Liebe Leserin, lieber Leser,

da
war die Bushaltestelle neben der Sporthalle. Im Sommer das Freibad.
Und natürlich die Eisdiele, vor der wir betont lässig unter großen
Sonnenschirmen saßen und den vorbeiknatternden Autoposern
nachschauten.

Ich
bin in einer Kleinstadt in NRW aufgewachsen. Für uns Teenager gab es
nicht viele Orte, an denen wir gern Zeit verbrachten. Im Winter waren
die Möglichkeiten noch übersichtlicher – wir trafen uns bei
irgendwem zu Hause, schauten Filme, spielten Gitarre oder Die
Sims.

(Sie merken: Meine Jugend
war wild.)

Als
junge Lokalreporterin saß ich dann einmal in einer Stadtratssitzung,
in der ältere Herren darüber berieten, wie man die Innenstadt
schöner gestalten könnte. Es ging um Blumenkübel, frisch getünchte
Fassaden und neue Straßenlampen. Alles gut und wichtig, doch weiter
reichten die Pläne nicht. Von Fahrradständern, öffentlichen
Toiletten oder der Idee, dass eine Innenstadt nicht nur für zahlende
Kundschaft da sein könnte, war keine Rede.

Heute
ist das etwas anders. In der Stadtplanung wird nicht mehr nur aus einer
Richtung gedacht – es wird zumindest öfter versucht,
unterschiedliche Stimmen anzuhören. Im
Urbaneo, dem jungen Architekturzentrum in der HafenCity, dürfen
jetzt Kinder und Jugendliche ihren Senf dazugeben: Auf einem großen
Touchtable, der gestern eingeweiht wurde, markieren sie Lieblingsorte
oder Ecken, die sie eher meiden, und tragen ein, was sich wo ändern
müsste. In Workshops bauen Schülerinnen und Schüler außerdem mit Legosteinen
ihre Traumstadt – und nähern sich spielerisch der Frage, wie sie
mal leben wollen. Ab Herbst 2027 wird die Stadtentwicklungsbehörde
alle Wünsche, Sorgen und Ideen in einem Bericht zusammenfassen und
an die Bürgerschaft übergeben.

© ZON

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Und
was kommen da für Ideen? „Wenn Kinder und Jugendliche uns hier in der HafenCity
besuchen, heißt es oft: Es ist so grau und steril hier!“, erzählte
mir Urbaneo-Geschäftsführerin Judith Rädlein. „Viele wünschten
sich mehr Grün in der Stadt und Freiflächen, die man gestalten
kann, weil sie von den Erwachsenen noch nicht zubetoniert wurden.“
Auffällig sei auch, dass die Kinder nicht nur für sich planten:
Viele wünschten sich mehr Unterkünfte für Obdachlose.

So
ein Projekt hätte ich mir früher gewünscht. Wäre doch schön,
wenn die Ideen der Kinder nicht in Schubladen verschwinden.

Über das Urbaneo hat
mein Kollege Oskar Piegsa letztes Jahr hier geschrieben.
Ein Besuch lohnt auch für Erwachsene!

Kommen Sie gut durch den
Tag.

Ihre
Annika Lasarzik

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Marcus Brandt/​dpa

Ex-Bundeskanzlerin
Angela Merkel und EU-Ratspräsident António Costa werden am 6. März
als Ehrengäste beim traditionellen
Matthiae-Mahl
im Hamburger Rathaus
erwartet. Das Fest gilt als weltweit ältestes noch gefeiertes Mahl
und geht auf das Jahr 1356 zurück.

Das
Matthiae-Mahl 2025 kostete laut einer Anfrage der CDU-Fraktion mehr
als 205.000 Euro. Insgesamt gab der Hamburger Senat nach eigenen
Angaben im vergangenen Jahr über 1,6
Millionen Euro für Reisen und Empfänge
aus.
Die teuerste Reise: rund 170.000 Euro für die Delegation des Ersten
Bürgermeisters nach Kanada und in die Partnerstadt Chicago.

In
Hamburg kommt es immer öfter zu Fällen
von „Trainsurfing“.
Dabei fahren
Menschen außen an U- oder S-Bahnen mit – etwa auf Kupplungen,
Trittbrettern oder Dächern. Das ist lebensgefährlich und strafbar.
2025 wurden 81 Fälle gezählt, im Jahr davor waren es 22, heißt es
in einer Senatsantwort auf eine AfD-Anfrage.

Wegen
eines ganztägigen Warnstreik-Aufrufs der Gewerkschaft Ver.di rechnen
die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) am Mittwoch mit
Einschränkungen im Busverkehr.
Betroffen seien vor allem Linien im Hamburger Westen sowie in den
Kreisen Pinneberg und Segeberg, teilten die VHH mit.

