Anstoß, das Beste zu geben: Musiker und Extremsportler Joey Kelly erzählt an der Uni Stuttgart aus seinem Leben – und motiviert 28 Studenten-Teams, sportliche Challenges zu schaffen.
„Wer hat als erster Mensch acht Ironman-Triathlons innerhalb eines einzigen Jahres absolviert?“ Kaum hat Günther Jauch bei „Wer wird Millionär“ diese Frage gestellt, loggt die Kandidatin schon den Namen des Musikers und Extremsportlers „Joey Kelly“ ein. Geradezu romantisch mutet dieser Ausschnitt aus Zeiten des linear-analogen Fernsehens an, der da über die Leinwand flimmert. Manche in der Sporthalle am Campus Vaihingen der Universität Stuttgart schmunzeln. Damals waren sie nicht einmal geboren.
Gerade deshalb sind sie gekommen, um – wie es zwei Studenten formulieren – „the man himself“ zu erleben, der das 1998 vollbrachte. Und auch einer Sportchallenge wegen: Kelly ist mit „TK-TeamRoXX“ durch baden-württembergische Almae Matres getourt, einem kostenlosen Event der Techniker Krankenkasse in Zusammenarbeit mit dem Hochschulsport. In der Landeshauptstadt findet nun – nach Ulm, Tübingen und Konstanz – das Finale statt.
Diese Herausforderungen stellen sich die Studenten
28 Viererteams haben sich gemeldet: Studierende und Mitarbeitende der Unis Stuttgart und Hohenheim wollen nach Kellys Motivationsrede an fünf Stationen Challenges absolvieren. Weniger wegen des Preisgelds von 200 Euro, als „des Spaß wegen“, so „Lissy“. Die Herausforderungen haben denn auch weniger mit Extremen à la Joey Kelly zu tun, als mit Alltagsfitness, Geschicklichkeit, Konzentration, Teamgeist und Taktik. Balancieren auf der Slackline in „Slack & Steady“, an einem Strang zu ziehen in „Pull Together“, zielgenau Bodenlämpchen ausmachen bei „Blaze the Pods“, Tennisbälle mit Schläger in eine Torwand befördern in „Target Swing“, schließlich bei „Sprint & Switch“ koordiniert rennen samt Stabtausch.
„Es geht nicht um die größten Muskeln“, betont Patrick Letz, als Hochschulberater bei der Techniker Krankenkasse auch für Prävention zuständig. „Wir wollen Studierende in Bewegung und gesunde Ernährung nahebringen. Gemeinsame sportliche Aktivität ist gut für den Körper, hat auch einen positiven Effekt auf die soziale und psychische Gesundheit.“ Gerade bei letzterer sei gemäß Studien Handlungsbedarf, so Letz. „Die Zahl an psychischen Problemen steigt bei jungen Menschen seit Jahren.“ Bewegung, vor allem in Gemeinschaft, helfe, Stress abzubauen, stärke so die Resilienz. Joey Kelly sei so ein gutes Beispiel dafür.
Joey Kelly im Jahr 1998. Foto: IMAGO / Alfred Harder Musik und Sport sind Joey Kellys Leben
Das neunte der zwölf Kinder von Dan Kelly und seinen Ehefrauen Janice Marie und Barbara-Ann, die als straßenmusizierende Kelly Family durch die USA und Europa im Bus reisten, 1994 ihren Durchbruch hatten, war keinesfalls ein geborener Extremsportler. Der 53-Jährige, der in Spanien als José Maria Kelly das Licht der Welt erblickte, berichtete humorvoll von seinem ersten „Volks-Triathlon“. Zu dem hatte ihn seine Schwester animiert, die dann gar nicht erschien. Schon bei der ersten Disziplin Schwimmen habe es gehapert. „Ich musste mich einer Boje festhalten, sonst wäre ich abgesoffen und zurück an Land.“ Was als Fiasko endete, stachelte seinen Ehrgeiz für Ausdauersport an. Diese Misserfolge seien es, die einen stärker machten. „Mein Extremsport ist nicht gesund, hier macht ihr gesunden Sport. Aber die eigene Einstellung zählt, man schafft viel mehr, als man denkt.“
Sein Motto: „Never give up!“ Gleich, was man mache, nie den einfachen Weg wählen, konsequent sein, Widerstände annehmen und dranbleiben, wenn es unbequem werde. „Ganz einfach: Weitermachen“. Und so ziehen sich durch sein Leben sportliche und mentale Extremleistungen, von Benefiz-Challenges wie 24 Stunden unter Wasser und 24 Stunden gegen die Rolltreppe über 240 Kilometer-Lauf durch die Sahara, zu Fuß von der Nordsee bis zur Zugspitze und Ultramarathons im Death Valley bis zu 400 Kilometer „Wettlauf zum Südpol“ und dem Race across America – 3.000 Meilen auf dem Fahrrad von der West- zur Ostküste.
Kelly erzählt von Reise mit Sohn nach Asien
Bewegendes schilderte er auch von der Reise mit Sohn „ohne Geld von Berlin nach Peking“ im alten VW T1-Bully bis zur mammonlosen Panamericana-Tour samt Frau und vier Kindern – Geschichten voll von Mut, Ideenreichtum, Mitmenschlichkeit, Gastfreundschaft, Offenheit, Zusammenhalt.
„Glück ist kein Zufall“, es brauche ein Ziel, Disziplin und entschlossenen Willen. All das habe er von seiner großen Familie, mit der er lange auf engstem Raum „meist pleite“ gelebt habe, so Kelly. Um dann lachend hinzuzufügen, dass er ohne den Ausgleich des Ausdauersports die Kelly Family nicht überlebt“ hätte.