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US-Studie: Eine langfristige Einnahme des Schlafmittels Melatonin könnte das Risiko für Herzschäden erhöhen. Fachleute warnen vor unkontrollierter Einnahme.
Frankfurt – Jeder Mensch, der länger als nur mal eine Nacht schlecht geschlafen hat, weiß, wie quälend das ist. Geschätzt zehn bis 25 Prozent der Bevölkerung leiden regelmäßig unter Schlafstörungen. Wem pflanzliche Mittel wie Baldrian nicht helfen und wer nicht zur chemischen Schlaftablette greifen will, landet schnell bei Melatonin. Das körpereigene Hormon steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers und macht bei Dunkelheit müde. Vor dem Zubettgehen als Nahrungsergänzungsmittel oder Medikament eingenommen, kann es die Einschlafzeit verkürzen. Auch zur Linderung des Jetlags nach Langstreckenflügen ist Melatonin hilfreich. In Deutschland ist es in einer niedrigen Dosis rezeptfrei erhältlich, in den USA auch in höheren Dosierungen.
Wer Probleme mit dem Schlafen hat, landet schnell bei Melatonin. (Symbolbild) © IMAGO/HalfPoint Images
Doch auch dieses vermeintlich natürliche Mittel kann Nebenwirkungen haben. Während gelegentliche unangenehme Begleiterscheinungen wie Tagesmüdigkeit oder Kopfschmerzen seit längerem bekannt sind, legt eine aktuelle Studie aus den USA ein erhöhtes Risiko für eine Schädigung des Herzens als mögliche Folge einer längerfristigen Einnahme nahe.
Herzinsuffizienz nach Melatonin-Einnahme doppelt so häufig
Ein Forschungsteam des Kings County Primary Care in Brooklyn/New York hatte dafür Daten des Netzwerks TriNetX analysiert, das in mehreren Ländern Zugriff auf anonymisierte elektronische Krankenakten hat, und 130.000 Betroffene herausgefiltert, die länger als ein Jahr Melatonin verordnet bekommen hatten. Es zeigte sich, dass diese Patientinnen und Patienten doppelt so häufig an einer Herzinsuffizienz erkrankten und mehr als dreimal so häufig in einer Klinik behandelt wurden wie Menschen, die ebenfalls unter Schlafstörungen litten, aber kein Melatonin einnahmen.
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Über einen Zeitraum von fünf Jahren erhielten 4,6 Prozent der Menschen, die Melatonin schluckten, die Diagnose Herzschwäche, dagegen nur 2,7 Prozent in der Kontrollgruppe. Die American Heart Association hatte sich erst kürzlich kritisch zu der oft unkontrollierten Einnahme von Melatonin auch in hohen Dosen in den USA geäußert. (pam)