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Mehrere Olympia-Stars aus den USA kritisieren die Regierung von Präsident Donald Trump scharf. Dafür ernten sie massive Anfeindungen von Politikern und MAGA-Anhängern.

Mailand/Cortina d‘Ampezzo – Update vom 8. Februar, 18.38 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat den US-Freestyler Hunter Hess wegen dessen Kommentare zur aktuellen Situation in den USA scharf kritisiert. Trump bezeichnete Hess als „ein echter Loser“ und behauptete auf seiner Plattform Truth Social, Hess habe gesagt, er würde die USA bei den Olympischen Spielen nicht vertreten. Wenn das tatsächlich stimme, hätte Hess sich nicht um einen Platz im US-Team bemühen sollen. Trump bedauerte, dass Hess überhaupt dabei sei, und fügte hinzu: „Es ist sehr schwer, jemanden wie ihn anzufeuern.“

Während der Olympischen Spiele in Italien kam es bereits mehrfach zu Protesten gegen die Politik von US-Präsident Trump, insbesondere wegen der teils martialischen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten. Der britische Freestyler Gus Kenworthy hatte kurz vor Beginn der Winterspiele auf Instagram ein Foto veröffentlicht, auf dem „fuck ICE“ zu lesen war. Kenworthy erklärte, er habe den Schriftzug in den Schnee gepinkelt.

Der amerikanische Freestyler Hunter Hess äußerte kürzlich, dass es „gemischte Gefühle“ hervorrufe, die USA derzeit zu repräsentieren. Er sagte: „Wenn es mit meinen moralischen Werten übereinstimmt, fühle ich mich vertreten. Aber nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert.“

Erstmeldung vom 8. Februar, 10.23 Uhr: Olympia 2026 entwickelt sich für das amerikanische Team zu einem politischen Minenfeld. Während sich die Athleten eigentlich auf sportliche Höchstleistungen konzentrieren sollten, erheben einige auch kritische Stimmen zur Trump-Regierung – was in der Heimat für heftige Diskussionen und sogar mehrere Shitstorms sorgt.

Team USA bei der Olympia-EröffnungsfeierTeam USA bei der Olympia-Eröffnungsfeier. © IMAGO / UPI Photo

Für die US-Amerikaner ebbt das Thema Politik damit bei diesen Winterspielen weiterhin nicht ab. Zuletzt hatte bereits der Einsatz von ICE-Beamten in Italien für Diskussionen gesorgt und unter anderem in Mailand massive Proteste ausgelöst. Bei der Eröffnungsfeier wurde schließlich US-Vizepräsident J.D. Vance gnadenlos vom Publikum ausgebuht, was eine Reaktion von Donald Trump nach sich zog. Nun wird der Präsident auch noch von den Sportlern aus seinem eigenen Land angegangen.

US-Stars kritisieren Trump-Regierung bei Olympia – und kassieren Shitstorms aus der Heimat

So sagte beispielsweise der amerikanische Freestyle-Skifahrer Chris Lillis bei einer Pressekonferenz, er sei „todunglücklich“, wenn er sehe, „was in den USA vor sich geht“ und kritisierte die Einwanderungspolitik von Trump und das gewaltätige Vorgehen der ICE-Behörde. „Als eine Nation müssen wir uns darauf konzentrieren, die Rechte von allen zu wahren und alle Bürger mit Liebe und Respekt zu behandeln“, ergänzte Lillis. Er hoffe, dass er diese Werte auch bei Olympia repräsentieren könne.

Noch deutlicher wurde sein Freestyle-Kollege Hunter Hess: „Es bringt gemischte Gefühle mit sich, die USA derzeit zu vertreten. Es passiert gerade viel, von dem ich kein großer Freund bin“, erklärte der 27-Jährige. Der Erstolympionike betonte: „Nur, weil ich die US-Flagge trage, bedeutet das nicht, dass ich für alles stehe, was gerade in den USA passiert“. Auch andere US-Olympioniken wie Eiskunstläuferin Amber Glenn und Ski-Superstar Lindsey Vonn äußerten sich kritisch zur aktuellen politischen Lage in Amerika.

Wagner, Neureuther & Co.: Diese Experten und Moderatoren führen durch Olympia 2026Denise Herrmann-Wick, Markus Eisenbichler und Lea Wagner werden bei Olympia vor Ort sein.Fotostrecke ansehen

Die Antwort aus dem MAGA-Lager ließ nicht lange auf sich warten. „Diese Personen sind nicht qualifiziert, die Vereinigten Staaten, das Team USA oder das amerikanische Volk bei Olympischen Spielen oder Wettkämpfen zu vertreten!“, hieß es in scharfer Kritik von MAGA-Anhänger WJ Huber, der alleine 30.000 Follower auf X hat. „Ihre US-Staatsbürgerschaft sollte sofort aberkannt werden“, schrieb Huber weiter.

Auch mehrere amerikanische Politiker kritisierten die US-Athletinnen und -Athleten für ihre Kommentare scharf. „DU hast dich dafür entschieden, unser Land zu vertreten. DU hast dich dafür entschieden, bei den Olympischen Spielen anzutreten. Wenn dir das zu schwerfällt, dann GEH NACH HAUSE“, schrieb beispielsweise der Republikaner Bryan Donalds. Katie Miller, die Frau von Trump-Berater und stellvertretendem Stabschef im Weißen Haus, Stephen Miller, schrieb auf X: „Wenn man nicht sagen kann, dass man Amerika liebt, während man für unser Land antritt, dann sollte man nicht bei den Olympischen Spielen dabei sein.“

Zudem finden sich in den sozialen Medien viele Sportler, die sich kritisch geäußert hatten, ganze Wellen von Hasskommentaren, Beleidgungen und Drohungen. Tausende US-Amerikaner teilten in sozialen Netzwerken ihre Empörung und bezeichneten die Olympioniken unter anderem als „Schande“ für das Land. Ob die großen politischen Diskussionen Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen der Teilnehmer haben werden, bleibt abzuwarten. (LuHa)