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Berlin – Die Lage lässt sich so zusammenfassen: Verdi streikt gegen einen Staat, der pleite ist. Die Firma BASF verlässt das Land, bevor sie pleitegeht.

Die Gewerkschaft Verdi überzieht den öffentlichen Dienst mit einem Warnstreik nach dem anderen, ohne zuerst nach einer Verhandlungslösung zu suchen. So will man Zähne zeigen. Sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt sind das Mindeste, was die Gewerkschafter fordern, außerdem mehr Urlaub und andere Annehmlichkeiten. 

Bei den Piloten ist es ähnlich. Sie legten am Donnerstag die Lufthansa lahm. Die Gewerkschaft Cockpit verlangt eine bessere Betriebsrente. 

Alle diese Forderungen sind sicherlich im Sinne der Arbeitnehmer, wer aber bezahlt die Rechnung?

Der öffentliche Dienst ist erpressbar, die Lufthansa auch, die Industrie ist es nicht. Das führt uns ganz schmerzhaft der Chemieriese BASF vor Augen, der in Berlin seine Abteilung „Global Business Services“ mit 2800 Mitarbeitern unterhält.

Verdi streikt, BASF geht an anderen Standort

Am Mittwoch teilte BASF mit, die Berliner Abteilung werde in einem „neuen globalen Hub in Indien gebündelt“. Einzelne Geschäftsbereiche würden nach Kuala Lumpur in Malaysia verlagert.

Der Regierende Bürgermeister Wegner reagierte empört auf diese Ansage. Berlin stehe „für einen starken Industriestandort mit hoher sozialer Verantwortung“, sagte er. Die Tarifbindung sei ein „Standortvorteil“.

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Das aber stimmt leider nicht. Denn die Unternehmen verlassen Deutschland nicht zum Spaß, sondern wegen der hohen Kosten: Bürokratie, Energie und vor allem die Lohnkosten fressen so viel von den Einnahmen, dass sich die Produktion nicht mehr lohnt. Die hier erzeugten Produkte sind immer weniger wettbewerbsfähig.

Da können die Gewerkschaften noch so viel fordern und schreien: An den Gesetzen des Weltmarktes, von dem wir auf Gedeih und Verderb abhängen, ändert das nichts.

Verdi streikt gegen einen Staat, der pleite ist. Die Firma BASF verlässt das Land, bevor sie pleitegeht.

Hat Gunnar Schupelius recht? Schreiben Sie an: gunnar.schupelius@axelspringer.de