team unter wechselender Besetzung. Und ja, ganz richtig gesehen; links im Bild ist Leonard Nimoy, der zur gleichen Zeit Mr. Spock aus „Raumschiff Enterprise“ mimte
Neues Team, neues Glück
Tom Cruise erwählte das Franchise als erstes Projekt der 1992, mit seiner Agentin Paula Wagner, gegründeten Firma Cruise/Wagner Productions. Als erste Amtshandlung wurde Brian De Palma mit der Regie von „Mission: Impossible“, dem Film, beauftragt. Wie schon bei „Scarface“ (1983) hielt De Palma nicht viel davon, die alte Version beizubehalten. Kurzum tötete er alle altbekannten IMF-Agenten und machte die Hauptfigur der Serie Jim Phelps (hier verkörpert von John Voight) zum Doppelagenten und antagonistischem Gegenspieler des neuen Main-Charakters Ethan Hunt (Tom Cruise). Durch die Auflösung der Sowjetunion ist Phelps seiner Nemesis und gleichzeitig seiner Funktion beraubt. Wie die Welt, so lässt auch die (Kino-)Serie den Kalten Krieg hinter sich. Gleichzeitig wird somit die junge Garde eingeführt.
Bereits im ersten Film bestand Tom Cruise darauf, die Szene mit dem explodierenden Aquarium selber zu drehen. Man kann von der ersten Sekunde sehen, dass die Serie von nun an unter seinem Joch stand. Und so hangelt Herr Cruise sich an der Glasfassade des höchsten Gebäude der Welt in 800 Meter entlang („Ghost Protocol“); tätigt 106 Fallschirmsprünge, um einen HALO-Sprung bei Sonnenuntergang im Film zu haben („Fallout“); hängt sich an ein startendes Flugzeug in 1.500 Meter Höhe bei 190 km/h Windgeschwindigkeit; fährt mit einem Motorrad über eine Schanze in 7000 Meter Höhe („Dead Reckoning“) und tut noch viel, viel mehr, was nicht seinem Alter entsprechend ist.
Um nicht in direkter Konkurrenz mit „True Lies“ (1994) und „Golden Eye“ (1995) zu stehen, machte Brian De Palma aus seiner Version einen klassischen Spionage-Thriller – Action war auch nie De Palmas Metier gewesen. Da M in „Goldeneye“ mit Judi Dench zur Frau umbesetzt wurde, tat man es bei „Mission: Impossible“, einen Sommer später, ebenso mit der Figur der Informations-Händlerin Max (Vanessa Redgrave). Ein Copy&Paste Franchise-Austausch, welcher noch häufiger in der Serie vorkommen wird.
Der Prager Wassersturz – der erste legendäre Stunt der „Mission: Impossible“ Kino-Reihe. Nur komplett mit einem echten Tom Cruise
Von Zeitlupe und Tauben
Nachdem Stanley Kubrick Tom Cruise erlaubt hat, das Set von „Eyes Wide Shut“ zu verlassen, erschien, vier Jahre nach der ersten Mission, die Fortsetzung in den Kinos. Unter der Regie von John Woo – einem Connaisseur von Zeitlupen und Tauben gleichmaßen – war „M:I 2“ der Punkt, an dem die Reihe 007 das Wasser reichen wollte und zur Action-Saga mutierte. Viel mit der Vorlage hatte dieser Ausrutscher nicht mehr zu tun. Schon die Eröffnungsszene, in der Ethan Hunt ohne Sicherung die Klippen in Utah erklimmte, zeigt, dass diese Hauptfigur immer mehr zu seinem (Selbst-)Darsteller Tom Cruise transformiert; vom Geheimagenten zum Extrem-Sportler. Und so knockt der ‚Secret Agent‘ in diesem Film auch mal Bösewichter mit einem Motorrad-Sprung aus. Warum John Woo überhaupt zur Partie eingeladen war … wer weiß?
