Bielefeld. Der Raum ist voll: Kurz nach 12 Uhr und jeder Tisch ist besetzt. Die Menschen unterhalten sich und essen dabei Suppe. An diesem Freitag gibt es Chili sin Carne. „Gutes Essen für wenig Geld“ – das ist das Motto des Suppentopfes im Begegnungszentrum an der Prießallee 34, das zu Bethel gehört. „Es wird gut angenommen“, sagt Leiterin Heidje Rabente. Ehrenamtlerin Evelyn Tollert ergänzt: „Deswegen stehen die Ersten auch schon um Viertel vor 12 vor der Tür.“
Die ursprüngliche Idee des Begegnungszentrums sowie des Suppentopfes bestand laut Rabente darin, „einen Ort für psychisch erkrankte und intelligenzgeminderte Menschen“ zu schaffen. Früher seien diese Personen oftmals stationär betreut worden. Mittlerweile sei es stets Ziel, dass sie in eigenen Wohnungen leben können. Damit sie dennoch einen Ort haben, an dem sie sich regelmäßig treffen können, wurde das Begegnungszentrum 2012 eröffnet.
Jeder ist beim Suppentopf willkommen: Leiterin des Begegnungszentrums Heidje Rabente ermutigt alle Interessierten vorbeizuschauen.
| © Barbara Franke
Heute soll der Suppentopf ein möglichst inklusiver Ort sein – unabhängig von dem Geldbeutel oder Beeinträchtigungen. „Jeder kann kommen“, sagt Rabente. Oft beobachte sie, wie Menschen draußen vor der Tür stehen und die Plakate in den Fenstern lesen. „Sie haben Hemmungen hereinzukommen.“ Vielleicht, weil sie nicht genau wissen, was das Begegnungszentrum genau ist und an wen sich das Angebot wendet, vermutet Rabente. Sie selbst habe früher auch vor dem Fenster gestanden und sich das gefragt. Heute gehe sie als Leiterin des Angebots auf die Passanten zu und ermutige sie hereinzukommen.
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Frisches und saisonales Gemüse im Bielefelder Suppentopf
Geliefert werden die Suppen vom Catering-Service des Otto-Riethmüller-Hauses Bethel, einer sozialpädagogischen Einrichtung für junge Menschen. Suppen seien das, was am besten laufe – sogar im Sommer. „Das hat sich bewährt“, berichtet Rabente. Suppen seien unkompliziert: ein Gericht, keine verschiedenen Töpfe. Gleichzeitig bemühe sich der Catering-Service, für Abwechslung zu sorgen und frisches sowie saisonales Gemüse zu verwenden.
Das Chili sin Carne kommt bei den Gästen gut an. Das Suppenangebot im Begegnungszentrum Prießallee wechselt wöchentlich zwischen einer vegetarischen Variante und einer mit Fleisch.
| © Barbara Franke
Das Suppenangebot wechselt wöchentlich zwischen einer vegetarischen Variante und einer mit Fleisch. Die Renner unter den Suppen: die Käse-Lauch-Suppe und die indische Linsensuppe. „Ab heute auch Chili sin Carne“, sagt ehrenamtlicher Helfer Rolf Marten und lacht. Denn: An diesem Freitag ist besonders viel los.
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Der Suppentopf „spricht sich rum“, wie Heidje Rabente es formuliert. Einige Gäste würden stets neue Leute mitbringen. „Es ist wirklich so ein Miteinander entstanden.“ Die Gäste – viele von ihnen Stammkunden – würden sich immer mal wieder untereinander helfen, es seien auch Freundschaften entstanden. Auch für Helferin Evelyn Tollert ist der Suppentopf vor allem ein Ort der Begegnung. „Ich treffe hier Menschen, denen ich sonst nicht begegnet wäre.“
Treffpunkt für Bielefelder Stadtteil
Einsamkeit sei derweil ein großes Thema, räumt Rabente ein. Nach Corona habe es einen Zulauf von älteren Personen gegeben. Viele hätten einen „Nachholbedarf“ an sozialem Austausch. „Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist groß.“ Der feste Termin am Freitag könne laut Rabente einigen auch eine Tagesstruktur geben, die für viele wichtig sei.
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Stefan Zisch ist „dauerhaft hier“, wie er sagt – egal welche Suppe es gibt. „Die Atmosphäre ist schön, die Leute sind nett.“ Das sei schließlich die Hauptsache. Auch Hans Martin Arnold zählt zur Stammkundschaft: Der 68-Jährige hat das Angebot vor zwei Jahren in der Zeitung gelesen und seitdem komme er regelmäßig vorbei. „Ich lebe allein und so komme ich einmal am Tag raus.“
„Es ist einfach schön“, findet die Leiterin. Wesentlich dazu beitragen würden auch die Ehrenamtlichen, die beim Suppentopf mithelfen. Sie seien ein eingespieltes Team, decken die Tische, verteilen die Suppen – „wie im Restaurant“. Und am Ende gingen „alle gut gelaunt nach Hause“.
Jeden Freitag geöffnet
Der Suppentopf hat jeden Freitag von 12 bis 13.30 Uhr geöffnet und das Angebot kostet 5,50 Euro pro Person. Neben der Suppe gibt es auch Brot, ein Getränk und einen Nachtisch. Ein Nachschlag ist ebenfalls im Preis mit inbegriffen. Für einen reduzierten Preis können Gäste auch nur Suppe bekommen.
INFORMATION
Information
📍Adresse: Prießallee 34, 33604 Bielefeld
🥐Öffnungszeiten: freitags 12 bis 13.30 Uhr
📞Kontakt: Tel.: (0521) 23 99 90 2 oder E-Mail: begegnung.mitte-ost@bethel.de

