Der Leipziger Hotelmitarbeiter, dem Gil Ofarim fälschlich antisemitische Äußerungen vorgeworfen hatte, hat sich erstmals öffentlich geäußert. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ kritisiert der Mann Ofarims Auftritt im RTL‑Dschungelcamp und sagt, der Musiker stelle sich als Opfer dar. Dabei sei der Hotelmitarbeiter nach den Antisemitismus-Vorwürfen damals massiv bedroht worden. Er habe sogar Morddrohungen erhalten und sei zeitweise mit Hilfe seines damaligen Arbeitgebers an einen sicheren Ort gebracht worden. Er habe danach selbst Privatfeiern gemieden.

Hotelmitarbeiter: Ofarim hat am Check-In gepöbelt

Ofarim hatte seine falschen Vorwürfe später im Verleumdungsprozess zurückgenommen – das Verfahren wurde eingestellt. Laut Hotelmitarbeiter hatte an jenem Abend im Oktober 2021 Ofarim wegen eines technischen Problems etwa 20 Minuten mit anderen Gästen am Check-In des Hotels warten müssen.

Der Künstler sei aufgebracht gewesen, habe gepöbelt und gedroht, er werde die Zustände in dem Hotel öffentlich machen und das werde viral gehen. Daraufhin habe der Hotelangestellte Ofarim den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, unter diesen Umständen könne er nicht Gast des Hotels sein.

Sänger zweifelt erneut an Videoaufnahmen

Ofarim hatte in einem Video behauptet, er habe wegen Tragens einer Davidstern-Kette als Zeichen seines jüdischen Glaubens nicht im Hotel einchecken dürfen. Den Hotelangestellten, der inzwischen in einem anderen Haus arbeitet, mache es fassungslos, dass Ofarim im Dschungelcamp erneut die Aufnahmen der Überwachungskamera in Zweifel stellte. „Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte“, sagt der Mann. Er habe den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung des Falls wieder kippen könnte.

Zu neuen Ermittlungen führen Ofarims Mutmaßungen aber nicht. Es bestehe „keine Veranlassung, bloßen Wiederholungen von Vermutungen und Andeutungen angeblicher Manipulationen an letztlich nicht verfahrensrelevanten Aufnahmen nachzugehen“, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Ricardo Schulz, auf Anfrage mit.

Ofarim sagte am Donnerstag: Er ärgere sich rückblickend, dass er sich im „Dschungelcamp“ zu Inhalten des Prozesses geäußert habe. Es habe sich dabei allerdings auch nicht um „Interna“ gehandelt – das sei alles schon einmal thematisiert worden. „Ich wollte also auch nichts relativieren“.

Versprochener Schadenersatz noch nicht angekommen

Vor Gericht hatte Gil Ofarim die ursprünglichen Vorwürfe später als Lüge eingeräumt und dem Hotelmitarbeiter eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 20.000 Euro zugesagt. Den Schadenersatz habe er aber noch nicht erhalten, gab der Hotelmitarbeiter in der „Zeit“ zu Protokoll. Für seinen Sieg im Dschungelcamp erhält Ofarim 100.000 Euro.

Bisher hatte sich der Hotelmitarbeiter nie öffentlich geäußert und gibt auch im aktuellen Interview seine volle Identität nicht preis.