Story-Elemente, wie der falsche Ethan Hunt zu Beginn des Films, bilden eine Anspielung an die erste Bond-Fortsetzung „Liebesgrüße aus Moskau“. „M:I 2“ nahm sich, trotz aller negativen Kritik, den globalen Spitzenplatz im Jahr 2000 mit eine Einspielergebnis von insgesamt 546 Mio. Dollar.
John Woo am Set von „M:I 2“: „Tauben! Wir brauchen mehr Tauben!!!“
Konstruktion und Dekonstruktion
Da der zweite Teil ein eher enttäuschtes Publikum zurückgelassen hatte, fiel das Box Office für „M:I 3“ mit einem internationalen 8. Platz und 398 Mio. eingespielten Dollar relativ bescheiden aus, wenn auch nicht erfolglos. Der erste Post 9/11 -“Mission: Impossible“ zeichnete sich zeitgemäß durch eine sehr viel ernstere Atmosphäre aus als sein Vorgänger. Trotzdem verkommt „M:I 3“ letztendlich zu einer Tom Cruise -One Man Show. Weder die Beziehungen von Ethan Hunt zu seiner Frau Julia (Michelle Monaghan) noch zu seinen Kollegen sind ausreichend ausgebaut. Dabei ist die erste Hälfte des Films richtig gut; der Vatikan-Coup kann sich getrost zu einem Highlight der Kino-Serie zählen. Hier steht die authentische Vorbereitung im Vordergrund, wie die zahlreichen Details bei der Herstellung der Masken und des Stimmen-Imitator.
Die penible Konstruktion des dritten Teils wird die humorvolle Dekonstruktion in „Ghost Protocoll“ fünf Jahre später entgegengestellt. Mit seinen vielen technischen Spielereien bildet der Film ein kreatives Highlight der Kino-Serie. Regisseur Brad Bird wollte, dass alle hilfreichen Spielereien im Film früher oder später den Geist aufgeben. Somit können die Figuren im Film ihre persönlichen Stärken ausspielen. Die Mitglieder des IMF-Teams bekommen diesmal sogar eine eigene Hintergrundgeschichte und agieren alle gemeinsam – Schluss mit der Zentrierung auf Ethan Hunt.
Was ist besser als der neue BMW M5? Richtig …!
Stunts over Substance
Die folgenden vier Filme – gedreht und geschrieben von Christopher McQuarrie – kann man ganz gut in einem Rutsch zusammenfassen. Das klingt nun negativer als es gemeint war. Dem Anspruch unterworfen, eine zusammenhängende Kino-Reihe à la Marvel zu produzieren, wirft das Franchise die Idee, jeden Film als unabhängiges Werk zu sehen, kurzum über Bord. Allerdings hat die Reihe mittlerweile ihr Publikum gefunden und weiß auch inhaltlich was funktioniert und was nicht.
Und so stehen allerlei Stunts im Vordergrund der neuen Filme – wortwörtlich. Seit „Rogue Nation“ (2015) ist Wade Eastwood Stunt-Coordinator, sowie Second Unit Director der Reihe. Er war unter anderem tätig für die Bond-Filme „Die Welt ist nicht genug“ (1999), „Ein Quantum Trost“ (2008) und „Spectre“ (2015). Unter seiner Aufsicht wurden seit Teil 5 einige der besten Stunts der Serie gedreht. Vor allem die Verfolgungsjagden per Auto gestalteten sich von Mission zu Mission immer besser, bis hin zum italienischen Highlight in „Dead Reckoning“ (2023).
Und dieses Merkmal – die Stunts als Verkaufsargument – hangelte sich in den letzten Filmen mehr denn je in den Vordergrund. Manchmal stand das zu erbeutende Objekt in der Handlung noch gar nicht geschrieben und wurde erst während der Dreharbeiten in die Geschichte intrigiert. Ein Umstand, der gar nicht so schlimm ist, wie er zuerst klingt. Handelt es sich bei jedem zu erreichenden Ziel in der Reihe nämlich um ein klassisches McGuffin – ein nicht näher definierter und völlig austauschbarer Gegenstand, der die Handlung eines Films ins Rollen bringen soll. Den Nutzen der Hasenpfote aus „M:I 3“ beispielsweise kennt Ethan Hunt sogar bis zum Ende des Films hin nicht. Dieses ungelöste Geheimnis wird wiederum in „Final Reckoning“ (2025) aufgegriffen.
