„Wir haben eine neu entwickelte Technik genutzt, um Hinweise auf lokalisierte Einstürze von potenziellen Lavagängen genauer zu analysieren und nach solchen Untergrundkanälen nahe Skylights zu suchen“, erklärt Carrer.
Unter dem Skylight liegt ein ein Kilometer breiter und 375 Meter hoher Lavagang. Er könnte bis zu 45 Kilometer lang sein. © RSLab/ University of Trento
Skylight einer kilometergroßen Lavahöhle
Tatsächlich wurde das Team fündig: „Unsere Analysen enthüllen einen großen Lavagang im Venusuntergrund in der Region des Nyx Mons“, berichten die Forschenden. Dieser große Schildvulkan liegt auf rund 30 Grad nördlicher Breite und ist von zahlreichen Gräben und ganzen Ketten rundlicher Senken umgeben. An der Westflanke des Vulkans haben Carrer und sein Team jetzt ein großes Loch in der Venusoberfläche entdeckt.
Dieses Loch ist 1,5 Kilometer lang, gut einen Kilometer breit und rund 450 Meter tief. Die Forschenden interpretieren diese Öffnung als Skylight – als eine Stelle, an der die Höhlendecke eines Lavagangs eingestürzt ist. Die Analysen der Radardaten legen nahe, dass dieser Lavagang mindestens einen Kilometer breit sein muss. „Das Höhlendach ist mindestens 150 Meter dick und überwölbt einen Hohlraum, der mindestens 375 Meter hoch sei muss“, berichtet das Team.
Größer als Lavagänge auf Erde und Mars
Wie lange der neuentdeckte Lavagang insgesamt ist, lässt sich anhand der Radardaten nicht feststellen. „Das Radarsignal reicht mindestens 300 Meter weit in die Höhle hinein“, schreibt das Team. Aber durch den steilen Winkel der Radarstrahlen ist nicht sichtbar, wie weit sich der Gang noch darüber hinaus erstreckt. „Analysen des umgebenden Terrains und die Präsenz weiterer Senken legen jedoch nahe, dass dieser unterirdische Lavagang noch mindestens 45 Kilometer weit reicht“, sagt Seniorautor Lorenzo Bruzzone.
Damit ist die Lavahöhle auf der Venus deutlich größer als die bisher von Erde und Mars bekannten Lavagänge. Wie Carrer und sein Team erklären, ist dies jedoch nicht verwunderlich: Durch die geringere Schwerkraft und dichtere Atmosphäre der Venus bildet die Venus-Lava besonders schnell eine erstarrte Kruste, während die glutflüssige Schmelze darunter noch lange weiterfließen kann. Dadurch können Lavagänge auf der Venus größer werden als hier auf der Erde.
Nach Ansicht der Forschenden ist die Entdeckung der Lavahöhle am Nyx Mons aber erst der Anfang. Denn sie vermuten, dass noch viele weitere Lavagänge auf der Venus existieren und auf ihre Entdeckung warten. (Nature Communications, 2026; doi: 10.1038/s41467-026-68643-6)
Quelle: Università di Trento
10. Februar 2026
– Nadja Podbregar