Der Landkreis Augsburg will seinen Nahverkehr besser machen – vor allem mit dem Rufbussystem Aktivvo, der dann hauptsächlich in ländlichen Gegenden fahren und auch als Zubringer zum nächsten Umsteigepunkt funktionieren soll. Doch das klappt nur, wenn von dort auch regelmäßig und zuverlässig ein Zug weiterfährt, falls es sich um einen Bahnhof handelt. Doch während der Landkreis im AVV selbst entscheiden kann, wie er den Busverkehr organisieren will, und das vor wenigen Wochen in der Fortschreibung des Nahverkehrsplans beschlossen hat, gilt das für den Bahnverkehr nicht. Denn der wird von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) geplant und bestellt. Weil aber ein freundlicher Hinweis kaum schaden kann, hat der Kreisausschuss jetzt eine Zusatzerklärung zum Schienenpersonennahverkehr beschlossen.
Und das ist in der „Wunschliste“ an die BEG enthalten: Ganz vorn steht da die „Schaffung und der dauerhafte Erhalt eines 15-Minuten-Takts auf allen zentralen Schienen-Relationen im Augsburger Nahverkehrsraum“. Ein solcher Takt sei eine zentrale Voraussetzung, um die Mobilitätswende in der Region erfolgreich umzusetzen, Verkehrsströme zu verlagern und den Umstieg auf den ÖPNV attraktiver zu gestalten, heißt es in der Zusatzerklärung weiter. Was dabei auffällt: Ganz neu ist diese Forderung nicht. Bereits seit Jahrzehnten fordert die Kommunalpolitik einen S-Bahn-ähnlichen Verkehr rund um Augsburg. Erneuert wurde die Forderung jetzt just zu dem Zeitpunkt, als die Bahn erste Überlegungen veröffentlicht hat, etwa ein Viertel der Regionalzüge zunächst zu streichen, um auf der anfälligen, weil veralteten Infrastruktur, zumindest den Rest des Angebots zuverlässig abwickeln zu können.
Der 15-Minuten-Takt ist eine uralte Forderung
Das bedeutet auch: Mit einem Viertelstundentakt der Bahn rund um Augsburg ist realistischerweise erst nach der Sanierung des Hochleistungskorridors und des Neubaus der Schnellstrecke über Zusmarshausen zu rechnen, wenn sich der Bahnverkehr auf vier Gleise verteilen kann. Doch ist vor der Last der vielen Aufgaben überhaupt mit der angekündigten Sanierung des Hochleistungskorridors zu rechnen? Das wollte zeitgleich mit der Verabschiedung des Papiers in Augsburg der Grünen-Landtagsabgeordnete Max Deisenhofer von der Staatsregierung wissen. Ja, man rechne weiter mit einer Sanierung im Jahr 2034, so die Antwort.
Ein barrierefreier Ausbau der Bahnhöfe im Landkreis ist 2026 nicht geplant
Auch einen barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen möchten die Kreisräte endlich sehen. Doch auch da wird es, zumindest in diesem Jahr, im Landkreis Augsburg nicht vorangehen, hat die Nachfrage Deisenhofers ergeben. Nach Erkenntnis der Staatsregierung wird es einen barrierefreien Ausbau in Schwaben im Jahr 2026 in Altstädten, Dillingen, Immenstadt, Kempten Hbf, Möttingen, Oberstdorf und Sonthofen geben. Schon allein, dass es keine verlässlichen weiteren Planungen gibt, gefährde das Ziel eines durchgängig barrierefreien ÖPNV, wettert der Kreisausschuss in seinem Zusatzpapier. Offen ist, ob sich die BEG davon beeindrucken lässt. Sicherheitshalber hat der Kreisausschuss aber auch beschlossen, dass bei der Sanierung der Bahnstrecke Ulm – Augsburg eine Reaktivierung der Haltepunkte Mödishofen, Vogelsang, Hirblinger Straße und Großaitingen in Richtung Buchloe gewünscht ist. Ob‘s hilft? Apropos Bahnstrecke von Augsburg nach Buchloe: Auch dort ist aktuell von der Bahn eine sogenannte Langsamfahrstrecke außerplanmäßig eingerichtet, um die Infrastruktur zu schonen.
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Jana Tallevi
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