Auf den ersten Blick mutet Russlands neuer Bodenroboter „Depesha“ eher wie eine rollende Gartenlaube aus Metall an. Erst auf den zweiten Blick fallen die seitlichen Schleudervorrichtungen ins Auge, die unweigerlich an die eigentümlichen Fahrzeugmodifikationen aus der Actionfilm-Dystopie „Mad Max“ erinnern.

Was da in einem Videobeitrag des russischen Fernsehsenders „Rossija-1“ über den gefrorenen Frontboden des Ukrainekriegs schlingert, soll dem Bericht zufolge die neueste Entwicklung des russischen Militärs sein: ein neuer unbemannter Bodenroboterkomplex (auch: NRTK) mit ungewöhnlicher Drohnenabwehr.

Russland testet „Roboter mit Anti-Drohnen-Ventilator“

Der „Depesha“-Bodenroboter verfügt über einen Rundum-Stahlschutz. An jeder der vier Seiten ist jeweils eine Drehachse angebracht, an der wiederum lange, dünne Stahlseile befestigt werden.

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Dank schneller Rotation können diese Stahlseile auch ukrainische FPV-Drohnen (First Person View) abwehren, wie der russische Kommandant der Instandsetzungsabteilung des 70. Garde-Motorschützenregiments in dem Beitrag erklärt. „Wenn die FPV versuchen zuzuschlagen, werden sie entweder von diesen Drahtseilen heruntergerissen oder zur Seite geschleudert“, berichtet der Befehlshaber mit dem Rufnamen „Struk“.

Die Russen haben etwa zwei Jahre dafür gebraucht, die Idee mit den Seilen zur Drohnenabwehr umzusetzen.

Ukrainische Militäranalysten (via „BTVT.info“ und „Focus“)

Militäranalysten sprechen in den sozialen Medien von einem „Roboter mit Anti-Drohnen-Ventilator“. Der prorussische Militärblog „Warhronika“ urteilt etwa via Telegram: „Warum nicht? Physischer Schutz umfasst nicht nur Schirme und Schutzgrills, sondern manchmal auch etwas im Stil von Roboterkämpfen.“ Natürlich könne die Effektivität eines solchen Ansatzes zunächst umstritten sein. „Aber wenn es unkonventionell ist und funktioniert, dann ist es nicht mehr unkonventionell“, schreibt der russischsprachige Kanal.

Vor- und Nachteile von Russlands neuem Bodenroboter

Auch dem ukrainischen Nachrichtenportal „Focus“ ist nicht entgangen, dass Russland in den kontrollierten Gebieten der Region Saporischschja aktuell offenbar ein „experimentelles System“ testet, das „anstelle herkömmlicher Flügel rotierende Seile verwendet“.

Am Sonntag berichtete das Medium unter Berufung auf Einschätzungen von Kriegsanalysten, dass die Verwendung der ungewöhnlichen Seilvorrichtung den russischen Truppen bei der Drohnenabwehr zwar durchaus einige Vorteile, aber gleichermaßen auch Nachteile verschaffen könnten:

Vorteile

  • Die Drahtseile sind leichter als Propellerblätter oder Flügelkonstruktionen.
  • Bei Kontakt mit dem Boden bleiben sie intakt.
  • Dadurch ermöglichen sie einen mechanischen Schutz vor Drohnen, ohne dass die Konstruktionselemente beschädigt werden.

Nachteile

  • Unebenes Gelände, Äste, Büsche oder hohes Gras könnten die Rotationsfunktion beeinträchtigen, weil sich die dünnen Drahtseile verknoten oder in etwas verfangen könnten.
  • Der Drehmechanismus selbst nimmt fast den gesamten Innenraum des Fahrzeugs ein. Dadurch bleibt weniger Platz für Bewaffnungselemente.

„Die Seile sind leichter als Flügel“, berichten Analysten dem „Focus“-Portal. „Und wenn sie den Boden berühren, führt dies nicht zur Zerstörung der Flügelkonstruktion“, heißt es weiter. Gleichzeitig soll der Mechanismus zum Drehen der Seile „ziemlich viel Platz einnehmen“, bemerken die Analysten – genau genommen „fast den gesamten nutzbaren Innenraum der NRK-Schutzkonstruktion“.

RUSSIA, LUGANSK PEOPLE S REPUBLIC - JANUARY 15, 2026: A serviceman with the 92nd engineering regiment of the Zapad West Group of the Russian Armed Forces is engaged in setting up and equipping robotic complexes. Alexander Reka/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY 87431344 Ein russischer Soldat des 92. Pionierregiments beim Aufbau von Roboteranlagen.

© IMAGO/Alexander Reka

Zwei Jahre vom Patent bis zur Testfahrt?

Die Idee, ukrainische Drohnen mithilfe des Ventilator-Prinzips abzuwehren, sei nicht neu, berichtet „Focus“ unter Berufung auf Informationen des ukrainischen Militäranalysekanals „BTVT.info“. Bereits im Dezember 2023 seien in Russland „die ersten Ideen zur Verwendung von Stahldrähten“ patentiert worden. Ferner habe es schon zuvor patentierte Konstruktionszeichnungen von rotierenden Drohnenabwehrmöglichkeiten gegeben – allerdings seien in früheren Versionen Flügel zum Einsatz gekommen.

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Die Analysten von „BTVT.info“ und „Focus“ folgern daraus, dass „die Russen etwa zwei Jahre dafür gebraucht haben, die Idee mit den Seilen zur Drohnenabwehr umzusetzen“.

Russland wird bei Drohnenabwehr erfinderisch

Die ukrainischen Militäranalysten räumen indes ein, dass Russlands neuester Bodenroboter von einer „ständigen Suche der Besatzer nach neuen technologischen Lösungen zur Bekämpfung unbemannter Fluggeräte“ zeugt.

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Obwohl die Konstruktion aktuell noch ziemlich fehleranfällig sei, könne man im Ukrainekrieg wohl „in naher Zukunft mit der Einführung ähnlicher experimenteller Systeme rechnen“, schreibt „Focus“. „Die russische Föderation sucht stetig nach Möglichkeiten, um die Effizienz ihrer Verteidigungsmittel auf dem Schlachtfeld zu verbessern.“