Der Verkauf von Tabakwaren soll allen Personen verboten werden, die im Jahr 2009 oder später geboren wurden. Dieses sogenannte Gesetz der „rauchfreien Generation“ führt dazu, dass das legale Verkaufsalter jedes Jahr um ein weiteres Jahr ansteigt. Für die Generation ab 2009 soll der Kauf von Zigaretten somit lebenslang illegal bleiben. Forscher der Universität Nottingham haben nun in einer detaillierten Modellierung untersucht, wie sich diese Maßnahme, wenn sie denn wie erwartet beschlossen wird, in den kommenden Jahrzehnten auf die britische Gesellschaft auswirken wird.
Laut den Ergebnissen der Studie, die im Fachjournal Tobacco Control veröffentlicht wurden, könnte die Raucherquote bei den 12- bis 30-Jährigen im Vereinigten Königreich bereits im Jahr 2049 auf unter fünf Prozent fallen. Ohne das neue Gesetz würde sich der Anteil der Raucher in dieser Altersgruppe voraussichtlich bei etwas über elf Prozent einpendeln. Das bedeutet, dass die kritische Marke von fünf Prozent Jahrzehnte früher erreicht wird, als es ohne staatliches Eingreifen der Fall wäre.
Massiver Gewinn für die Volksgesundheit erwartet
Der langfristige Nutzen dieses Gesetzes für die Gesundheit der Bevölkerung soll enorm sein. Die Forscher berechneten den Gewinn in Form von sogenannten qualitätskorrigierten Lebensjahren. Das ist eine Maßeinheit aus der Gesundheitsökonomie, die nicht nur die reine Lebenszeit, sondern auch die Lebensqualität in völliger Gesundheit misst. Das Modell prognostiziert, dass durch das Verkaufsverbot bis zum Jahr 2075 mindestens 88.000 zusätzliche gesunde, beschwerdefreie Lebensjahre in der Bevölkerung gewonnen werden.
Auf den ersten Blick mag diese Zahl bei Millionen Rauchern gering erscheinen. Dieser Wert wurde jedoch in der Studie gesundheitsökonomisch abgewertet. Ein durch ein Gesetz gerettetes Lebensjahr in naher Zukunft (am besten sofort) wird in solchen Rechenmodellen politischer Entscheidungsträger gern mathematisch schwerer gewichtet als ein gerettetes Lebensjahr in ferner Zukunft. Man geht davon aus, dass die Gesellschaft einen sofortigen gesundheitlichen Nutzen höher bewertet als einen zukünftigen.
Um das greifbar zu machen, ziehen die Forscher für jedes Jahr, das in der Zukunft liegt, einen bestimmten Prozentsatz vom eigentlichen Gewinn ab, in dieser Studie sind es 3,5 Prozent pro Jahr. Ein gesundes Lebensjahr, das erst 2075 gewonnen wird, schrumpft durch diesen jährlichen Abzug in der Bilanz der Ökonomen auf einen Bruchteil zusammen. Die tatsächliche, ungewichtete Zahl der gewonnenen gesunden Lebensjahre bis 2075 beläuft sich in der Hauptberechnung der Studie auf rund 376.000.
Stärkster Gesundheitseffekt ist noch gar nicht eingerechnet
Hinzu kommt, dass der eigentliche Haupteffekt erst nach 2075 eintritt: Wer im Jahr 2009 geboren wurde und von dem Verkaufsverbot gesundheitlich profitiert, ist im Jahr 2075 erst 66 Jahre alt. Weil die meisten tabakbedingten Todesfälle und schweren Erkrankungen erst im höheren Alter auftreten, entfaltet die Maßnahme ihre massivsten Effekte durch diese lange Vorlaufzeit erst in den Jahrzehnten danach.
Die erwarteten Zugewinne an gesunden Lebensjahren machen das britische Vorgehen jedenfalls zu einem potenziellen Vorbild für andere Nationen, die nach effektiven Wegen suchen, die Belastung ihrer Gesundheitssysteme durch tabakbedingte Krankheiten zu senken.