Stand: 12.02.2026 16:56 Uhr
Viele Betriebe in Niedersachsen sind unzufrieden mit der Qualität von Bewerbungen für Ausbildungsplätze. Eine aktuelle Umfrage zeigt, knapp die Hälfte der Stellen nicht besetzt werden konnte.
An der Umfrage von Niedersachsenmetall beteiligten sich den Angaben zufolge 320 Mitgliedsunternehmen aus 15 Arbeitgeberverbänden – darunter die Metall-, Kunststoff- und Verpackungsindustrie. Mehr als 80 Prozent der teilnehmenden Firmen gaben an, dass es keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber gegeben habe. Mehr als jeder vierte Betrieb habe überhaupt keine Bewerbungen erhalten, so Niedersachsenmetall. Die Betriebe konnten nach eigenen Angaben knapp 50 Prozent ihrer Ausbildungsplätze nicht besetzen, obwohl sie aktiv gesucht hatten.
Umfrage: Auch Bewerber ohne Schulabschluss werden genommen
Vier von fünf Unternehmen gaben in der Umfrage an, betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten – jedes fünfte sogar mehr als im Vorjahr. „Dass in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage tatsächlich über 80 Prozent sagen, wir bilden aus, ist eine hohe Anzahl“, sagte Geschäftsführer der Stiftung Niedersachsenmetall, Olaf Brandes. Das zeige, dass nicht die Zahl der freien Plätze das Problem sei, „sondern eher die Qualität der Bewerbung und vielleicht auch die Zahl der Bewerber“. Jedes fünfte Unternehmen sei mittlerweile bereit, auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Schulabschluss einzustellen, so Brandes.

Schüler sollen ab der 7. Klasse Berufsorientierung als Fach bekommen. Für Azubis soll es Wohnheime und mehr Geld geben.
Defizite bei sozialen Kompetenzen, Sprache und Mathematik
Laut Umfrage beklagen fast zwei Drittel der befragten Unternehmen, dass die Qualität der Bewerbungen abnimmt. Den Bewerberinnen und Bewerben mangele es an sozialen Kompetenzen, naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnissen, zudem hätten sie Schwächen bei Sprache, Lesen und Schreiben, heißt es von Niedersachsenmetall. Zudem beklagen die Betriebe Defizite bei Motivation, Disziplin, Belastbarkeit sowie bei Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit. Zudem springen demnach knapp 30 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber noch vor Beginn der Ausbildung wieder ab, rund 15 Prozent lösen den Ausbildungsvertrag während der Laufzeit auf.
Betriebe starten eigene Nachschulungen
Um Ausbildungsplätze dennoch besetzen zu können, müssen immer mehr Unternehmen eigene Nachschulungsprogramme auflegen. Der Umfrage zufolge hgaben mehr als drei Viertel der Betriebe an, Azubis gezielt nachschulen zu müssen. Vor allem Sprache sei eine „wirtschaftliche Schlüsselkompetenz“, sagte Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. „Wer Arbeitsanweisungen nicht sicher versteht oder sich nicht klar ausdrücken kann, stößt auch in technischen Berufen schnell an Grenzen.“
Berufsorientierung als eigenes Schulfach einführen?
Nach Ansicht der Gewerkschaft IG Metall ist die Klage, junge Menschen seien schlechter vorbereitet oder weniger leistungsfähig als frühere Generationen, seit Jahrzehnten Teil der Bildungsdebatte. Eine solche Pauschalkritik greife zu kurz. Unstrittig sei jedoch, dass Deutschland deutlich mehr in Bildung investieren müsse, so die Gewerkschaft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert deshalb, Berufsorientierung als eigenes Schulfach ab Klasse 7 einzuführen.

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