Die Odeg hat die Reißleine gezogen: Um die ständig verspätete Linie des RE85 zwischen Schwerin und Berlin zu stabilisieren, enden die Züge bis auf Weiteres bereits in Gesundbrunnen.
„Die Fahrplananpassung ist notwendig, da der Bahnknoten Berlin insgesamt überlastet ist“, teilte das Eisenbahnunternehmen Odeg mit. Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 hätte sich insbesondere der Abschnitt zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz als „stark verspätungsanfällig für die Züge der Linie RE85“ gezeigt, so die Odeg weiter.
Seit Mitte Januar enden alle Züge des RE85 in Gesundbrunnen. „Dies war als Sofortmaßnahme unumgänglich“, so das Unternehmen. Für Fahrgäste ist das ärgerlich und zeitraubend, denn die meisten von ihnen wollen in die Berliner City und müssen umsteigen. Laut Odeg ist die Verkürzung des Zuglaufs mit Bahn und VBB abgestimmt.
Seit Montag dieser Woche gibt es eine kleine Verbesserung. Drei Züge zwischen 22 und 6 Uhr fahren wieder durch den Fernbahntunnel: einer um 5 Uhr ab Südkreuz und die beiden, die um 0.53 Uhr und 22.53 Uhr in Südkreuz ankommen.
Der RE85 fährt alle zwei Stunden zwischen Berlin und Schwerin über Güstrow und Bad Kleinen. Die Linie dient bis zum 30. April während der Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg als Ersatz Richtung Norden.
Das Berliner Eisenbahnnetz gilt als chronisch überlastet. Die Deutsche Bahn hatte am 11. November 2019 die Berliner Abschnitte von Spandau bzw. Gesundbrunnen über Hauptbahnhof bis Südkreuz gegenüber den Behörden offiziell „für überlastet erklärt“. Seitdem haben das Eisenbahnbundesamt und die Bundesnetzagentur die Strecken im Blick.
Die Stadtbahn gilt bereits seit Dezember 2013 zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg offiziell als überlastet. Deshalb halten auch nur wenige ICE in den Tagesrandzeiten am Bahnhof Zoo.
Die Bahn hat den Behörden für beide Strecken mittlerweile einen „Plan zur Erhöhung der Schienenwegkapazität“ (PEK) vorgelegt. Die Dokumente liegen dem Tagesspiegel vor. Darin wird unter anderem der Bau neuer Gleisverbindungen angekündigt, die die Kapazität der Strecken erhöhen sollen.
Im vergangenen Jahr hatte die Bahn am Hauptbahnhof tief deshalb drei neue Weichen eingebaut, die den Betrieb flexibler machen. Auf diese Weichen war 2006 beim Bau des Zentralbahnhofs aus Kosten- und Zeitgründen verzichtet worden. Auf der Stadtbahn sollen solche Gleisverbindungen im zweiten Halbjahr während einer sechsmonatigen Totalsperrung der Stadtbahn eingebaut werden.
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Fahrgastverbände kritisieren seit 20 Jahren, dass es am Hauptbahnhof vor und hinter den Bahnsteigen auf der Stadtbahn keine Weichen gibt, die den Betrieb vor allem bei Störungen deutlich erleichtern würden.