Borussia Düsseldorf hat in der Tischtennis-Bundesliga Moral und starke Nerven bewiesen. Am 16. Spieltag rang der Rekordmeister den ASC Grünwettersbach nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 nieder – am Ende war es ein echter Krimi. Die Düsseldorfer setzten damit ein weiteres Ausrufezeichen im Kampf um das Final Four. Mit nun 26:6 Punkten thront der 34-malige Deutsche Meister weiterhin an der Tabellenspitze und hat sich bereits einen komfortablen Vorsprung von zehn Zählern auf Rang fünf erarbeitet. Für die Gäste bedeutete die Niederlage bereits den achten Rückschlag in Serie – als Elfte stecken sie tief im Abstiegskampf.
Die Erinnerung an das Hinspiel war noch frisch: Im September hatte Grünwettersbach mit einem überraschenden 3:1-Erfolg für Aufsehen gesorgt. Und auch im Rückspiel am Dienstagabend lag eine erneute Sensation lange Zeit in der Luft. Der Abend begann aus Düsseldorfer Sicht denkbar ungünstig. Im Tischtenniszentrum am Staufenplatz jubelten zunächst die Gäste: Kanak Jha musste sich Hiroto Shinozuka mit 1:3 (6:11, 11:9, 6:11, 6:11) geschlagen geben.
Kurz darauf geriet die Borussia weiter ins Hintertreffen. Li Yongyin fand gegen Tiago Apolonia nur schwer in seinen Rhythmus und verlor nach einem packenden Duell mit 2:3 (4:11, 9:11, 11:5, 11:4, 8:11). Im ersten Satz lag Li schnell 0:7 zurück, steigerte sich jedoch und kämpfte sich mit großem Einsatz zurück in die Partie. Nach zwei klar verlorenen Durchgängen dominierte der Düsseldorfer plötzlich die Sätze drei und vier. Eine Szene sorgte dabei für Raunen in der Halle: Li reagierte im dritten Durchgang auf einen Aufschlag Apolonias nicht, da er eine Netzberührung bemerkt hatte, die von den Schiedsrichtern allerdings nicht gesehen wurde. Apolonia reagierte mit einer fairen Geste und schenkte dem Borussen den nächsten Punkt – ein Moment sportlicher Größe. Im Entscheidungssatz wendete sich das Blatt erneut. Li führte nur kurz, verlor dann plötzlich die Sicherheit und musste den fünften Satz und das Spiel Grünwettersbach überlassen.
Nach der Pause zeigte der Rekordmeister ein ganz Gesicht. Anton Källberg trat gegen Tom Jarvis mit beeindruckender Präsenz auf und ließ dem Engländer beim souveränen 3:0 (11:6, 11:4, 11:9) kaum Luft zum Atmen. Nur zweimal geriet der Schwede kurz in Rückstand, doch jedes Mal konterte er umgehend mit Punkteserien. Mit einem spektakulären Angriffsschlag verwandelte Källberg schließlich seinen ersten Matchball – begleitet vom bewundernden Raunen der Zuschauer.
Borussias Fans jubelten, als Kanak Jha anschließend den Ausgleich herstellte. Im Spitzenspiel gegen Apolonia zeigte der US-Amerikaner eine beeindruckende Vorstellung und gewann verdient mit 3:0 (11:8, 11:9, 11:7). Immer wieder geriet er zu Satzbeginn zwar kurz ins Hintertreffen, er blieb jedoch ruhig. Auch eine Verletzungspause Apolonias im zweiten Satz konnte den Düsseldorfer nicht aus dem Rhythmus bringen, der Portugiese konnte den präzisen Schmetterbällen nur hinterhersehen.
So musste das Doppel die Entscheidung bringen – das Spannung pur bot. Trainer Danny Heister schickte Anton Källberg und Li Yongyin ins Rennen gegen Ricardo Walther und Hiroto Shinozuka. Jeder Ballwechsel war umkämpft, jeder Punkt hart erarbeitet. Im vierten Satz wehrten die Düsseldorfer einen Satzball ab, hielten dem Druck stand und nutzten schließlich ihren ersten Matchball zum umjubelten 3:1-Erfolg – und zum 3:2-Gesamtsieg.