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Berlin – Deutschland schaut genauer hin! An diesem Dienstag um 10 Uhr legt die Bundesregierung erstmals eine umfassende Studie zu Gewalt in Familie, Partnerschaft und im öffentlichen Raum vor. Ziel: Endlich sichtbar machen, wie groß das Problem wirklich ist – auch dort, wo bisher geschwiegen wurde. Denn klar ist: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeigt nur die Fälle, die auch angezeigt wurden. Gerade bei Delikten wie Vergewaltigung oder verbaler sexueller Belästigung gehen Experten seit Jahren von einem riesigen Dunkelfeld aus. Viele Betroffene reden nicht – aus Angst, Scham oder Misstrauen.

Die sogenannte Dunkelfeldstudie soll genau diese Lücke schließen. Betreut vom Bundeskriminalamt (BKA) und auf den Weg gebracht von Innen- und Familienministerium, wurden bundesweit mehrere Tausend Menschen befragt. Der Titel klingt harmlos: „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA). Doch der Inhalt hat es in sich.

BKA-Präsident Holger Münch (64, v.l.), Bundesfamilienministerin Karin Prien (60, CDU) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) stellen die Studie um 10 Uhr vor

BKA-Präsident Holger Münch (64, v.l.), Bundesfamilienministerin Karin Prien (60, CDU) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) stellen die Studie um 10 Uhr vor

Foto: Britta Pedersen/dpa

Erfasst werden nicht nur Frauen, sondern alle Menschen in Deutschland

Mit der Studie erfüllt die Bundesregierung zwar eine Verpflichtung aus der Istanbul-Konvention zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen – geht aber bewusst weiter. Erfasst werden nicht nur Frauen, sondern alle Menschen in Deutschland.

Vorgestellt werden die Ergebnisse von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Bundesfamilienministerin Karin Prien und BKA-Präsident Holger Münch. Bemerkenswert: Die Vorarbeiten begannen schon vor der Ampel-Regierung – das Projekt lief über mehrere Jahre.

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Warum der unverfängliche Name der Studie? Dahinter steckt Kalkül. Ein Titel, der Gewalt schon sprachlich in den Mittelpunkt stellt, hätte vor allem Betroffene zur Teilnahme motivieren können. Genau das wollte man vermeiden – um möglichst ehrliche, belastbare Zahlen zu bekommen.