Millionenbetrug mit Corona-Tests: Mann zu Haftstrafe verurteilt | ndr.de

Stand: 10.02.2026 16:44 Uhr
Er soll mit falsch abgerechneten Corona-Tests einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet haben: Am Amstgericht Hannover ist ein Mann zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Der 27-Jährige hatte im Jahr 2022 ein Testzentrum im Stadtteil Hannover-Anderten betrieben. Ihm wurde vorgeworfen, zwischen März und Dezember 2022 zu viele Corona-Tests bei der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet zu haben. Entstanden war ein Schaden von mehr als 1,6 Millionen Euro. Die Einziehung dieser Summe werde angeordnet, sagte der Richter am Dienstag. Neben der hohen Schadenssumme brachte er vor Gericht zur Begründung des Urteils weitere Punkte an. Der Verurteilte habe zwar gestanden, aber nur minimale Reue gezeigt. Außerdem habe der 27-Jährige in der Corona-Pandemie eine nationale Notlage ausgenutzt, so der Richter.
Mann hatte zu Prozessbeginn gestanden
Der 27-Jährige hat die Vorwürfe am Dienstag zu Prozessbeginn vollumfänglich eingeräumt. Über seinen Anwalt gab er eine Erklärung ab. Es habe „erkennbar zu viele Fehler“ bei der Abrechnung gegeben, manche Tests seien mehrfach abgerechnet worden. „Mir ist das über den Kopf gewachsen“, hieß es weiter. Der 27-Jährige gab an, so viel Geld wie noch nie zuvor gehabt zu haben und es davon geblendet in Städten wie Dubai, Monte-Carlo und Cannes ausgegeben zu haben – etwa für Hotels, Mietwagen oder Luxusartikel. Schließlich entschuldigte sich der Mann.
Bargeld an Dritte weitergegeben?
Der Richter drückte im Prozess Zweifel aus, dass der Mann das ganze Geld allein ausgegeben habe. Er gehe davon aus, dass Bargeld an Dritte weitergereicht wurde. Die Ermittlungen gegen den 27-Jährigen waren wegen des Verdachts auf Geldwäsche eingeleitet worden. Von der Strafe soll ein Monat wegen der langen Verfahrensdauer als vollzogen gelten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Freund des Angeklagten ebenfalls verurteilt?
Erst Mitte Januar wurde ein weiterer 27-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt. Mit gefälschten Corona-Tests soll er fast 900.000 Euro erschlichen haben. Beide Beschuldigte kannten sich, der 27-Jährige soll dem nun Verurteilten 90.000 Euro als Privatdarlehen überwiesen haben. In welchem Verhältnis sie zueinander standen und ob sie sich in den Betrugsfällen unterstützt haben, ist laut Amtsgericht Hannover nicht bekannt.

Der Mann hatte mehrere Teststationen in Hannover und Umgebung betrieben. Er soll fast 900.000 Euro zu viel abgerechnet haben.
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