Wärmepumpen gelten hierzulande als teuer. Ein britisches Unternehmen zeigt nun, dass es deutlich günstiger geht. Wie das Modell funktioniert und was das für Verbraucher in Deutschland bedeuten könnte.

Das Unternehmen Heatgeek hat sich in Großbritannien einen Namen gemacht, indem sie Wärmepumpen zu Preisen anbieten, die weit unter dem europäischen Durchschnitt liegen, berichtet der YouTuber Alex Boerger auf seinem Kanal „schlau energiesparen“. Eine installierte Wärmepumpe kostet dort oft nur 8.000 GBP (ca. 9.000 Euro) – und das vor staatlicher Förderung. Nach Abzug der Förderung zahlen manche Kunden sogar nur symbolische Beträge von einem Pfund. Dabei handelt es sich keineswegs um minderwertige Technik: Häufig kommen deutsche Modelle von Vaillant zum Einsatz, die für ihre Qualität und Langlebigkeit bekannt sind.

ANZEIGEÖffentliche Daten und 3D-Scan: Heizlastberechnung geht viel schneller

Mithilfe von öffentlich zugänglichen Gebäudedaten und digitalem 3D-Scan kann das Unternehmen die Heizlast eines Hauses präzise berechnen. Diese Informationen fließen direkt in eine App, die den gesamten Planungsprozess automatisiert. So entfallen zeitaufwändige manuelle Berechnungen und Abstimmungen, die in Deutschland oft mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Zudem garantiert Heatgeek die Effizienz ihrer Systeme. Dank der zentralen Erfassung aller installierten Anlagen können sie Probleme frühzeitig erkennen und oft sogar per Fernwartung beheben. Das spart nicht nur Kosten, sondern erhöht auch die Kundenzufriedenheit.

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Wärmepumpe: Unterschiede zwischen Deutschland und Großbritannien

Ein Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien zeigt nicht nur deutliche Unterschiede in der Preisgestaltung, sondern vor allem bei den Rahmenbedingungen und der Herangehensweise:

Regulatorische Vorgaben: In Großbritannien gibt es weniger strenge Vorschriften für den Einbau von Wärmepumpen. Der Einsatz eines Heizstabs, der in Deutschland oft vorgeschrieben ist, ist dort beispielsweise nicht notwendig. Auch Pufferspeicher werden häufig weggelassen, wodurch Kosten gespart werden.

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Förderungssystem: Während Kunden in Deutschland zunächst die volle Summe zahlen und dann eine Förderung beantragen müssen, wird in Großbritannien die Förderung direkt vom Installateur abgewickelt. Der Kunde zahlt nur den Differenzbetrag.

Technische Vereinfachungen: Britische Häuser haben oft keinen Keller, was die Installation erleichtert. Zudem werden Wärmepumpen häufig direkt an die Wand montiert, anstatt aufwändige Fundamente zu gießen. Auch die Elektroinstallation ist einfacher: Viele britische Wärmepumpen benötigen nur einen einphasigen Anschluss, während in Deutschland oft umfangreiche Arbeiten am Zählerschrank erforderlich sind.

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Arbeitskosten und Bürokratie: Die Stundenlöhne für Handwerker sind in Großbritannien vergleichbar mit denen in Deutschland, aber durch den geringeren Planungsaufwand und weniger Bürokratie können Projekte schneller abgeschlossen werden. Zudem entfällt der Koordinationsaufwand mit anderen Gewerken wie Elektrikern oder Galabauern.

ANZEIGEGünstige Wärmepumpen in GB: Digitalisierung ist der Schlüssel

Die britische Herangehensweise zeigt, dass Wärmepumpen durch vielfältige Ansätze deutlich günstiger installiert werden können. Ein zentraler Hebel ist die Digitalisierung des Planungsprozesses. In Großbritannien nutzt Heatgeek Gebäudedaten und automatisierte Tools, um den Aufwand für Planung und Angebotserstellung drastisch zu reduzieren. Damit könnten auch in Deutschland Zeit und Kosten gespart werden.

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Ein weiterer Punkt ist die Vereinfachung der Vorschriften. In Großbritannien wird oft auf teure Komponenten wie Heizstäbe oder Pufferspeicher verzichtet, ohne die Effizienz der Wärmepumpe zu beeinträchtigen. Auch der verpflichtende hydraulische Abgleich in Deutschland verursacht hohe Zusatzkosten. Lockerungen in diesen Bereichen könnten Pumpen erschwinglicher machen.

Förderung wird in GB direkt vom Installateur abgewickelt

Das Förderungssystem in Großbritannien ist kundenfreundlicher: Dort zahlen Verbraucher nur den Eigenanteil, während die Förderung direkt vom Installateur abgewickelt wird. Dieses Modell könnte auch in Deutschland die Akzeptanz erhöhen.
Zusätzlich könnten Standardisierung und Modularität den Installationsprozess vereinfachen, während gezielte Schulungen für Installateure die Effizienz steigern würden. Mit diesen Maßnahmen ließen sich die Kosten in Deutschland ohne Qualitätseinbußen erheblich senken.

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Wärmepumpen zu erschwinglichen Preisen sind auch in Deutschland möglich

Es gibt zahlreiche Ansätze, um die Kosten für Wärmepumpen auch in Deutschland zu senken. Von einer stärkeren Digitalisierung über einfachere Vorschriften bis hin zu einem kundenfreundlicheren Fördersystem – viele der britischen Erfolgsfaktoren könnten auch hierzulande umgesetzt werden. Entscheidend ist jedoch, dass alle Beteiligten offen dafür sind: von der Politik über die Hersteller bis hin zu den Handwerksbetrieben. Nur so kann es gelingen, Wärmepumpen für mehr Haushalte erschwinglich zu machen.

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