Die angekündigten Pläne des Chemiekonzerns BASF, Unternehmensteile nach Indien zu verlagern, stoßen in Berlin und in der Chemiebranche auf Unverständnis und Kritik. Der Konzern prüft, wesentliche Teile seiner Berliner Dienstleistungen künftig in Indien zu bündeln – ein Schritt, der mehrere Tausend Beschäftigte des Service-Hubs am Prenzlauer Berg verunsichert und die Politik alarmiert. Auch weitere Einheiten wie die BASF Digital Solutions an bundesweiten Standorten sollen betroffen sein.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) reagierte am Mittwoch „mit großer Sorge“ auf die absehbaren Einschnitte. Berlin habe sich über Jahrzehnte als „verlässlicher, innovationsfreundlicher und stabiler Wirtschaftsstandort“ für die BASF erwiesen, erklärte Wegner in einer Pressemitteilung.
Von der Unternehmensführung erwarte er eine „transparente und nachvollziehbare Darstellung der weiteren Planungen“ sowie einen sozialverträglichen Umgang mit den Beschäftigten. Tarifbindung und Mitbestimmung müssten auch künftig garantiert bleiben. Wegner kündigte an, zeitnah Gespräche mit Unternehmensleitung, Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) zu führen.
Die IGBCE kündigte Widerstand gegen die Verlagerung an. Der geplante Abbau treffe ein tarifliches „Vorzeigeprojekt“, sagte Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis, der zugleich BASF-Aufsichtsrat ist. Seit 2005 war es der BASF durch einen speziellen Verbandstarifvertrag möglich geworden, interne Dienstleistungen in Berlin zu bündeln – statt sie ins Ausland zu verlagern. Dafür hatten die Beschäftigten längere Arbeitszeiten und niedrigere Einstiegsgehälter akzeptiert. „Jetzt endet dieses Modell, und es endet schlecht“, sagte Vassiliadis.
Betriebsrat nennt die Pläne „verantwortungslos“
Die Betriebsratsvorsitzende Judith Nolten-Bertucco sagte laut IGBCE, die Belegschaft sei „fassungslos“. Das Team am Standort habe wichtige Projekte umgesetzt und maßgeblich zur Kostensenkung im Konzern beigetragen. Die Leiterin des IGBCE-Landesbezirks Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak, kritisierte zusätzlich, dass auch Hunderte Arbeitsplätze der BASF Digital Solutions bundesweit wegfallen könnten. Es sei „verantwortungslos“, dass der Konzern in Europa Stellen abbaut, während er in Asien „Milliarden investiert“.
Der Service-Hub der BASF in Berlin beschäftigt nach Unternehmensangaben mehr als 2700 Menschen. Auch der große Produktionsstandort in Schwarzheide (Kreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg) zählt zu den wichtigsten Standorten des Konzerns in Deutschland.
In Brandenburg beschäftigt BASF 2000 Menschen in Schwarzheide
Dort arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 2000 Menschen. Vom aktuellen Sparkurs sei der Lausitzer Standort bislang nicht unmittelbar betroffen, heißt es aus Gewerkschaftskreisen, doch auch hier sorgt der Konzernumbau für Unruhe.
Wegner betonte, Berlin stehe „für einen starken Industriestandort mit hoher sozialer Verantwortung“. Dies erwarte er auch von BASF. Die Gespräche zwischen Politik, Gewerkschaften und Unternehmensführung sollen kurzfristig beginnen. (Tsp)
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