Die
Hamburger Containerrederei Hapag-Lloyd
hat 2025 deutlich weniger verdient: Der Gewinn sank um mehr als 60
Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Zwar transportierte die
Reederei acht Prozent mehr Container, doch niedrigere Frachtraten und
Umwege wegen der Angriffe im Roten Meer belasteten das Ergebnis.

AUS HAMBURG

© Tanja Dorendorf/​ Staatsoper Hamburg

Er hat noch Hunger

Trump
sei Dank: Die Komponistin Olga Neuwirth und die Schriftstellerin
Elfriede Jelinek haben eine neue Oper zubereitet. „Monster’s
Paradise“, zu
sehen in der Staatsoper
,
ist schrill und bitterböse. Lesen
Sie hier einen Auszug aus der Rezension von Christine Lemke-Matwey.

Was
für ein Finale! Zum Lachen und Weinen schön. Zum Schreien kitschig.
Poetisch, rührselig, rätselhaft. Romantische Kammermusik auf der
zeitgenössischen Opernbühne? Man möchte sich die Ohren zustopfen
und sie gleichzeitig sperrangelweit aufsperren. Nur um die Pianistin
Elisabeth Leonskaja Schubert spielen zu hören, vierhändig an der
Seite ihrer Kollegin Alexandra Stychkina, den Beginn seiner
f-Moll-Fantasie, der mit seinen Punktierungen auf so gespenstische
Weise an eine Totenglocke erinnert. Olga Neuwirth, die Komponistin
des Opernfinales, überträgt die Fantasie auf ein so kunstreich
präpariertes wie krass verstimmtes Klavier. Verbeult klingt das,
verhauen, wie unter einer riesigen Schuttlawine begraben. Den
passenden Schuttlawinensound liefert das Orchester, mit kakofonischem
Poltern und Wabern. Schubert bleibt trotzdem immer hörbar. Denn
offenbar ist es gar nicht so leicht, große Musik aus dem
Menschheitsgedächtnis zu tilgen, nur weil ein paar hirnlose,
machtlüsterne, kriegsgeile Idioten gerade behaupten, in der Welt das
Sagen zu haben.

Von
diesen Idioten handelt Neuwirths neue Oper Monster’s
Paradise, ihre siebte. Von Monstern wie
Trump und Putin. Und von der Rolle der Kunst, der Musik in solch
„entgleister“ Wirklichkeit. Damit siedelt sich die 57-jährige
Österreicherin in der Tradition eines politischen Musiktheaters der
Moderne irgendwo zwischen Luigi Nono, Hans Werner Henze und György
Ligeti an. Und bekennt sich doch zum Eremitinnen-Dasein. Das
Komponieren als widerständigen Akt und damit sich selbst hat
Neuwirth früh in ihre Werke mit eingeschrieben, nach guter
feministischer Tradition – zuletzt in ihrer Grand Opéra Orlando
nach Virginia Woolf in Wien oder auch in American
Lulu (Berlin, 2012).

In
Monster’s Paradise
treibt sie dieses Prinzip nun auf die Spitze, indem sie sich und ihre
Librettistin, die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek,
indirekt mit auf die Bühne bringt, und zwar in doppelter
Ausfertigung.

Warum
sich die 79-jährige Jelinek noch einmal zum Schreiben eines
Operntextes bewegen ließ und welche Probleme die Inszenierung an der
Staatsoper hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung der
Kritik auf zeit.de →
Zum
Artikel (Z+)

SCHON GELESEN?

© Jérome Gerull/​plainpicture

Und warum nicht einfach tauschen?

Etliche Menschen leben
schließlich in zu großen Wohnungen – und ökologischer wäre es
auch. In Berlin geht das. →
Zum
Artikel (Z+)

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

Die
Jahresausstellung
an der Hochschule für bildende Künste
findet am kommenden Wochenende statt. Studierende präsentieren ihre
Arbeiten aus dem vergangenen Jahr – von Skulpturen und
Installationen über Malerei, Fotografie, Video- und Soundarbeiten
bis zu Performances. Auch Designentwürfe und Filme stehen auf dem
Programm.

HFBK
Jahresausstellung, Eröffnungsfeier am Donnerstag, 12.2., 19–22
Uhr; 13.–15.2., täglich 14–20 Uhr; Lerchenfeld 2 + 2A und Finkenau 42

MEINE STADT

Nachbarschaftliche Starthilfe in Eppendorf © Imke Laurinat

HAMBURGER SCHNACK

Unsere
Enkel sind zum Frühstück da. Opa legt ein Stück Harzer Käse auf
sein Brötchen, worauf der Sechsjährige kommentiert: „Wie können
Kühe so ekligen Käse machen?“

Gehört
von Ulrike Lang

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