Schüler sitzen um einen Tisch, auf dem Werkzeuge und Handys liegen.

Stand: 12.02.2026 16:54 Uhr

Bei der „HeldInnenschmiede“ leiten ehrenamtliche Paten in Hauptschulen in Braunschweig technische oder handwerkliche Projekte. So können Schülerinnen und Schüler neue Interessen und ihre Stärken entdecken.

von Sabine Hausherr

Vorsichtig richtet der 15-jährige Thien Nguyen die große Heißluftpistole auf die Rückseite des Handys. „Nur am Rand entlang und schön langsam“, sagt Rainer Deitmar. Der 62-Jährige arbeitet seit 38 Jahren bei Siemens Mobility als Elektronikingenieur und will den Jugendlichen heute zeigen, wie man ein Handy öffnet. „Der Kleber ist nur am Rand und muss auf etwa 60 Grad erwärmt werden“, sagt er so, dass es alle 16 Schüler im Raum hören können. „Dann lässt sich das Handy ganz leicht öffnen.“

Geübt wird an ausrangierten Smartphones

Ein Lehrer erklärt einer Schülerin die Technik im Handy.

Lehrer Gunnar Müller hilft Schülerin Sarah Luderer beim Auseinanderbauen eines Handys.

Es ist ein besonderer Schultag für die Achtklässler der Hauptschule Pestalozzistraße. Denn es steht kein normaler Unterricht auf dem Plan. Stattdessen zerlegen die Schülerinnen und Schüler alte, ausrangierte Smartphones, die Rainer Deitmar zuvor bei seinen Arbeitskollegen eingesammelt hat. Auf den Tischen liegen Schraubenzieher, Platinen und Kabel. „Ich bin früher selbst so zur Technik gekommen“, sagt Deitmar. „Ich würde mich freuen, wenn ich so den ein oder anderen für technische Dinge begeistern kann.“

Ein Projekt der Bürgerstiftung Braunschweig

Das Handyprojekt ist Teil der sogenannten „HeldInnenschmiede“, einem Projekt der Bürgerstiftung Braunschweig, das seit zehn Jahren an Hauptschulen umgesetzt wird. Finanziert wird es von der VW-Belegschaftsstiftung. Dabei begleiten ehrenamtliche Patinnen und Paten die Klassen von der 5. bis zur 8. Jahrgangsstufe. Jedes Jahr gibt es andere technische oder handwerkliche Projekte. „Mal bauen wir Longboards, mal programmieren wir Roboter oder wir beschäftigen uns mit Veranstaltungstechnik“, sagt Lehrer Gunnar Müller. „Viele Jugendliche erleben hier Dinge, die sie sonst nie kennengelernt hätten.“

Schüler motivierter als im Unterricht

Hauptschullehrer Müller setzt sich sehr dafür ein, dass die Schüler auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Gerade für Jugendliche, die im Elternhaus wenig Unterstützung erfahren, seien solche Angebote wichtig, um neue Interessen zu entdecken und eigene Stärken zu erkennen. „Das ist wie bei einer Klassenfahrt – die Schülerinnen und Schüler sind viel motivierter als im normalen Unterricht“, hat er festgestellt. Und das sieht man auch an diesem Tag: Einige Schüler schrauben selbst in der Pause einfach an den Handys weiter.

Technik heute viel komplexer als früher

Thien Nguyen hat unterdessen vorsichtig das Handy geöffnet. Für ihn und seine Mitschüler ist es ein ungewohnter Blick ins Innere eines Alltagsgegenstands, den sie sonst ganz selbstverständlich nutzen. „Da sind aber viele Module drin“, sagt der 15-Jährige überrascht. „Das sieht alles sehr zerbrechlich aus.“ Rainer Deitmar stimmt ihm zu: „Die Technik ist heute deutlich komplexer als früher“, sagt er. Gleichzeitig gebe es heutzutage aber viel mehr Möglichkeiten, sich im Internet Wissen darüber anzueignen.

Technische Berufe als Perspektive

Ein Mann erklärt einem Schüler die Technik im Handy.

Rainer Deitmar (r.) erklärt Schüler Thien Nguyen, wie man ein Handy öffnet.

Rainer Deitmar will an diesem Tag vor allem das Interesse für Technik bei den Schülern wecken. Und das ist durchaus da, wenn auch vor allem in anderen Bereichen, wie eine kleine Umfrage ergibt. „Ich würde lieber PCs programmieren“, sagt etwa der 15-jährige Julian Hartung. Und Arda Hiz wiederum kann sich eher „etwas mit Autos“ vorstellen. „KFZ-Mechatroniker oder so“, sagt er. „Die Technik im Handy ist mir zu zerbrechlich“, sagt er lachend. Da habe er Angst, etwas kaputt zu machen.

Wissen fürs Leben

„Vielleicht entscheidet sich ja der eine oder andere später für eine Ausbildung im technischen Bereich“, hofft Deitmar. „Ich fände es klasse, wenn wir dazu einen Teil beitragen könnten.“ Thien Nguyen jedenfalls ist sehr begeistert nach diesem Tag. „Dass ich mein Handy jetzt vielleicht selbst reparieren kann, wenn es kaputt ist, das finde ich schon interessant“, sagt der 16-Jährige. Vor allem habe er gelernt, dass man das Handy erst erwärmen muss, bevor man es öffnet. Sonst könne es schnell zerbrechen. Das werde er auf jeden Fall immer beherzigen.

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