In „No Good Men“, dem Eröffnungsfilm der 76. Berlinale, geht es viel um Männer und Frauen. Die Regisseurin Shahrbanoo Sadat spielt die Hauptrolle in dieser romantischen Komödie aus Afghanistan und will sich in ihrem dritten Spielfilm mit Geschlechterrollen in ihrem Heimatland humorvoll-melancholisch auseinandersetzen.

Alles spielt vor einem ernsten und realen Hintergrund. Die USA unter Präsident Joe Biden entschließen sich im Jahr 2021 nach Jahren des Dauereinsatzes, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die Taliban nutzten das entstandene Machtvakuum und starteten ihre Offensive. Die Hauptfigur Naru (Shahrbanoo Sadat) arbeitet beim afghanischen Fernsehsender Kabul TV und bekommt die Geschehnisse live in der Hauptstadt mit.

Ihr Reporter-Kollege Qodrat (Anwar Hashimi) nimmt sie mit auf einen schwierigen Außeneinsatz. Zunächst können sich die beiden überhaupt nicht ausstehen, aber mit der Zeit beginnt die berufliche Beziehung aufzutauen; die Blicke der beiden werden immer tiefer und länger. Alles könnte gut werden, stünden ihnen da nicht Narus übergriffiger Ehemann und eine islamistische Terrorgruppe namens Taliban im Weg.

Ein afghanischer Film, der sich deutsch an fühlt

Gefördert wurde der Film von zahlreichen deutschen Förderanstalten, wie der MOIN Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein, der Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Medienboard Berlin-Brandenburg. Gedreht wurde „No Good Men“ an verschiedenen Drehorten in Deutschland, denn einen kritischen Film über die Taliban im Land der Taliban zu drehen, wäre aktuell ein waghalsiges Unterfangen.

Man ist nach dem Kinogang ein wenig überrascht, wie deutsch sich „No Good Men“ anfühlt. Die Figuren sprechen zwar fast alle Dari und Paschtu, und die Handlung des Films ist allein in Afghanistan angesiedelt, aber mit all den Witzen über Männer und Frauen macht der Film deutschen Regisseuren wie Til Schweiger gefährliche Konkurrenz.

Und auch für ein paar Untenrum-Witze ist sich „No Good Men“ nicht zu schade. Beim vergangenen Berlinale-Eröffnungsfilm hat es nur 20 Minuten gedauert, bis Lars Eidingers Glied auf der Leinwand baumelte. Dieses Jahr ist es ähnlich, denn nach nur wenigen Minuten sehen wir auf der Leinwand einen großen Gummipenis mit Vibrationsfunktion und USB-C-Anschluss, über den sich Hauptfigur Naru zusammen mit ihren Kolleginnen beömmelt.

„No Good Men“: Gut gemeint, aber nicht gut gemacht

„No Good Men“ will sich natürlich kritisch mit den Geschlechterverhältnissen in Afghanistan beschäftigen und hat ein ernstes Anliegen. „Weil ich in einer zutiefst patriarchalen afghanischen Gesellschaft groß wurde, glaubte ich lange nicht an gute Männer. Erst später entdeckte ich, dass es eine andere Realität gibt“, sagt Regisseurin Sadat über ihren Film. Das ist natürlich mutig für eine Frauenrechtlerin aus Afghanistan, die befürchten muss, in ihrem Heimatland für ihre Haltung ihr Leben zu lassen. Mit Filmkunst hat „No Good Men“ allerdings relativ wenig zu tun.

Denn der Film bedient sich abgeschmackter Rom-Com-Klischees und weiß nicht so recht, was er mit ihnen anfangen soll. Da ist der lange Blick in die Augen, nachdem sich die beiden Hauptfiguren zufällig ganz nah kommen. Oder der sich anbahnende Kuss, der selbstverständlich von einem klingelnden Handy verhindert wird. Gefilmt wurde das alles in einer uninteressanten Fernseh-Ästhetik, wegen der man sich direkt nach dem Kinogang kaum noch an einzelne Einstellungen erinnern kann.

Die Heiterkeit einzelner Szenen wird immer wieder mit ernsten Situationen durchbrochen. Die Hochzeit des Leiters bei Kabul TV wird von einer Selbstmordattentäterin gesprengt; zuvor tanzte man dort noch zur afghanischen Version des Modern-Talking-Hits „Brother Louie“, wofür Pop-Titan Dieter Bohlen im Abspann sogar einen Credit bekommt. Nach diesem Massaker, das als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte eingehen wird, müssen sich Naru und Qodrat entscheiden: Wollen sie in ihrer Heimat bleiben und ihr Leben aufs Spiel setzen – oder nutzen sie ihre journalistischen Kontakte und fliehen aus Afghanistan, bevor die Taliban endgültig das Zepter übernehmen?

Begeistert verlässt man den Kinosaal nach diesem bräsigen Eröffnungsfilm leider nicht. Gut gemeint ist „No Good Men“ in jedem Fall, aber leider nicht gut gemacht. Das Thema hat gesellschaftliche Brisanz, aber so sehr dann auch wieder nicht, denn er spielt vor dem Hintergrund der politischen Umstände in Afghanistan im Jahr 2021 und das liegt immerhin fünf Jahre zurück. Die Mühlen der deutschen Filmförderung mahlen eben langsam, und was dieses Jahr in Afghanistan, Kiribati oder Tadschikistan passiert, landet dann in fünf Jahren garantiert auf der Berlinale.

No Good Men. Berlinale Special Gala. 13.2., 18.15 Uhr (Uber Eats Music Hall), 14.2., 20.30 Uhr (Haus der Berliner Festspiele), Tickets auf: berlinale.de