An diesem Wochenende ist das Hotel Bayerischer Hof in München weniger Promi-Treffpunkt als internationale geopolitische Schaltzentrale. Limousinen rollen vor, Sicherheitsschleusen werden aufgebaut, Minister, Generäle und Diplomaten verschwinden hinter schweren Türen. Wenn die Münchner Sicherheitskonferenz tagt, richtet sich der Blick der Weltöffentlichkeit auf ein Haus am Promenadeplatz – und damit auf Innegrit Volkhardt. Sie leitet den Bayerischen Hof seit 1992.

Innegrit Volkhardt führt als erste Frau das Hotel Bayerischer Hof

27 Jahre alt war Volkhardt zu dem Zeitpunkt. Erst drei Jahre zuvor hatte sie den Abschluss als Hotelbetriebswirtin erworben. Eigentlich hatte der Vater ihre Schwester als Nachfolgerin vorgesehen. Doch als er schwer erkrankte, hatte diese gerade ihr zweites Kind bekommen. Innegrit Volkhardt, die als die introvertiertere der beiden galt, sprang ein – und blieb. Bereits 1897 hatte ihr Urgroßvater das Hotel erworben, dessen Bau 1839 von König Ludwig I. angeregt worden war. Heute führt sie den Bayerischen Hof als vierte Generation ihrer Familie und als erste Frau an der Spitze. Generation fünf stehe auch schon in den Startlöchern: Die Tochter iher Schwester habe bereits im Hotel gearbeitet und wolle ins Geschäft einsteigen.

Die Dimensionen des Hauses sind eindrücklich: 337 Zimmer, darunter 74 Suiten, sechs Restaurants, ein eigenes Theater, ein Jazzclub und ein Spa gehören zum Hotel. Rund 700 Mitarbeitende sorgen dafür, dass die oft prominenten Gäste ihre Wünsche erfüllt bekommen. Volkhardt ist es gelungen, das Haus als erste Adresse für Münchens Besucher zu behaupten: 2024 lag das Hotel mit einem Umsatz von 60,2 Millionen Euro auf Platz drei der umsatzstärksten Hotels Deutschlands, wie das Branchenportal Hotel Inside berichtete.

Die Hotelchefin hält vier Esel am Starnberger See

Dabei sucht Innegrit Volkhardt selbst nicht das Rampenlicht. Gegenüber dem Deutschlandfunk sprach die heute 61-Jährige von einer „innerlichen Verpflichtung“, den Familienbetrieb weiterzuführen, auch wenn es heute ihr „Traumjob“ sei. Als Kind interessierte sie sich mehr für Pferde und erschien auch bei offiziellen Anlässen im Reitoutfit. Heute findet sie ihren Ausgleich bei vier Eseln, die sie am Starnberger See hält. „Die Esel erfreuen mich jeden Morgen – auch wenn ich spät in der Nacht nach Hause komme, schaue ich immer, ob sie schon schlafen“, sagte sie Hotel Inside. Deren stoische Ruhe ist sicher auch ein gutes Kontrastprogramm zum Trubel der Sicherheitskonferenz.

  • Sina-Lara Nachtrub

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