100 Tonnen Müll – so viel sammelt die Awista im Schnitt an jedem Rosenmontag in Düsseldorf ein. Gemessen an der Gesamtstatistik der städtischen Abfallbilanz 2024 mag das marginal erscheinen. Doch wer am Sessions-Höhepunkt durch die Innenstadt läuft, bekommt bildhaft vor Augen geführt, was diese Zahl für ein massives Müllaufkommen bedeutet. Besonders dann, wenn Konfetti-Schnipsel, Verpackungsreste, leere Bierdosen und Klopfer-Deckel noch eine Weile zwischen der Graf-Adolf-Straße und dem Hofgarten liegen bleiben – trotz des Einsatzes der 33 Awista-Mitarbeiter am jecksten Tag des Jahres.
Hauptverursacher dieser Müllberge sind die Feiernden. Allerdings kann auch die Stadt einige „Leitplanken“ setzen, um das Müllaufkommen zumindest zu reduzieren. Das Glas-Verbot in der Altstadt – einst erdacht, um vor allem die Gesundheit der Jecken nach zahlreicher Schnittverletzung zu schützen – ist eine solche Maßnahme. Und auch der Einsatz von Mehrweggeschirr trug in den vergangenen Jahren bei Großveranstaltungen effektiv zur Ressourcenschonung und Stadtsauberkeit bei. Wie die Stadt mitteilt, wird dies auch in diesem Jahr wieder mit einem einheitlichen Mehrwegpoolsystem mit Pfand umgesetzt, bei dem Becher, Teller und Schalen an den Ständen auf der Königsallee und in der Altstadt zurückgegeben werden können, sofern diese dort auch ausgegeben werden.
Ein wichtiger Schritt – schließlich hat sich Düsseldorf das Ziel gesetzt, eine Stadt ohne Verschwendung werden zu wollen. Das bedeutet, die Müllmenge der Bewohner durch innovative Ideen größtmöglich zu reduzieren und der Verschwendung von Ressourcen entgegenzuwirken. Dafür wurde im vergangenen Jahr auch ein 100-Seiten-starkes „Zero-Waste-Konzept“ vom Ausschuss für öffentliche Einrichtungen verabschiedet, das die Maßnahmen für Japantag, Rheinkirmes und Weihnachtsmarkt beinhaltet. „Karneval“ findet sich darunter allerdings nicht – und neue Ideen sind auch nicht in Aussicht. „Derzeit gibt es keine neue Maßnahme aus dem Zero-Waste-Konzept, die bei den diesjährigen Großveranstaltungen erstmals angewendet werden sollen“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.
Organisator der karnevalistischen Aktivitäten ist das CC – und das beschäftige sich bereits seit einigen Jahren mit dem Thema, wie Müll an Rosenmontag stärker vermieden werden könne, sagt Geschäftsführer Uwe Willer. Das gelte vor allem auch für Kamelle, damit dabei nicht so viel Umverpackung nötig sei. „Wir sprechen mit den Vereinen darüber, wie sie das für ihre Wagen und Fußgruppen reduzieren können.“
Anregungen könnten sich die Düsseldorfer Jecken dabei ausgerechnet aus einer anderen Karnevalshochburg entlang des Rheins holen. So gibt es in Köln seit vergangenem Jahr einen „Kamellekreisel“, organisiert von der KG „Grüne Rheinfunken“, dem nach eigenen Angaben ersten „ökologischen und sozialen Karnevalsverein Kölns“. Die Idee dahinter: gesammeltes oder übrig gebliebenes Wurfmaterial einzusammeln und bei künftigen Zügen erneut zu werfen. Dazu gibt es in diesem Jahr mehrere Sammelstellen in der Stadt, an denen Besucher und Vereine ihre gesammelte Kamelle im Nachgang der Züge wieder abgeben können. Bedingung ist, dass diese noch verpackt und sauber ist. Denn dass auch noch Monate später Bonbons und Schokolade überbleiben können, die nicht so beliebt sind, kennt jeder Zugbesucher.
Etwas Ähnliches gibt es in Düsseldorf auch mit dem in diesem Jahr allerdings abgesagten Kostümflohmarkt im Henkel-Saal oder dem Akki-Fundus, aus dem Kostüme geliehen werden können. Die Kamelle-Lösung wollen sich die Düsseldorfer Jecken zumindest einmal näher anschauen, so CC-Geschäftsführer Uwe Willer. „Bisher gibt es sowas in Düsseldorf nicht, aber das ist eine gute Idee.“