„Sag mal, Vincent, warum hast Du Dich umgebracht?“ Diese Frage stellte ich am Wochenende Vincent van Gogh. Und ich bekam tatsächlich eine Antwort, obwohl der große niederländische Maler bereits 1890 gestorben ist. Möglich macht es die Künstliche Intelligenz.

Besucher haben die Möglichkeit, Vincent van Gogh Fragen zu stellen.Bild vergrößern

Besucher haben die Möglichkeit, Vincent van Gogh Fragen zu stellen. (Foto: Wilhelmine Markgraf)

Show begeistert auch Kunstbanausen

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Das sprechende Porträt des Künstlers ergänzt eine Show, die eindrucksvoll demonstriert, was moderne Technik heutzutage ermöglicht. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, wie Menschen für die alten Meister begeistert werden können – selbst jene, die wahrscheinlich niemals ein Kunstmuseum besuchen würden.

Ähnliche Veranstaltungen haben in der Vergangenheit bereits Künstler wie Gustav Klimt und Frida Kahlo ins Rampenlicht gerückt. Jetzt konzentriert sich die Show auf Vincent van Gogh, dessen farbenprächtige Werke bei Auktionen Millionen Dollar erzielen. Seit September 2025 lädt das New Media Art Center in der Revaler Straße 99 in Berlin-Friedrichshain Besucher dazu ein, diese außergewöhnliche Ausstellung zu erleben.

Der erste Ausstellungsraum befasst sich mit der Familie von Vincent van Gogh.Bild vergrößern

Der erste Ausstellungsraum befasst sich mit der Familie von Vincent van Gogh. (Foto: Ines Markgraf)

Im Hinterhof versteckt

Wer eine klassische Museumsfassade erwartet, wird überrascht: Die Halle liegt in einem Hinterhof auf einem ehemaligen Industriegelände, nur wenige Meter von der Warschauer Straße entfernt. Direkt vor der Eingangstür müssen die Besucher aber erst einmal die große Pfütze überspringen. Nach dem Vorzeigen des Tickets überreicht das Personal jedem einen Audioguide. Anschließend beginnt sofort die Reise in die Welt des niederländischen Malers, der fast 900 Gemälde und 1000 Zeichnungen geschaffen hat.

Die Autorin des Berichts zeigt auf eines der berühmten Bilder des Malers: Sonnenblumen.Bild vergrößern

Die Autorin des Berichts zeigt auf eines der berühmten Bilder des Malers: Sonnenblumen. (Foto: Ines Markgraf)

Von Krankheit gezeichnet

Van Gogh ist vielen sicher durch seine berühmten Bilder wie „Die Sternennacht“ und „Sonnenblumen“ bekannt. Andere denken vielleicht eher an den Maler, weil er sich selbst einen Teil seines Ohres abschnitt. Die Vorstellung seines Elternhauses und seine innige Beziehung zu seinem Bruder Theo eröffnen gleich zu Beginn der Ausstellung einen Einblick in van Goghs Gefühlswelt.

Über den Audioguide führt Theos Frau Johanna van Gogh die Besucher durch sein Leben und Werk. Dabei gibt sie sehr emotionale Einblicke in seine Gedankenwelt und zitiert aus über 100 Briefen, die ihr Schwager an ihren Mann schrieb. Ein kleiner, separater Abschnitt beleuchtet außerdem seine schwere Krankheit, die sich durch Halluzinationen, Verwirrung, Bewusstlosigkeit und Depressionen äußerte.

Auf Hockern und Sitzkissen verfolgen die Besucher die Multimedia-Show.Bild vergrößern

Auf Hockern und Sitzkissen verfolgen die Besucher die Multimedia-Show. (Foto: Wilhelmine Markgraf)

Gemütliche Sitzkissen für 30-minütige Show

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Die Besucher schlendern an den Werken des Künstlers vorbei und erreichen schließlich das Herzstück der Ausstellung: den Showroom. Dort tauchen sie in eine lichtdurchflutete Waldszenerie ein, die von großflächigen Projektionen geschaffen wird. Vogelgezwitscher erfüllt die Luft, während Hocker und große, gemütliche Sitzkästen sie dazu einladen, innezuhalten. Die Atmosphäre verbreitet eine fast heitere Stimmung, besonders wenn sich die Gäste ausgestreckt hinlegen und die Augen schließen, als befänden sie sich in einem Entspannungsraum eines Wellnesstempels.

