Dresden. Leben zieht ein. Dafür ist dieses Haus gebaut: fürs Leben. Auch wenn sich Krebs zunächst wie Weltende anfühlt – hier bündeln Menschen alle Kräfte, um Wege über Brücken zwischen Krankheit und Genesung zu weisen. Selbst wenn Heilung nicht gelingt, zählt das Hier und Jetzt.
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Die Villa Sonnenstrahl in Blasewitz ist weithin bekannt, genauso wie die Arbeit des Vereins, der dort an Krebs erkrankten Kindern und Angehörigen während der Behandlung am Dresdner Uniklinikum ein Zuhause auf Zeit gibt und verschiedene Therapien und Beratungen anbietet.
Immer mehr Bedarf
Doch die Betroffenen kommen von immer weiter her in die hoch spezialisierte kinderonkologische Klinik. Das Dresdner Uniklinikum nimmt pro Jahr rund 100 neu erkrankte Kinder auf. Die durchschnittliche Heilungsrate, gemittelt über alle Krebsarten bei Kindern und Jugendlichen, beträgt fast 90 Prozent. Damit steigt auch die Zahl derer, die Unterstützung benötigen, und der Bedarf an Nachsorge. Parallel dazu erweitert der Sonnenstrahl e.V. sein Betreuungsangebot stetig. So ist es über die Jahre in der Villa zu eng geworden und die Vereinsspitze ging schon vor Jahren auf die Suche nach einem neuen Objekt.
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Das ist nun beinahe fertig: ein Neubau auf der Schubertstraße in unmittelbarer Nähe zur Uniklinik. Diese hat dem Verein das 970 Quadratmeter große Grundstück per Erbpacht überlassen und zieht mit dem Sächsischen Kinderpalliativzentrum auf zweieinhalb Etagen mit ein.
Kunst-, Musik-, Sporttherapie
Den großen Rest der insgesamt 1.500 Quadratmeter Nutzfläche bezieht der Sonnenstrahl e.V. Anfang Mai. „Wir sitzen quasi auf gepackten Koffern“, sagt Geschäftsführer Falk Noack und stellt zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Andreas Führlich und der Leiterin des psychosozialen Teams, Ulrike Grundmann, schon jetzt die Räumlichkeiten vor.

Darin riecht es nagelneu nach Farbe und Bodenbelag. Die Möbel in der neuen Geschäftsstelle stehen, ebenso in den Beratungs- und Therapieräumen. Ein 70 Quadratmeter großer Sportraum entspricht dem Wissen von Ärzten und Wissenschaftlern: Sport ist eine wichtige Medizin, auch im Kampf gegen Krebs.
Großer Mehrzweckraum
Gerade Kinder sind durch die Krankheit in ihrem Bewegungsdrang ausgebremst. Ihr Körper benötigt dringend Kräftigung. Im neuen Sportraum können die Mädchen und Jungen an einer Kletterwand trainieren. Es gibt einen Hometrainer, ein Laufband, ein Terra-X-Band, Matten und bald sicher noch mehr Sportgeräte.
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Barrierefreie Umkleidemöglichkeiten, Duschen und Toiletten sind im neuen Haus Sonnenstrahl selbstverständlich. Das gilt auch für die Küchen, zum Beispiel im neuen Mehrzweckraum, in dem es endlich nicht mehr beengt zugehen wird, wenn sich 60 Gäste zum gemeinsamen Feiern, Töpfern oder für Vorträge und Info-Abende anmelden.
Verein für rund 300 Familien
Insgesamt betreut der Sonnenstrahl e.V. rund 300 Familien. Wenn ein Kind den Krebs überstanden oder den Kampf gegen die Krankheit verloren hat, bedeutet das nicht automatisch den Abschied vom Verein. Er bietet auch darüber hinaus Hilfe an – zum Beispiel psychologische und soziale Begleitung, Kunst-, Sport- und Musiktherapie. Viele Familien, deren Kinder nicht mehr leben, bleiben der stützenden Gemeinschaft verbunden.

Ebenso wie die Jugendlichen, die im Kindesalter an Krebs erkrankten. Für sie gibt es ein Extra-Programm. Dazu gehört die sogenannte Transitionssprechstunde. „Wenn junge Patienten volljährig werden, müssen sie in die Erwachsenenonkologie wechseln.
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Herausforderung Volljährigkeit
Aber viele sind damit überfordert“, erklärt Ulrike Grundmann. Mit ihrem psychosozialen Team hat sie eine eigene Anlaufstelle für diese Jugendlichen aufgebaut und steht ihnen über das 18. Lebensjahr hinaus hinsichtlich der Organisation von medizinischer Betreuung und begleitender Therapien zur Seite. „Wir beobachten, dass die jungen Leute sich zu wenig um ihre Krebsbehandlung kümmern, und bieten ihnen Begleitung an, auch nach der Krebstherapie in der Nachsorge.“ Dieses Angebot ist bundesweit wegweisend.
Weitere Spenden willkommen
Insgesamt 7,1 Millionen Euro kostet das neue Haus Sonnenstrahl. Für die Finanzierung hatte der Verein von langer Hand Rücklagen gebildet. Die Räumlichkeiten des Kinderpalliativzentrums finanziert er über einen Kredit und künftige Mieteinnahmen. Zudem haben Baupaten 370.000 Euro erbracht und verschiedene Stiftungen 1,2 Millionen Euro beigesteuert. Der verstorbene Kabarettist Olaf Böhme hinterließ dem Sonnenstrahl e.V. eine Million Euro. Etwa 1,3 Millionen warb der Verein mit vielfältigen Spendenaktionen ein.
Beispielsweise unterstützen Stiftungen die Inneneinrichtung mit möglichst langlebigen und vielseitigen Büromöbeln sowie die Küchenausstattung. Alles Nötige für die Aufnahme der Arbeit im neuen Haus ist abgesichert. Doch um die Räumlichkeiten wirklich einladend zu gestalten, braucht es noch weitere Spenden – für möglichst warme Sonnenstrahlen.
SZ