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Berlin – Der Berliner Unternehmer Jürgen Leibfried rechnet vor, wie der Senat neben Mietwohnungen auch den Erwerb von Eigentum für Normalverdiener ermöglichen könnte.
Der beginnende Wahlkampf in Berlin steht ganz im Zeichen der Wohnungsnot. Die Politiker versprechen „bezahlbaren Wohnraum“. Drei von fünf Parteien im Abgeordnetenhaus (SPD, Grüne, Linke) haben den Vermietern den Krieg erklärt. Sie drohen mit Enteignung oder wahlweise mit extremer Regulierung.
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Dabei kämpfen sie an der falschen Front. Denn die Vermieter sind nicht daran schuld, dass es zu wenige Wohnungen gibt, und die hohen Mieten entstehen auch nur durch den Engpass am Wohnungsmarkt. Vor 15 Jahren gab es einen Überschuss an Wohnungen und die Mieten waren deshalb im Keller.
Beim Kampf gegen die Vermieter ist die Eigentumsbildung in Vergessenheit geraten. Obwohl die Mehrheit auch der jungen Leute in allen Umfragen angibt, dass sie gerne Eigentum bilden würde, also eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus finanzieren will, interessiert das die Parteien nicht. Dabei könnte der Senat für günstiges Eigentum sorgen.
Der Berliner Unternehmer Jürgen Leibfried hat dafür die folgende Rechnung aufgemacht: Die sechs Berliner landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften degewo, Gesobau, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND, WBM verfügen über rund 365 000 Wohnungen (Stand: 31.12. 2024, neuere Zahlen liegen nicht vor). Aus diesem Bestand könnten zum Beispiel 50 000 Wohnungen an die Mieter verkauft werden, für 1800 Euro pro Quadratmeter.
Eine 65 Quadratmeter große Wohnung könnte demnach zu einem Kaufpreis von 117 000 Euro angeboten werden. Der Erwerb würde sich zuzüglich Nebenkosten auf 125 000 Euro belaufen. Bei einem Kapitaldienst von vier Prozent (drei Prozent Zinsen, ein Prozent Tilgung) ergäbe das eine monatliche Belastung in Höhe von 417 Euro und mit Nebenkosten 534 Euro pro Monat. Für dieselbe Wohnung zahlt der Mieter bisher eine Miete von 488 Euro pro Monat (bei einem Quadratmeterpreis von 7,50 Euro).
Der normalverdienende Mieter kann sich den Kauf also leisten und hat den Vorteil, dass er sein Geld gut anlegen und im Ruhestand mietfrei leben kann. Aber auch der Senat könnte mit erheblichen Einnahmen über den Verkauf und die Grunderwerbsteuer rechnen. Diese Einnahmen könnten für den Bau neuer Wohnungen eingesetzt werden. Solche Ideen und Pläne gibt es in den Köpfen der meisten Politiker nicht mehr.
Sie sind ideologisch gegen jede Form von Eigentum geeicht, das sie mit Reichtum und Privilegien gleichsetzen. Das aber ist der falsche Schluss: Selbst genutztes Eigentum bedeutet Vorsorge für das Alter, Unabhängigkeit und Freiheit.
Hat Gunnar Schupelius recht? Schreiben Sie an: gunnar.schupelius@axelspringer.de