Rebecca Ferguson (Bild) war während ihrer Zweikampf-Szene in „Mission: Impossible – Fallout“ im siebten Monat schwanger. Hayley Atwell war bei ihrer Action-Szene in „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ sogar fast im neunten Monat
Franchise-Doppelagenten
In einem Anfall von Retromanie versuchte man in den neueren „Mission: Imbossible“ -Werken klassische Spionage-Figuren aus den Zeiten des Kalten Krieges zu etablieren. Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) mit ihrer Augenklappe, August Walker (Henry Cavill) und sein verbranntes Gesicht oder auch der apokalyptische Prediger Solomon Lane (Sean Harris) könnten allesamt aus einem alten Bond-Variante stammen. Orientiert wird sich auch in Sachen Laufzeit an dem konkurrierenden Franchise. So geht der sechste Teil „Fallout“ die „Casino Royal“ -Route mit seinen über 140 Filmminuten. Übersprang „Keine Zeit zu sterben“ (2021) knapp die 160 Minuten-Marke, so tat dies zwei Jahre später auch „Mission: Impossible: Dead Reckoning“, sowie dessen Fortsetzung. Bei all diesen Filmen erscheint die Eröffnungssequenz nach etwa 25 Minuten.
Während in „Rogue Nation/ Fallout“ eine fremde Organisation als Anti-IMF versucht eine neue Weltordnung zu etablieren – Spoiler: ohne Erfolg! –, wird es im finalen „Reckoning“-Zweiteiler schließlich modern und eine Killer-KI dient als letzte Gefahr der Menschheit. Auch sie möchte – wer hätte es gedacht – eine neue Weltordnung ins Leben rufen. Dabei bedient sie sich allerdings der Hilfe von recht körperliche Lakeien wie des Antagonisten Gabriel (Esai Morales). Zum Finale geht es dann auch direkt in die wortwörtliche Drachenhöhle, wo das körperlose Ungetüm haust.
„Es ist alles gut, Herr Cruise. Man muss auch mal loslassen können.“ – „Niemals!“; Bild: „Mission: Impossible – The Final Reckoning“
Mission erfüllt?
Auch im Finale richtet die Reihe ihre Orientierung an der marvelous Konkurrenz aus. So gibt sich „The Final Reckoning“ mit fast 170 Minuten als längster Kino-Beitrag der Serie. Von der Tonalität her verbindet der letzte Teil seine Machart, nicht nur inhaltlich, am ehesten mit dem ersten Film von 1996. Im Kern ist das Finale, mehr als alle anderen Fortsetzungen, ein politischer Spionage-Thriller, der auch mal die ein oder andere Action-Szene beinhaltet. Also, wenn man danach geht, dann ist die Message angekommen.
Wie wird es nun weitergehen? Es gibt einen unüberwindlichen Faktor, der die „Mission: Impossible“ -Filmreihe von 1996 bis 2025 eint … und das ist Tom Cruise. Ohne ihn geht auch dieser Abschnitt zu Ende. Und da Herr Cruise mittlerweile in die Jahre gekommen ist, wird es womöglich tatsächlich keine weitere unmögliche Mission mehr geben. Was jetzt nicht heißt, dass die Marke nie wieder genutzt werden wird. Es hat früher auch ohne Extremsport geklappt.
Des Erfolges wegen wird die Kino-Serie wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren – zumindest nicht ohne einen starken Zusatzfaktor, wie der Präsenz von Tom Cruise. „Rogue Nation“ und „Fallout“ landeten beide in ihren Jahren auf einen weltweiten achten Platz – wobei „Fallout“ mit 791 Millionen Dollar der kommerziell erfolgreichste Ableger war –, während der finale Zweiteiler auf Platz zehn und elf das ganze Franchise routiniert nach Hause brachte.
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