Jean-Michel Basquiat, Head, 1982–1983. Ölkreide auf Papier, 108×76,5 cm. Private Kollektion.

Berlin, Kopenhagen oder Stockholm sind beliebte Destinationen für einen Wochenendtrip. Kunstinteressierte kommen zurzeit besonders auf ihre Kosten.

Seit dem Frühjahr 2025 bespielt die renommierte Londoner Pace Gallery eine umgebaute Tankstelle aus den 1950er Jahren im Berliner Stadtteil Schöneberg. Dort findet eine Einzelausstellung der Arbeiten des Künstlers und Filmemachers David Lynch statt. Ein Jahr nach seinem Tod wird dieses grundlegende, wenn auch weniger bekannte Kapitel seines Schaffens beleuchtet. Denn Lynch, einer der bedeutendsten kreativen Denker unserer Zeit, verstand sich in erster Linie als bildender Künstler und hatte Ende der 1960er Jahre Malerei an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia studiert.

Die surreale und oft verstörende Ästhetik des «Twin Peaks»- und «Mulholland Drive»-Regisseurs ist auch in den ausgestellten, teilweise nie zuvor gezeigten Gemälden und Aquarellen aus den Jahren 1999 bis 2022 zu erkennen. Lynchs Werke sind voller verstörender und rätselhafter Bilder. Sie greifen auf die Bildsprache des Surrealismus zurück und verbinden sie mit Text und Erzählung.

Die Aquarelle – sowohl monochrom als auch mit der charakteristischen Farbpalette aus Rot-, Tintenblau- und Gelbtönen – werden neben Gemälden ausgestellt, die jeweils in von Lynch selbst entworfenen Rahmen präsentiert werden. Drei aufrechte Lampenskulpturen aus Stahl, Harz, Plexiglas, Gips und Holz setzen mit ihrer geheimnisvollen Beleuchtung Akzente in der Galerie.

Ebenfalls zu sehen sind Fotografien, die Lynch 1999 an verlassenen Industriestandorten in Berlin aufgenommen hat, sowie frühe Kurzfilme, die in einen Dialog mit den ausgestellten Gemälden gestellt wurden. Die Ausstellung dient als Auftakt zu einer grösseren Retrospektive von Lynchs Lebenswerk, die diesen Herbst in der Pace Gallery in Los Angeles gezeigt wird.

Bis 22. März, pacegallery.com

Jean-Michel Basquiat war ein Kultkünstler, dessen rohe Energie und kühne Bildsprache die zeitgenössische Kunst revolutioniert haben. Er wurde nicht einmal dreissig Jahre alt und gehört zum erweiterten Kreis des traurigsten Klubs der Welt, des sogenannten Klubs 27, dessen Mitglieder vor oder mit 27 Jahren gestorben sind.

Jean-Michel Basquiat, 1 Untitled (½ Black, ½ White), 1982. Ölkreide und Gouache auf Papier, 76,2×55,9 cm. Private Kollektion. Jean-Michel Basquiat, 1 Untitled (½ Black, ½ White), 1982. Ölkreide und Gouache auf Papier, 76,2×55,9 cm. Private Kollektion.

© Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York. Photo: Courtesy of Colour Themes.

Trotzdem ist es Basquiat gelungen, zu einem der einflussreichsten Maler der Welt zu werden. Er begann als Street-Art- und Graffitikünstler, entwickelte sich ständig weiter und schuf einen künstlerischen Stil, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Durch die Verbindung von Graffiti, Symbolik und ausdrucksstarker Farbe thematisierte er in seinen Werken Identität, Herkunft und Macht.

Jean-Michel Basquiat, Mosquito Coil, 1982. Ölkreide, Grafit und Kohle auf Papier, 76,2×109,2 cm. Private Kollektion. Jean-Michel Basquiat, Mosquito Coil, 1982. Ölkreide, Grafit und Kohle auf Papier, 76,2×109,2 cm. Private Kollektion.

© Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York. Photo: Courtesy of Colour Themes.

