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Albstadt (Baden-Württemberg) – Nach 120 Jahren Firmengeschichte schien das Schicksal von Mayer & Cie. besiegelt: Der Weltmarktführer rutschte in die Insolvenz. Alles deutete auf das endgültige Aus hin. Jetzt die völlig überraschende Wende.
Ein chinesischer Investor übernimmt das Familienunternehmen, das für seine Rundstrick- und Flechtmaschinen bekannt ist. Die Technik aus Albstadt (Baden-Württemberg) ist international gefragt: Der Großteil der Produktion geht in den Export. Trotz dieser starken Position geriet der Weltmarktführer in den vergangenen Jahren zunehmend unter wirtschaftlichen Druck und stand zuletzt vor dem endgültigen Aus. Fast allen 270 Mitarbeitern wurde zu Ende Februar gekündigt. Nur eine kleine Gruppe sollte bleiben, um den Restbetrieb abzuwickeln.
So rutschte das Unternehmen in die Insolvenz
Gründe für die Insolvenz sind ein stark eingebrochener Weltmarkt für Textilmaschinen, ein Umsatzrückgang von rund 50 Prozent im Vorjahr sowie massiv gestiegener Wettbewerb. Vor allem durch subventionierte chinesische Anbieter. Hinzu kamen globale Belastungen wie US-Zölle, der Handelskrieg, der Ukraine-Konflikt und die hohe Inflation in wichtigen Absatzmärkten wie der Türkei.

Die Technik aus Albstadt ist international gefragt. Der Großteil der Produktion wird exportiert
Foto: Patrick Seeger/dpa/lsw
Monatelange Suche nach Investor ohne Erfolg
Mit dem Insolvenzantrag des Unternehmens Ende September begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Weltweit wurde nach einem Käufer gesucht. Monatelang ohne Erfolg. Bis jetzt. Der chinesische Unternehmer Xu Hongjie (32) übernimmt den kompletten Rundstrickbereich. Dazu gehören auch die Tochterunternehmen in Vsetín (Tschechien) und in Jintan (China), so Sprecherin Claudia Bitzer.

Das Traditionsunternehmen war bis zuletzt Weltmarktführer
Foto: Michael Hahn
So geht es jetzt weiter
Der Kaufvertrag wurde in dieser Woche unterzeichnet. In den kommenden Wochen will der neue Eigentümer des Unternehmens mit einem kleinen Team den Vertrieb wieder hochfahren und den Neustart vorbereiten. Langfristig soll das Premiumsegment erschlossen werden.
Die bisherige Mayer & Cie. GmbH & Co. KG ist mit der Vertragsunterzeichnung erloschen. Deshalb müssen ehemalige Beschäftigte neu eingestellt werden. Wie viele Mitarbeiter zum Start übernommen werden, ist noch offen. Fest steht jedoch: Entwicklung und Produktion bleiben weiterhin in Albstadt verankert.