Die 30-minütige Show beginnt mit Szenen, die dokumentieren, wie eines seiner Bilder für 2.250.000 Euro versteigert wird. Danach tauchen die intensiven Farben und die kraftvollen Emotionen seiner Werke die Besucher in eine sinnliche Welt, begleitet von einem speziell komponierten Soundtrack. Die Inszenierung verwandelt die Bilder auf spektakuläre Weise in lebendige Kunstwerke. Seine eigene Stimme trägt Zitate aus seinen Originalbriefen vor und verleiht der Show damit eine persönliche Note.

Leuchtende Farben und Animationen lassen die Bilder von Vincent van Gogh lebendig werden.Bild vergrößern

Leuchtende Farben und Animationen lassen die Bilder von Vincent van Gogh lebendig werden. (Foto: Ines Markgraf)

Der Tod kam plötzlich und unerwartet

Am Ende fiebern die Besucher mit, während der Künstler in Frankreich viele großformatige Bilder erschafft. Sie verdrängen das nahende Ende und freuen sich über die kreative Schaffensphase. Doch plötzlich zerreißt ein lauter Knall die Fantasie der Zuschauer. Rotes Licht erfüllt den gesamten Ausstellungsraum, und ein Schriftzug informiert das Publikum darüber, dass Vincent sich mit einer Pistole das Leben genommen hat.

In Vincents Antworten stecken Fehler

Und damit kehren wir zur Eingangsfrage zurück, die ich Vincent gestellt hatte. Seine Antwort überraschte mich, weil sie deutlich machte, dass KI noch nicht ausgereift ist. Er erklärte, er habe sich nicht selbst getötet, sondern sei gestorben, weil er die Pistole auf sich gerichtet hatte. Aha, na gut. Als ich ihn nach seinem Lieblingsbild fragte, sagte er: „Ein Bild, das mir immer wieder Freude gemacht hat, war Delacroix, die Schlacht von Sidi Bou Saïd. Es zeigt einen Moment der Kämpfe in Maghreb, voller Farbe und Bewegung. Ich sehe darin eine Kraft, die den Alltag übersteigt.“ Leider gibt es nach meinen Recherchen ein solches Bild gar nicht. Und auf die Frage, ob er gern in der heutigen Zeit leben würde, antwortete er prompt, dass er es sich vorstellen könne, aber er sich „verändern müsse“. Selbst auf die Frage, ob er wirklich sein ganzes Ohr oder nur das Ohrläppchen abschnitt, zeigte er sich unsicher: „Die einen sagen so, die anderen so“.

„Wir kennen das Problem. Da die Antwort KI generiert ist, sind die Antworten nicht immer historisch belegt oder vollständig korrekt“, erklärt Birgit Hohl von der MEDIENAGENTUR HAMBURG auf Nachfrage.

Von der Socke bis zum Kühlschrankmagnet

Kurz vor dem Ausgang, nach gut anderthalb Stunden, können die Besucher noch einmal ihre Geldbörse zücken. Im Souvenirshop verkaufen die Betreiber eine Vielzahl von Produkten mit Motiven von Vincent van Gogh: Strümpfe, Tassen, Flaschen, Puzzle, Postkarten, Magneten, Kugelschreiber, Taschen und vieles mehr. Die Kunden können ausschließlich bargeldlos bezahlen.

In der Ausstellung fehlte mir ein kreativer Bereich, in dem ich selbst hätte malen können. Die Vincent-Ausstellung in Hannover, die seit November 2025 läuft, bietet genau diese Möglichkeit. Dort präsentieren die Organisatoren die von den Besuchern selbst geschaffenen Kunstwerke an der Wand. Der Eintritt kostet dort 30 Euro, und zusätzlich berechnen die Veranstalter 3 Euro für die VR-Brille.

Show bis 12. April in Berlin verlängertAusstellungsinformationenShow bis 12. April in Berlin verlängert

Ausstellung: VINCENT: ZWISCHEN WAHN UND WUNDER

Dauer: September 2025 bis 12. April 2026

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr

Eintritt: 20 bis 24 Euro (am preiswertesten montags), Studenten/Senioren: 18 bis 21 Euro, Jugendliche (6 bis 15): 15 bis 17 Euro, Kinder unter 6: frei, es gibt  Familien- und Gruppentickets.

Ort: Revaler Straße 99 in Berlin-Friedrichshain

Informationen: www.vangoghimmersiv.de