Im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk bei Kopenhagen ist eine spannende Einzelausstellung mit seinen Papierarbeiten zu sehen, die sich ausschliesslich mit seinen Darstellungen des menschlichen Kopfes beschäftigen (daher der Titel «Headstrong»). Darunter sind auch einige Werke, die erst nach seinem Tod bekannt wurden.

Bis 17. Mai, louisiana.dk

Wer sich für Picasso interessiert, bekommt in Stockholm einen besonderen Leckerbissen serviert: Die Ausstellung vereint rund fünfzig Gemälde und dreissig Arbeiten auf Papier aus Picassos letztem Lebensjahrzehnt – von 1963 bis 1973 –, als seine Malerei nicht mehr die rebellische Kraft seiner Jugend verkörperte, sondern einen unerbittlichen Forschungsprozess.

Die letzte Phase von Pablo Picassos künstlerischem Schaffen ist geprägt von widersprüchlichen und eigenwilligen Werken sowie von grosser Intensität. Picasso hatte viele seiner Zeitgenossen überlebt und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um sich ganz der Arbeit in seinem Atelier in Mougins zu widmen.

Während sich die zeitgenössische Kunst dem Minimalismus und dem Konzeptualismus zuwandte, blieb er der Darstellung des menschlichen Körpers treu. Unermüdlich und mit zunehmender Dringlichkeit arbeitete er an Themen und Motiven aus seiner eigenen Vergangenheit und produzierte Werke, die von Kritikern zunächst abgetan und von Kunsthistorikern übersehen wurden.

In den 1980er Jahren erlangten diese späten Arbeiten jedoch neue Bedeutung, als eine jüngere Generation von Malern ihre Ausdruckskraft, ihre Kompromisslosigkeit und ihre ungebändigte Vitalität für sich entdeckte. Diese späten Werke offenbaren zwei unterschiedliche Herangehensweisen an die Malerei: eine schnelle und vereinfachte, bestehend aus Abkürzungen, Ideogrammen und codierten Zeichen.

Die andere ist kühn und gestisch, mit dickflüssiger, hastig aufgetragener Farbe. Picasso malte tagsüber und zeichnete nachts, oft stundenlang. Der Schaffensprozess selbst – das Schichten, Überarbeiten und die allmählichen Veränderungen – wurde zunehmend zentral für sein künstlerisches Schaffen. Nicht zuletzt dank seinem umfassenden Spätwerk gilt Picasso heute sowohl als unantastbare Ikone als auch als Künstler, der die Komplexität und die Widersprüche der modernen Kunst verkörpert.

Bis 5. April, modernamuseet.se

Björk-Fans, aufgepasst! Zehn Jahre nach der grossen Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art präsentiert die Nationalgalerie Islands zeitgleich mit dem Reykjavik Arts Festival 2026 eine Ausstellung von Björks Werk in ihrer Heimatstadt.

Björk fasziniert durch ihre Erscheinung in Kombination mit ihrer Musik. Björk fasziniert durch ihre Erscheinung in Kombination mit ihrer Musik.

Vidar Logi

Während die MoMA-Ausstellung einen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit warf, verspricht diese Ausstellung einen umfassenderen Einblick in Björks Multimediaprojekte, die sie in Zusammenarbeit mit Musikern, Künstlern, Designern, Tänzern, Filmemachern und Studiotechnikern entwickelt hat. Unter dem Titel «Echolalia», was so viel wie die Wiederholung fremder Worte oder Laute bedeutet, zeigt die Ausstellung drei immersive Installationen, in denen Besucher von verschiedenen Formen der Polyfonie umgeben sein werden: einen Film, eine Audioinstallation und ein noch nicht angekündigtes Werk, das sich derzeit in Entwicklung befindet und mit einem kommenden Album in Verbindung steht.

Island James Merry. Greenman, 2017. Island James Merry. Greenman, 2017.

Courtesy of the Artist. Photo: Tim Walker

Parallel zu «Echolalia» wird die erste Museumsausstellung von James Merry zu sehen sein. Er ist der Mann hinter vielen von Björks faszinierenden Masken. Die beiden Ausstellungen erstrecken sich über alle vier Galerien der Nationalgalerie Islands.

31. Mai bis 20. September, listasafn.is

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